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Im Dezember : Erstmals seit 2013 wieder mehr Arbeitslose als im Jahr zuvor

  • Aktualisiert am

Arbeitssuchende stehen in Duisburg vor der Bundesagentur für Arbeit. Bild: dpa

Zum Jahresende steigt wie gewohnt die Arbeitslosigkeit – doch diesmal stärker als sonst. Trotzdem war 2019 für den deutschen Arbeitsmarkt ein Rekordjahr.

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          Der Arbeitsmarkt in Deutschland hat im vergangenen Jahr Rekordmarken gesetzt, sich zum Jahresende aber verschlechtert. Erstmals seit sechs Jahren waren im Dezember mehr Menschen arbeitslos als ein Jahr zuvor. Von November auf Dezember verzeichnete die Bundesagentur für Arbeit (BA) eine Zunahme der Arbeitslosenzahl um 47.000 auf 2,227 Millionen.

          Die Erwerbslosigkeit stieg damit zum Jahresende stärker als üblich – die aktuelle Wirtschaftsflaute schlägt durch. Im Dezember waren 18.000 Personen mehr arbeitslos als ein Jahr zuvor. Einen solchen Anstieg im Vergleich zum Vorjahr gab es zuletzt im Dezember 2013.

          Im Jahresdurchschnitt allerdings ging die Arbeitslosenzahl erstmals seit der Wiedervereinigung auf weniger als 2,3 Millionen zurück, wie die BA am Freitag in Nürnberg mitteilte. Gleichzeitig stiegen Erwerbstätigkeit und Beschäftigung auf Höchstmarken.

          Die durchschnittliche Arbeitslosenzahl des Jahres ging auf 2,267 Millionen zurück. Das waren 73.000 weniger als 2018. Die BA führte dies vor allem auf die „gute Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt bis in das erste Jahresdrittel 2019“ zurück. Danach hätten die schwächere Konjunktur und ein Sondereffekt aufgrund von Prüfaktivitäten zum Arbeitslosenstatus einer weiteren positiven Entwicklung entgegengewirkt.

          „Der Arbeitsmarkt hat sich auch zum Jahresende weitestgehend stabil gezeigt“, sagte BA-Chef Detlef Scheele. „Spuren der konjunkturellen Schwächephase sind aber erkennbar.“

          Viele Kurzarbeiter – vor allem bei Autozulieferern

          Recht kräftig gestiegen ist auch die Zahl der Beschäftigten, die konjunkturelles Kurzarbeitergeld beziehen. Sie belief sich laut vorläufigen hochgerechneten Daten im Oktober auf 84.000 Menschen und bewegt sich damit in etwa auf dem Niveau der europäischen Staatsschuldenkrise in den Jahren 2012 und 2013.

          Die BA hat auch die Kurzarbeiterzahlen für den September deutlich nach oben korrigiert: von ursprünglich 59.000 auf nun 74.000. Das Münchner Ifo-Institut geht aus Basis von Unternehmensbefragungen davon aus, dass die Zahl inzwischen sogar noch höher liegt und zum Jahresende schon mehr als 100.000 Beschäftigte in Kurzarbeit tätig waren.

          Das Kurzarbeitergeld ist eine Leistung, mit der die Arbeitslosenkasse für einen Teil des Lohnausfalls einspringt, wenn Unternehmen in konjunkturellen Schwächephasen die Arbeitszeit ihrer Mitarbeiter kürzen. Das soll in Krisenzeiten Entlassungen vermeiden. In der Wirtschaftskrise im Jahr 2009 waren zeitweilig fast 1,5 Millionen Arbeitnehmer in Deutschland in Kurzarbeit.

          Die BA sehe bei Betriebsbesuchen insbesondere in der Autoindustrie und bei Zulieferern, dass die Kombination aus der konjunkturellen Schwächephase und dem Strukturwandel hin zu Digitalisierung und Elektromobilität einige Unternehmen „vor große Probleme“ stelle, sagte Scheele.

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