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Erfolgreiche Einwanderung : Ein Spanier in Deutschland

Victor Mari Cervera kam als Au-pair nach Deutschland Bild: Schmitt, Felix

Víctor Marí Cervera kam zum Kinderhüten nach Deutschland. Jetzt macht er Karriere in der Industrie. Beispiel für eine Erfolgsgeschichte.

          2 Min.

          Manche glückliche Entwicklung beginnt ziemlich alltäglich. Vor einem Jahr las Hariolf Kottmann, der deutsche Vorstandschef des Schweizer Chemiekonzerns Clariant (6 Milliarden Franken Umsatz, 21.000 Beschäftigte) in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung über Víctor Marí Cervera - der ausgebildete Biochemiker aus dem spanischen Valencia fand trotz bester Noten keine Arbeit in seiner Heimat. Da probierte der junge Mann etwas Ungewöhnliches: Er bewarb sich als Au-pair bei einer deutsch-spanischen Familie in Frankfurt. Sein Ziel war es, schnell Deutsch zu lernen, um auf dem deutschen Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Den Chemiemanager Kottmann rührte die Geschichte, und er stellte sich die Frage, ob er selbst den Mut zu einem solchen Schritt aufgebracht hätte. Er bat seinen Technologiechef Martin Vollmer, Marí zu einem Vorstellungsgespräch einzuladen. Der junge Spanier bekam ein sechsmonatiges Praktikum in der Sparte Biotech & Renewables Center in München angeboten.

          Doch plötzlich befiel den jungen Mann ein gewisses Fracksausen. Da half seine tatkräftige Au-Pair-Mutter Isabel Grasa Vilallonga, eine katalanische Powerfrau aus Frankfurt-Eschersheim. Sie pushte ihren Schützling damals, den großen Schritt doch zu wagen. Seit Mitte März hat Marí nun eine Festanstellung bei Clariant - als Forscher im Protein-Engineering. Die Arbeit sei nicht anders als in seinem alten Forschungslabor in Valencia, nur härter: Es würde mit deutlich mehr Proteinen experimentiert: „300 statt 3“.

          Marí ist mit der Planung, Durchführung und Auswertung von wissenschaftlichen Experimenten zur Entwicklung von Bio-Katalysatoren betraut. Er verdient 3500 Euro brutto im Monat. Neulich hat ihn sein Chef aufgefordert, ein paar Tage freizunehmen und Überstunden abzubauen. Sonst wäre er ja schon im September mit seiner Jahresarbeitszeit durch.

          Einen Freundeskreis hat er auch schon

          Zu Weihnachten hat er das letzte Mal seine Heimat Valencia besucht. Er war der Einzige mit fester Anstellung. Ein paar seiner Freunde haben in Diskotheken und Bars gejobbt. Das empfand er als bedrückend. Doch von seinem Vorbild animiert sind sie nicht.

          Andere spanische Jungakademiker sind aber längst auf die gleiche Idee gekommen. Bei den Online-Au-pair-Vermittlern wimmelt es von spanischen Akademikern. Marís Frankfurter Familie hat auch wieder jemanden gefunden: einen Chemie-Ingenieur. Der hatte in dieser Woche Vorstellungsgespräche in Köln. So entwickelt sich Isabel Grasa Vilallongas Familie langsam zum kleinen Sprungbrett für arbeitslose spanische Akademiker. Die Kinder müssen sich ein bisschen an die Wechsel gewöhnen.

          Aber Marí hält den Kontakt, zweimal war er schon in Frankfurt seitdem er seine neue Stelle angetreten hat, jetzt folgt der Gegenbesuch in München. Der Spanier hat mitten in der bayrischen Hauptstadt ein Zimmer gefunden. Einen Freundeskreis hat er auch schon. Eine Familie hat ihn fürs Wochenende ins tiefste bayrische Schwaben eingeladen. Das war eine kommunikative Herausforderung, die Leute haben Dialekt gesprochen.

          Marí will mehr als nur ein paar Jahre bleiben. Clariant ist sehr zufrieden mit dem jungen Mann, sagt Konzern-Chef Kottmann. Der Chemieriese bietet Perspektiven für Mitarbeiter, die des Spanischen mächtig sind. In Lateinamerika wächst das Geschäft besonders schnell.

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