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Prognosen für 2019 : Ökonomen erwarten Wachstumsflaute

Wenigstens auf die Bauwirtschaft ist unverändert Verlass. Bild: dpa

Ein Institut nach dem nächsten kappt seine Konjunkturprognose. Im laufenden Quartal droht sogar ein Rückgang der Wertschöpfung.

          Die schwächelnde Konjunktur hat führende Wirtschaftsforscher zu einer merklichen Korrektur ihrer Wachstumsprognose veranlasst. Wie das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) am Donnerstag bekanntgab, sei in diesem Jahr nur noch eine Zunahme des Bruttoinlandsprodukts von 0,6 Prozent zu erwarten; bislang ging man von einem Prozent aus. Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle bestätigte seine Prognose von 0,5 Prozent Wachstum in diesem Jahr. Ende voriger Woche war schon die Bundesbank von 1,6 auf 0,6 Prozent zurückgerudert. Zum Vergleich: Von 2014 bis 2018 ist die deutsche Wirtschaft Jahr für Jahr um 1,4 bis 2,2 Prozent gewachsen.

          Niklas Záboji

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das dürfte sich frühestens im kommenden Jahr wiederholen, glauben die Ökonomen. Allen voran die globale politische Unsicherheit gibt aus ihrer Sicht Grund zur Besorgnis. „Von der Schwäche des Welthandels ist die international stark vernetzte deutsche Industrie besonders betroffen“, betonte Oliver Holtemöller, Konjunkturchef am IWH. Der deutliche Rückgang der Industrieproduktion im April lasse erkennen, dass die Belebung zu Jahresanfang vor allem auf temporäre Faktoren zurückging und die Grundtendenz der Konjunktur weiterhin schwach ist.

          Tatsächlich bestätigten am Donnerstag von der europäischen Statistikbehörde Eurostat veröffentlichte Zahlen das Bild einer sich im Abschwung befindenden Wirtschaft. Um rund zwei Prozent schrumpfte die Produktion hiesiger Industriebetriebe, und auch der restliche Euroraum verzeichnet überwiegend Rückgänge. Die deutschen Exporte waren im April im Vergleich zum Vormonat sogar um nahezu vier Prozent gesunken. Für das zweite Quartal 2019 zeichne sich aus diesen Gründen sogar ein leichter Rückgang der Wertschöpfung ab, heißt es in Kiel.

          Die Binnenwirtschaft bleibt robust

          Dennoch betonen die Wirtschaftsforscher unisono, dass das konjunkturelle Lagebild uneinheitlich sei. Denn anders als die exportabhängige Industrie stehe die Binnenwirtschaft unverändert robust da – und dürfte es auch bleiben. Vor allem das Baugewerbe boome. In Halle erwartet man weiterhin eine Zunahme des privaten Konsums und höchstens eine Verlangsamung des Beschäftigungsaufbaus. Die Arbeitslosenquote dürfte sich in diesem und nächstem Jahr bei etwa fünf Prozent einpendeln. 

          Auch wenn der Einfluss der deutschen Politik auf den Welthandel und die Beziehungen zwischen Amerika und China überschaubar bleibt – zurücklehnen ist nach Ansicht der Ökonomen die falsche Strategie. Schon allein die deutlich zurückgehenden Steuereinnahmen ließen die öffentliche Hand nicht kalt. „An der globalen politischen Unsicherheit, die die Unternehmen hierzulande belastet, kann die deutsche Politik wenig ändern. An der Standortqualität hingegen schon“, sagte IfW-Präsident Gabriel Felbermayr. Es sollte daher jetzt darum gehen, die deutsche Wirtschaft widerstandsfähiger zu machen, etwa durch eine Reform der Unternehmenssteuern und die vollständige Abschaffung des Solidaritätszuschlages.

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