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Ende der Währungsunion : Der Euro-Ausstieg ist machbar

Diese Scheine könnten aus der Schweiz kommen, wenn die Notenbanken auf die Schweizer Verschwiegenheit vertrauen und dort rechtzeitig Scheine in Auftrag geben. Die Notenbanker könnten aber auch eine sogenannte „Ersatzwährung“ nutzen. Das ist ein kompletter Satz an neuen Banknoten, der für Notfälle eingelagert ist. Die Bundesbank hatte so eine Ersatzwährung während des Kalten Krieges - so hätte sie die Scheine schnell austauschen können, wenn der Ostblock Deutschland mit gefälschten Scheinen überschwemmt hätte. Im Euroraum gibt es so eine Ersatzwährung heute nicht mehr, sagen zumindest die Notenbanken - vielleicht würde aber ein anderes Land, das seine Ersatzwährung noch hat, sie verkaufen. Zur Not bleibt die Lösung, die alten Scheine mit möglichst fälschungssicherer Tinte zu stempeln.

Nicht mal die Beträge müssen umgerechnet werden

Die Umtauschfrist endet deutlich schneller als bei der Einführung des Euro: schon nach rund drei Wochen. Wer danach noch alte Euro übrighat, muss beim Umtausch nachweisen, woher das Geld stammt. Trotzdem sollte die Frist nicht verlängert dauern - denn dann können die Grenzkontrollen rasch wieder aufgehoben werden.

Neue Scheine braucht auch Deutschland, selbst dann, wenn das Land den Euro behält. Andernfalls würden aber die Griechen ihre Scheine so lange horten, bis die Grenzkontrollen vorbei sind, und sie dann nach Deutschland bringen. Ginge es nur um Griechenland, wäre dies noch verkraftbar - aber nicht, wenn mehrere Länder austreten. Dann hilft nur, auch im Rest-Euroraum neue Euro-Scheine zu verteilen.

Mit den neuen Geldscheinen funktionieren die alten Automaten anfangs nicht. Das ist verschmerzbar, weil große Beträge inzwischen meist mit Karte bezahlt werden. Die EC-Karten umzustellen ist wiederum recht einfach. Schließlich müssen - anders als bei der Euro-Einführung- keine Währungen parallel geführt werden. Nicht mal die Beträge müssen umgerechnet werden, weil jedes Land mit einem Wechselkurs von eins zu eins in seine neue Währung starten kann.

Satte Gewinne für die einen, herbe Verluste für die anderen

Die organisatorischen Fragen sind also lösbar. Doch das ist das kleinere Problem. Größere Schwierigkeiten rühren daher, dass der Wechselkurs zwischen den neuen Währungen nicht bei eins zu eins bleiben wird. Wenn das Geld zwischen den EU-Staaten frei fließen soll, müssen auch die Kurse der neuen Währungen flexibel sein. Wo sich die Kurse einpendeln, ist schwer vorherzusagen. Klar ist: Einerlei, wer aus dem Euro aussteigt - die deutsche Währung wird nach dem Bruch an Wert gewinnen, die griechische an Wert verlieren.

Das führt zu enormen Umwälzungen. Der Ausstieg wird manchen Leuten satte Gewinne bringen, anderen herbe Verluste. Wie sich die Verluste verteilen, hängt vor allem von einer Entscheidung ab: in welche Währung die vielen zwischenstaatlichen Kredite, Guthaben und Lieferverträge umgerechnet werden. Dafür muss eine Expertengruppe schon vor dem Ausstieg detaillierte Regeln vorbereiten- ausgehend von einer einfachen, klaren Grundregel: Die neue Währung von Verträgen, Krediten und Guthaben richtet sich nach ihrem Gerichtsstand, der üblicherweise in den (Kredit-)Verträgen festgehalten wird.

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