https://www.faz.net/-gqe-79l09

Einsatz für den Euro : Fünf Top-Ökonomen gegen die AfD

  • Aktualisiert am

Auch in schweren Zeiten: ZEW-Präsident Clemens Fuest ist einer der fünf Verfechter eines Festhaltens an der Währungsunion. Bild: Röth, Frank

Die Währungsunion geordnet auflösen - das wäre die Wunschvorstellung der Anti-Euro-Partei AfD. Doch fünf höchst prominente deutsche Wirtschaftsforscher wehren sich nun vehement gegen ein solches Vorhaben. In einem flammenden Plädoyer warnen sie vor den Folgen.

          2 Min.

          Die Anti-Euro-Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD) macht Furore mit ihrer Forderung angesichts der anhaltenden Schuldenkrise im Euroraum die Währungsunion geordnet aufzulösen. Oft stellt die Partei dieses Vorhaben als unter Wirtschaftswissenschaftlern relativ unumstritten dar. „Wenn ich ein Geisterfahrer bin, dann sind Dutzende Volkswirtschaftsprofessoren ebenfalls Geisterfahrer“, hatte der AfD-Gründer Bernd Lucke noch vor kurzem der F.A.Z. gesagt. Dagegen wehren sich  nun fünf namhafte deutsche Wirtschaftsforscher in einem Gastbeitrag für die „Süddeutsche Zeitung“ mit großer Vehemenz.

          „Wir halten das für den falschen Weg und plädieren dafür, die Währungsunion in ihrer jetzigen Zusammensetzung zu bewahren und ihre von Beginn an bestehenden institutionellen Mängel sowie die im Laufe der Krise entstandenen Probleme durch entschlossene Reformen zu lösen“, schreiben sie in ihrem Text. Autoren des Gastbeitrags sind Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Clemens Fuest, Chef des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung, Hans Peter Grüner, Lehrstuhlinhaber für Wirtschaftspolitik an der Universität Mannheim, Michael Hüther, Vorsitzender des Instituts der Deutsche Wirtschaft und Jörg Rocholl, Präsident der European School of Management and Technology.

          Die AfD fordert einen Euro-Ausstieg in Form eines gleitenden Austritts über Parallelwährungen. Ein solches Konzept hatte Lucke im vergangenen Jahr mit dem Bonner Geldtheoretiker Manfred Neumann für Griechenland vorgestellt; auch der damalige Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Thomas Mayer brachte es in die Diskussion.

          Furcht vor wirtschaftlichem Kollaps und politischen Folgen

          Die fünf Wirtschaftsprofessoren sprechen sich nun klar gegen dieses Konzept aus, unter anderem, weil sie  fürchten, ein Austritt einzelner Staaten aus dem Euro würde zu einem wirtschaftlichen Kollaps der Krisenländer führen. Doch auch Deutschland würde sich einer solchen Krise nicht entziehen können, da eine starke Kapitalflucht nach Deutschland einsetzen würde, die letztlich über den Weg steigender Target-Salden zu Verlusten der Bundesbank führen könnte, heißt es weiter.

          Des weiteren argumentieren die fünf Ökonomen, es sei unrealistisch, den Ausstieg von Ländern aus dem Euro über die Einführung einer Parallelwährung einzuleiten. Auch sei unklar, ob der europäische Binnenmarkt den Austritt einzelner Staaten aus dem Euroraum aushalten würde. Dies könne „unberechenbare politische Folgen“ auch für Deutschland haben. „Es bestünde die Gefahr, dass Deutschland für das Scheitern der Währungsunion und ihre Folgen verantwortlich gemacht und in politische und wirtschaftliche Isolation geraten würde“, schreiben Fratzscher, Fuest, Grüner, Hüther und Rocholl.

          Kooperationsangebot an Union und FDP

          Die AfD hatte zuletzt Union und FDP eine Kooperation nach der Bundestagswahl im September angeboten. „Es sind Möglichkeiten der Zusammenarbeit denkbar in Form von Koalitionen oder in Form von Tolerierungen, aber nur dann, wenn der jeweilige Partner seine Position in der Euro-Rettungspolitik grundlegend verändert“, hatte Lucke vergangene Woche in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters gesagt. „Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass man eine  Tolerierung zulässt, sagen wir mal einer schwarz-gelben Koalition.“ Allerdings müssten dann Union und FDP bereit sein, die Bedingungen deutlich zu verschärfen, unter denen Hilfen aus dem Euro-Rettungsschirm ESM gewährt werden.

          In einer Pressemitteilung nach Veröffentlichung des Interviews betonte die AfD, die Äußerungen ihres Vorsitzenden seien kein Koalitionsangebot an CDU und FDP. Lucke habe mit seiner Erklärung, Koalitionen oder Tolerierungen kämen nur infrage bei grundlegender Änderung der Euro-Rettungspolitik, rote Linien ziehen wollen, die die AfD nicht überschreiten werde.

          Weitere Themen

          Lufthansa solle aufhören zu „zocken“ Video-Seite öffnen

          UFO stellt Ultimatum : Lufthansa solle aufhören zu „zocken“

          Die Kabinengewerkschaft UFO will den Arbeitskampf bei der Lufthansa wieder aufnehmen, sollte die Fluggesellschaft nicht zu Kompromissen bereit sein. Sollte Lufthansa weiter „zocken“, werde man sich schon in naher Zukunft auf erneute Streiks einstellen müssen.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.