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Stellenstreichungen : Droht wirklich eine große Entlassungswelle?

Einen Generatorständer betrachtet eine Mitarbeiterin der Factory Services im Siemens-Generatorenwerk in Erfurt in Thüringen zu. Bild: dpa

Konzerne kündigen den Abbau Tausender Stellen an. Das ruft böse Erinnerungen hervor. Doch die Lage ist anders als noch zu Beginn des Jahrtausends.

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          Es beginnt mit der Technik-Branche. Der Siemens-Konzern will in seinen Tochterunternehmen rund 15.000 Arbeitsplätze abbauen. Auch die Netzwerkausrüster streichen im fünfstelligen Bereich. Es folgt die Luftfahrt. Die Lufthansa plant die Freisetzung von 4000 Mitarbeitern, die Tochtergesellschaft Sky Chiefs kann auf 1300 verzichten. Ob Banken oder Autohersteller – wo man hinschaut: weniger Beschäftigte. Der komplette Dax wird von einer Welle erfasst, die rund 150.000 Arbeitsplätze in einem Jahr verschlingt. Ein schwerer Schlag, von dem sich der Arbeitsmarkt auf Jahre hinaus nicht erholt.

          So liest sich die dramatische Chronologie des Jahres 2001. Zuvor war die Blase am „Neuen Markt“ geplatzt. Die deutsche Wirtschaft landete hart, rutschte 2003 in die Rezession. Viele Konzerne waren hoch verschuldet, die Kosten liefen aus dem Ruder, harte Umstrukturierungen schienen unumgänglich. Plötzlich waren nicht mehr nur die Unterschichten am Arbeitsmarkt bedroht, sondern Schichten, in deren Lebenswelt „Entlassung“ bis dahin ein Fremdwort gewesen war: Banker, Versicherungskaufleute, Techniker und viele mehr. Massenentlassungen wurden zur Massenarbeitslosigkeit. Mit der Hartz-IV-Reform 2005 trat das ganze Ausmaß der jahrelangen Misere zutage: 5 Millionen offiziell gemeldeter Arbeitsloser, die Dunkelziffer noch weitaus höher. Deutschland galt als „der kranke Mann Europas“.

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