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Deutsche Exporte : Uncle Sam ist jetzt unser größter Kunde

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Amerika ist jetzt der größte Kunde deutscher Unternehmen - nach vor Frankreich. Bild: Reuters

Seit dem Jahr 1961 kauft kein Land so viele deutsche Produkte wie Frankreich. Das hat sich nun geändert. Und auch damit zu tun, dass Amerika wieder mehr auf die Industrie setzt.

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          Frankreich verliert nach mehr als einem halben Jahrhundert seinen Status als größter Absatzmarkt der deutschen Wirtschaft. Die Vereinigten Staaten haben die zweitgrößte Volkswirtschaft der Währungsunion in der ersten Jahreshälfte als wichtigsten Abnehmer für Waren „Made in Germany“ abgelöst. Beflügelt vom gegenüber dem Vorjahr niedrigeren durchschnittlichen Euro-Kurs zogen die Ausfuhren nach Amerika um beinahe 24 Prozent auf knapp 56 Milliarden Euro an, geht aus Daten des Statistischen Bundesamtes hervor.

          Die Geschäfte mit Frankreich wuchsen dagegen nur um rund vier Prozent auf 53,5 Milliarden Euro. Vielleicht ist dieser Platzwechsel nicht nur vorübergehend, denkt schon mancher. „Eine Ära geht damit zu Ende“, sagte der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier.

          Amerika braucht deutsche Maschinen

          Seit dem Jahr 1961 war Frankreich ununterbrochen der wichtigste Kunde deutscher Unternehmen. Das wird sich nach einer Prognose des DIHK dauerhaft ändern. „Der Aufstieg der Vereinigten Staaten an die Spitze ist keine Eintagsfliege“, so Treier. „Die werden sich vorerst oben festsetzen. Das ist auch ein Beleg unserer Exportstärke, wenn ein geografisch so weit entfernter Markt zur Nummer eins aufsteigt.“

          Komme es zum geplanten Freihandelsabkommen zwischen der EU und den Vereinigten Staaten, werde das der Nachfrage nach deutschen Waren in Amerika einen weiteren Schub geben. Bereits jetzt nimmt die deutsche Wirtschaft fast jeden zehnten im Ausland verdienten Euro in Amerika ein.

          Ein Grund für die wachsenden Ausfuhren ist das robuste Wirtschaftswachstum in den Vereinigten Staaten. Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet für 2015 mit einem Anstieg des Bruttoinlandsproduktes um 2,5 Prozent und für 2016 mit 3 Prozent, während für Frankreich jeweils nur ein halb so hohes Tempo prognostiziert wird. „Wir sehen zudem eine Re-Industrialisierung in den Vereinigten Staaten: Dort werden wegen der niedrigen Energiekosten viele neue Fabriken und Produktionsstätten hochgezogen“, erklärte Treier. „Dafür werden Maschinen und Ausrüstungen aus deutscher Produktion benötigt.“

          Hilfreich sei zudem der im Jahresvergleich deutlich niedrigere Außenwert des Euro gegenüber dem Dollar. „Das kurbelt den Absatz zusätzlich an“, ergänzte Treier. „Die Amerikaner sind relativ preissensible Käufer, auch wenn es um Luxusprodukte wie deutsche Autos geht.“ Deutschland Autobauer erlebten gerade beispielsweise den besten Start in die zweite Jahreshälfte seit zehn Jahren: Im Juli zog der Amerika-Absatz um gut fünf Prozent auf 1,5 Millionen Fahrzeuge an.

          Das kommt den Unternehmen höchst gelegen gerade auch angesichts der offensichtlich abschwächenden Wirtschaftsentwicklung in China: Ihre Exporte in die Volksrepublik legten im ersten Halbjahr 2015 nur um 0,8 Prozent zu - so langsam wie in das weiter in eine Krise steckende Griechenland.

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