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Die Schuldenkrise : Der späte Sieg des Terrors

New York am 11. September 2001: Die brennenden Doppeltürme des World Trade Centers hinter dem Empire State Building Bild: dapd

2001 flogen Flugzeuge ins World Trade Center. Der Anschlag hat die Schuldenkrise mit heraufbeschworen. In der Reaktion auf den Terror geschahen fatale wirtschaftliche Fehler. Die Folgen halten die Welt bis heute in Atem.

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          Als am 11. September vor zehn Jahren die Flugzeuge ins New Yorker World Trade Center flogen, da wollte der Terrorist Usama Bin Ladin nicht nur möglichst viele Menschen töten. Er hatte auch ein zweites Ziel. „Unsere Mission ist, Amerika bis zum Bankrott auszubluten“, sagte er in einem später aufgetauchten Video.

          Patrick Bernau
          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Wert“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Zehn Jahre nach den Anschlägen ist Usama Bin Ladin tot. Und die Welt hält zum ersten Mal in ihrer Geschichte einen Bankrott Amerikas nicht mehr für vollständig ausgeschlossen. Amerika und die ganze westliche Welt stecken in der tiefsten Wirtschaftskrise seit 80 Jahren, und Usama Bin Ladin hat sie mit seinen Anschlägen zum Teil ausgelöst. Für die Schuldenkrise, in der die Welt versinkt und die allerorten Schrecken erzeugt, ist er mit verantwortlich.

          Natürlich kann ein Mann allein nicht die ganze Weltwirtschaft in Gefahr bringen. Dazu müssen viele Leute Fehler machen. Auch die Finanzkrise hatte viele Ursachen und Schuldige. Zum Beispiel spekulativ veranlagte Banker, die nicht auf ihre Risiken achteten. Unvorsichtige Regulierer, die nicht ordentlich hinschauten. Und gierige Hauskäufer, die sich immer weiter verschuldeten. Aber einer der wichtigsten Fehler, die Finanzkrise und Schuldenkrise möglich machten, geschah nach dem 11. September 2001.

          Notenbanker Alan Greenspan (l) hat 2001 Dollars gedruckt. Nachfolger Ben Bernanke (r) hat die Zinsen auf null gesenkt.
          Notenbanker Alan Greenspan (l) hat 2001 Dollars gedruckt. Nachfolger Ben Bernanke (r) hat die Zinsen auf null gesenkt. : Bild: AP

          Eine Woche nach den Anschlägen senkte die Notenbank die Zinsen

          Der September 2001 war aus Usama Bin Ladins Sicht kein schlechter Zeitpunkt, um die amerikanische Wirtschaft ins Chaos zu stürzen. Die Vereinigten Staaten waren ohnehin verunsichert. Gerade war die New-Economy-Blase geplatzt, die Aktienkurse waren bereits tief gesunken, die Konjunktur war flau.

          Alan Greenspan leitete damals die amerikanische Notenbank, und er reagierte, wie er es zuvor schon häufig getan hatte: Er senkte die Zinsen tief und steuerte so der Rezession entgegen. Das beruhigte die Finanzmärkte, weil es den Banken erlaubte, günstig neues Geld zu leihen, das sie verleihen oder anlegen konnten. So stiegen die Kurse, und die Banken machten Gewinne. Dieses Vorgehen hatte schon einen eigenen Namen bekommen: Für die Banken war es der sogenannte „Greenspan-Put“, benannt nach der „Put-Option“, die es Spekulanten erlaubt, ihre Wertpapiere auch bei einem Kurssturz ohne große Verluste loszuwerden.

          Die „Greenspan-Puts“ funktionierten einigermaßen, solange Greenspan die Zinsen nach der Krise immer wieder erhöhte. Dabei ähnelte seine Geldpolitik einer anerkannten Regel der Notenbanken, der sogenannten „Taylor-Regel“, die aufzeigen soll, welche Zinsen theoretisch sinnvoll sind. Oft war Greenspan sogar noch etwas schärfer. Auf diese Weise war die Wirtschaft über die Jahre aufgeblüht. Fachleute lobten seine Politik, und selbst Bob Woodward, der kritische Journalist, der in der Watergate-Affäre Richard Nixon zu Fall gebracht hatte, arbeitete Anfang September 2001 an einer Lobeshymne auf Alan Greenspan in Buchform, die später unter dem Titel „Maestro“ erschien.

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