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Darlehen für kleine Betriebe : Die KfW fördert Italiens Mittelstand

  • -Aktualisiert am

Die KfW mischt mit: Die Einkaufsstraße Via Condotti in Rom. Bild: Bloomberg

Spanische Betriebe haben schon profitiert, irische Unternehmen folgen bald. Nun kommt auch der italienische Mittelstand in den Genuss günstiger Darlehen aus deutscher Quelle.

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          Am Mittwoch unterzeichnete die KfW und ihr italienisches Pendant, die Cassa Depositi e Prestiti (CDP), in Rom einen Vertrag über ein Globaldarlehen von 500 Millionen Euro, die aus eigenen Mitteln der deutschen Förderbank stammen. 300 Millionen Euro davon sind für Kredite an kleinere und mittlere Unternehmen mit einem Umsatz bis 50 Millionen Euro vorgesehen. Die CPP wird die Kredite - gemäß dem Vorbild der KfW – nicht selbst vergeben, sondern an lokale Geschäftsbanken weiterreichen, welche die Darlehen dann ausreichen soll. Mit den anderen 200 Millionen Euro soll die Energieeffizienz privater Unternehmen im Bereich öffentliche Infrastruktur gefördert werden – das könnten zum Beispiel Gebäudesanierungen lokaler Energieversorger sein.

          Ziel des Abkommens sei zum einen, die von der EU gewünschte Zusammenarbeit der nationalen Förderbanken auszubauen, erläuterte KfW-Direktor Lutz-Christian Funke. Zum anderen soll dem italienischen Mittelstand der Zugang zu besonders günstigen Darlehen eröffnet werden. Die CDP könnte das Geld zwar auch selbst an den Finanzmärkten aufnehmen. Aber weil die KfW dank ihrer Garantie des Bundes über die Ratingbestnote AAA verfügt, kann sie sich zu deutlich besseren Konditionen refinanzieren, als die italienische CDP, deren Bonitätsnote gleich mehrere Stufen schlechter ist.

          Daher kann die deutsche Förderbank besonders zinsgünstige Darlehen vergeben – in diesem Fall nach Italien. Die genauen Konditionen für die empfangenden Betriebe legen dann die italienischen Institute fest. Eine Detailkontrolle über die Mittelverwendung hat die KfW nicht, da es sich um ein Globaldarlehen handelt. Allerdings gebe es klare Richtlinien zur Vergabe der Kredite, hieß es. Das Ausfallrisiko, dass sich die KfW in vielen politisch gewollten Projekten vom Bund abnehmen lässt, verbleibt dieses Mal aber in der Bilanz der Förderbank.

          100 Millionen Euro für Griechenland

          „Unsere Expertise in der Mittelstandsfinanzierung ist nicht nur in Deutschland, sondern europaweit gefragt“, erklärte der KfW-Vorstandsvorsitzende Ulrich Schröder zur Vertragsunterzeichnung. „Gleichzeitig geben wir mit dieser Refinanzierungslinie an unser italienisches Partnerinstitut einen wichtigen Impuls zur Schaffung von Arbeitsplätzen“, fügte er hinzu. Ein ähnliches Globaldarlehen an die spanische Förderbank ICO habe sich im Jahr 2013 als großer Renner erwiesen, erläuterte Funke, die Mittel seien innerhalb von drei Monaten ausgeschöpft worden. Allerdings habe man damals auch das Glück gehabt, mit den Darlehen just in eine Zeit des ersten wirtschaftlichen Aufschwungs in Spanien nach der großen Krise hineinzustoßen, räumte er ein. Für das spanische Globaldarlehen hat der Bund die Ausfallgarantie übernommen.

          In Irland wiederum ist im September die neue Förderbank SBCI gegründet worden, die von der KfW und der Europäischen Investitionsbank (EIB) ein Globaldarlehen von 500 Millionen Euro zur Finanzierung des irischen Mittelstands erhält. Davon stammen 150 Millionen Euro von der KfW, auch sie sind vom Bund garantiert. Eine neu gegründete Förderbank (IFD) in Portugal unterstützt das deutsche Institut durch Wissenstransfer.

          In Griechenland berät die KfW ebenfalls die dortige Regierung im Aufbau einer eigenen Förderbank (IfG) für den Mittelstand. Sowohl die KfW als auch der griechische Staat haben dazu bislang jeweils 100 Millionen Euro als Globaldarlehen an eine Zweckgesellschaft gegeben, die allerdings in Luxemburg sitzt. Darüber hinaus hat die KfW Wissen über ihre Förderarbeit und ihr Durchleitungssystem von Krediten an andere europäische Länder vermittelt, auch an Staaten wie Großbritannien oder Frankreich.

          Globaldarlehen an andere Länder zur Unterstützung kleinerer und mittlerer Unternehmen habe die KfW auch schon vor der großen Finanzmarktkrise immer wieder vergeben, erläuterte Funke, der für die Förderbank die europäischen Projekte leitet. Allerdings habe es sich damals eher um Größenordnungen zwischen 50 und 100 Millionen Euro gehandelt, fügte er hinzu. Die EU wolle jedoch seit der Krise, dass die Förderbanken stärker zusammenarbeiten und dass insbesondere die großen Institute auch mehr Projekte finanzieren. „Die KfW ist als größter Spieler neben der EIB hier besonders gefragt“, sagte Funke.

          Die Cassa Depositi e Prestiti wurde bereits 1850 gegründet und ist eine Aktiengesellschaft, an welcher der italienische Staat 80,1 Prozent der Anteile hält. Zweiter Eigner sind mit 18,4 Prozent Bankstiftungen. Wichtigste Refinanzierungsquelle ist nicht der internationale Kapitalmarkt, sondern staatlich garantierte Postspareinlagen.

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