https://www.faz.net/-gqe-ad9e6

Teurer Urlaub : Die Inflation in der Eurozone sinkt leicht auf 1,9 Prozent

Die Anreise zum Urlaubsort wird teurer. Auch viele Hotels und Restaurants heben die Preise an. Bild: dpa

Benzin und Diesel treiben pünktlich zur Reisewelle die Lebenshaltungskosten in der Eurozone. Im Juli dürfte alles noch teurer werden.

          2 Min.

          Die Inflation im Euroraum ist im Juni leicht zurückgegangen, auf 1,9 Prozent. Das hat die europäische Statistikbehörde Eurostat am Mittwoch aufgrund einer ersten Schätzung mitgeteilt. Hauptpreistreiber war die Energie, die sich auf Jahressicht um 12,5 Prozent verteuerte, etwas weniger als noch im Mai. Industriegüter ohne Energie wurden 1,2 Prozent teurer, Dienstleistungen 0,7 Prozent und Lebensmitteln, Alkohol und Tabak 0,6 Prozent.

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Im Mai hatte die Inflation in der Eurozone mit 2 Prozent einen Höchststand der letzten zweieinhalb Jahre erreicht. Es war der fünfte Monat in Folge mit einem Anstieg, höher hatte die Inflation zuletzt im Oktober 2018 gelegen.

          Vieles rund um den Urlaub wird teurer, nicht nur der Sprit für die die Anreise. Auch Übernachtungen und Restaurantbesuche hätten sich zumindest in Deutschland deutlich verteuert, berichtet Commerzbank-Ökonom Marco Wagner. Offenbar versuchen viele Hotels und Gastronomiebetriebe, die Einnahmeausfällen aus der Pandemie etwas auszugleichen.

          In Deutschland war die Inflation im Juni gegenüber Mai leicht zurückgegangen, nach nationaler Berechnungsweise von 2,5 auf 2,3 Prozent. Dazu hatte unter anderem ein Nachlassen des sogenannten „Basiseffekts“ bei Energie beigetragen: Im Mai war die Energie im Vorjahr besonders billig, weil der Ölpreis wegen der Pandemie eingebrochen war. Im Juni war dieser Effekt nicht mehr ganz so stark. Außerdem schwanken die Preise für Pauschalreisen je nach Termin im Moment kräftig. Teurer wurden zuletzt etwa Fleischwaren und Molkereiprodukte, billiger frisches Obst.

          Für Juli wird wieder mit einer deutlich höheren Inflationsrate in Deutschland gerechnet, weil dann die Preise aus diesem Jahr mit der höheren Mehrwertsteuer denen aus dem vorigen  Jahr mit der abgesenkten Mehrwertsteuer gegenübergestellt werden. Das dürfte die Inflationsrate in Deutschland um einen Prozentpunkt anheben, meint der Ökonom Holger Schmieding. Anteilig dürfte das dann auch die Inflation in der Eurozone nochmal hochtreiben.

          Auch in Frankreich legten die Verbraucherpreise kräftig zu. Die Inflationsrate lag nach europäischer Messmethode des Harmonisierten Verbraucherpreis-Index (HVPI) im Juni bei 1,9 Prozent zu, wie das Statistikamt Insee am Mittwoch in Paris mitteilte. Das ist die höchste Rate seit Ende 2018. Auch dort spielte die Energie als Preistreiber die wichtigste Rolle, während frische Nahrungsmittel sogar günstiger wurden. Einziges Land der Eurozone mit einer negativen Inflationsrate ist jetzt Portugal.

          Die EZB will im Moment nicht auf die gestiegenen Inflation reagieren, weil sie diese für vorübergehend hält. EZB-Präsidentin Christine Lagarde hat allerdings ihre Prognose für die Inflation sowohl für dieses als auch das nächste Jahr angehoben. Sie rechnet jetzt für die Eurozone in diesem Jahr mit 1,9 Prozent Inflation. Das wäre also noch im Rahmen ihres Inflationszieles von „unter, aber nahe 2 Prozent“. Für nächstes Jahr erwartet sie jetzt 1,5 statt 1,2 Prozent Inflation, das wäre also deutlich darunter.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Leere in der  Messe Frankfurt: Ohne Unterstützung  hätte es allerdings noch mehr Insolvenzen gegeben.

          Corona-Förderung : Der Weg in die Zombie-Wirtschaft

          Die Bundesregierung will die Corona-Hilfen verlängern. Doch nicht alle Geschäftsmodelle haben eine Zukunft. Ökonomen warnen: Die Hilfe könnte mehr schaden als nutzen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.