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Keine Aufträge, kein Wachstum : Die Industrie liegt am Boden

Die deutsche Industrie kämpft mit einem Auftragsschwund wegen der Corona-Krise. Bild: dpa

Erstmals liegt schwarz auf weiß vor, wie schwer die Ausgangsbeschränkungen die deutsche Industrie treffen. Ökonomen verbreiten Zuversicht, doch die harten Zahlen machen bislang wenig Mut.

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          Ohne Aufträge keine Produktion, ohne Produktion weniger Wachstum, Steuern und Beschäftigung: Der historisch einmalige Einbruch der Industriebestellungen im April führt vor Augen, wie schwer die Corona-Krise das Land trifft. Erstmals liegen offizielle Zahlen für den Monat vor, in dem für Deutschland und alle wichtigen Absatz- und Beschaffungsmärkte hiesiger Unternehmen die restriktivsten Corona-Einschränkungen griffen. Die Aprilwerte sind also Seismograph für die bislang schwärzesten Wochen in der Krise.

          Niklas Záboji

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Zudem ist der Auftragseingang in der Industrie, die hierzulande mit einem Anteil von mehr als 20 Prozent an der Wertschöpfung ein wichtiger Wirtschaftszweig ist, als vorlaufender Indikator auch Seismograph für die kommenden Wochen. Traditionell sagt er recht präzise vorher, wie – in diesem Fall schlecht – sich die Wirtschaftslage in der Zukunft entwickeln wird.

          Und man muss kein Ökonom sein, um sich vorzustellen, wie sehr ein Orderrückgang von rund 26 Prozent binnen Monatsfrist den Unternehmen zusetzt, nachdem das Minus schon im März 15 Prozent betrug. Vergleicht man den April 2020 mit dem Vorjahresmonat, beträgt der Rückgang sogar nahezu 37 Prozent. Mit anderen Worten: Wurden ein Jahr zuvor noch 100 Maschinen geordert, waren es nun nur noch gut 60 Maschinen. Zum Vergleich: Der größte Einbruch nach der Finanzkrise betrug binnen Monatsfrist 7,5 Prozent im Januar 2009.

          Was überraschen mag

          Den stärksten Rückgang verzeichneten die Autohersteller, den schwächsten, aber gleichwohl immer noch ausgeprägten Rückgang die Produzenten von pharmazeutischen Erzeugnissen wie Medikamenten. Das dürfte ebenso wenig überraschen wie der Umstand, dass nach Warengruppen klassifiziert die Hersteller von Investitionsgütern mit rund 31 Prozent überdurchschnittliche und die Hersteller von Konsumgütern mit rund 11 Prozent unterdurchschnittliche Einbußen erlitten, zieht man den Zweimonatsvergleich zurate (März und April gegenüber Januar und Februar) – schließlich kauften Verbraucher auch in den Ausgangsbeschränkungen weiter Lebensmittel ein, wohingegen die meisten Investitionsvorhaben unternehmensseitig auf Eis gelegt wurden.

          Was in der Größenordnung überraschen mag, ist der Einbruch der Bestellungen aus den Euroländern. Sie fielen im Zweimonatsvergleich um fast 33 Prozent und somit deutlich stärker als die Inlandsbestellungen mit 23 Prozent und die Order aus dem übrigen Ausland mit 27 Prozent. Das sollte vor allem deshalb bedenklich stimmen, weil es Hoffnungen auf eine schnelle konjunkturelle Kehrtwende dämpft.

          Denn der Euroraum ist für die deutsche Wirtschaft von großer Bedeutung, in puncto Vorleistungsgüter genauso wie bei Endprodukten. Vier von zehn Waren, die deutsche Unternehmen exportieren, gingen vor der Krise in die übrigen 18 Euroländer. Zum Vergleich: Den größten Absatzmarkt Amerika erreichte gerade einmal eins von zehn Produkten made in Germany.

          Die Erholung beginnt

          „Die Aprilzahlen markieren sehr wahrscheinlich noch nicht den Tiefpunkt“, kommentierte Ralph Wiechers, der Chefvolkswirt des deutschen Maschinenbauverbandes VDMA, am Donnerstag den Auftragseingang in seiner Branche. „Wir stecken mitten in einem schwierigen zweiten Quartal.“

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