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Bankenaufsicht : Die neue Machtfülle der EZB

Blick aus dem EZB-Neubau auf das Frankfurter Bankenviertel: In Kürze ziehen die meisten Zentralbanker in den neuen Turm im Ostend, die Bankenaufseher wechseln 2015 in den alten Euro-Tower. Bild: Eilmes, Wolfgang

Die Europäische Zentralbank befindet sich in einem heiklen Spagat: Sie muss sich um die Geldpolitik kümmern - und ab heute auch die größten Geldhäuser der Währungsunion beaufsichtigen. Geht das gut?

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          Die EZB befindet sich auf einer Reise ins Ungewisse. In der Krise ist sie zu einer der mächtigsten, vielleicht sogar zur mächtigsten Institution der Eurozone überhaupt aufgestiegen. Doch zugleich wirkt sie machtlos gegen die Gewalt der Euro-Krise, die auch im siebten Jahr der Finanzkrise die Realwirtschaft lähmt. In der EZB hat sich dieser Tage dennoch eine gelöste Stimmung breitgemacht. Auf die Erschöpfung folgte die Erleichterung. „Der Stress mit dem Stresstest ist erst mal vorbei“, heißt es. Die Zeugnisse an die 130 Großbanken sind verschickt, jetzt müssen die „durchgefallenen“ zwölf Banken erklären, wie sie ihre Kapitallücken schließen wollen.

          Philip Plickert

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Es sind aber überschaubare Lücken von nur wenigen Milliarden Euro. Für einige Banken, vor allem in Italien, wird es eng. Kritiker finden aber, der Test sei trotzdem insgesamt nicht übermäßig hart gewesen. „Ich hatte erwartet, dass noch mehr auf den Tisch kommt“, sagt Clemens Fuest, Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung. Es wurde zwar einiges an notleidenden Krediten aufgedeckt, zusätzliche faule Posten für zusätzliche 136 Milliarden Euro. „Aber das Stressszenario war doch eher milde“, findet Fuest. „Ein Befreiungsschlag war das insgesamt nicht.“

          Bankenaufsicht im „Japan Center“

          Auch in der EZB weiß man, dass der Bilanz- und Stresstest nur der Anfang eines langen Prozesses ist, um den europäischen Finanzsektor auf eine solidere Basis zu stellen. „Die Geschichte ist nicht vorbei – auch nicht für die Banken, die den Test bestanden haben“, sagt Andrea Enria, Chef der Bankenaufsichtsbehörde EBA in London. Mit seiner Bemerkung hat er den Bank-Aktienkursen einen Dämpfer verpasst. Kritiker wie der Bonner Ökonom Martin Hellwig finden, dass es zu viele Banken ohne funktionierendes Geschäftsmodell in Europa gibt. Die EZB halte durch billige Kredite Zombiebanken am Leben, kritisiert Hellwig.

          Frankfurt : 25 Banken fallen bei Stresstest durch

          An diesem Dienstag, übernimmt die EZB die Verantwortung für die direkte Aufsicht über die 120 Großbanken des Euroraums. „Single Supervisory Mechanism“ (SSM) nennt sich die Aufsicht in der Zentralbank. Sie soll ein einheitliches Spielfeld für die Banken schaffen. Der Andrang zum SSM war gewaltig. Mehr als 20000 Bewerbungen flogen der EZB ins Haus. Viele kamen von nationalen Aufsichtsbehörden, dazu einige Wirtschaftsprüfer oder Banker. Der Aufbau der neuen Superbehörde mit der Französin Danièle Nouy an der Spitze wurde dann im Eiltempo vollzogen.

          Inzwischen arbeiten gut 900 SSM-Mitarbeiter im „Japan Center“, einem rötlichen Hochhaus zwei Blocks vom Euro-Tower der EZB in Frankfurt entfernt. Hinter Stahldrehtüren liegen ihre schlichten Büros. Hier durchleuchten sie die Bücher der Banken, hier fließen die Daten über Hunderttausende Kreditakten zusammen. Bilanzposten über 3,7 Billionen Euro haben sie stichprobenartig durchgesehen, insgesamt stehen die geprüften 130 Großbanken für 22 Billionen Euro Bilanzsumme – etwa vier Fünftel des gesamten europäischen Bankensektors.

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