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Devisenmarkt : Yen auf Neunjahreshoch zum Euro

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Bild: FAZ.NET

Der Yen ist die stärkste Währung der vergangenen vier Wochen. Er gilt in Zeiten der Risikoaversion in Verbindung mit Mittelrepatriierungen nicht nur als Krisenwährung, sondern er deutet auch notwendigen Wandel im internationalen Handel an.

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          Der Yen ist die stärkste Währung der vergangenen vier Wochen. Er wertete in diesem Zeitraum sogar gegen den amerikanischen Dollar um knapp 2,5 Prozent auf, obwohl dieser im Rahmen der inzwischen an Hysterie grenzenden Sorge über eine Europakrise am Währungsmarkt gefragt ist.

          Auf der anderen Seite stehen die Währungen Osteuropas, Australiens und nicht zuletzt die Schwedens und Norwegens, die gegen den amerikanischen Dollar auf Sicht der vier Wochen zwischen 13 und knapp neun Prozent ihres Wertes verloren. Am Donnerstag verliert der südkoreanische Won mehr als vier Prozent seines Wertes, nachdem klar geworden ist, dass eines seiner Kriegsschiffe von nordkoreanischen Torpedos versenkt worden ist. Das sorgt für geopolitische Bedenken, die die Effekte der so genannten Europakrise noch verstärken.

          Energie- und Rohstoffkomplex in der Defensive

          Die Kurse der Währungen so genannter Energie- und Rohstoffstaaten gerieten vor allem in den vergangenen Tagen unter Druck. Denn nachdem sie in den vergangenen Jahren hatten von der allgemeinen Wachstums- und Rohstoffeuphorie profitieren und zulegen können, spüren sie nun die Folgen des aufwertenden Greenbacks, der zunehmenden Wachstumssorgen und der dadurch ausgelösten Korrektur bei Energie- und Rohstoffpreisen.

          Die Märkte sind nicht nur besorgt über Griechenland, das beschlossene und unter Umständen teuere Rettungspaket, die hohen Staatsschulden, die politische Kakaphonie und die das Wachstum dämpfenden Effekte von dringend notwendigen Sparmaßnahmen in den meisten europäischen Staaten, sondern vor allem auch über die relative Kursschwäche des Euro. Nach einer langen Phase in deutlich überbewertetem Territorium ist die europäische Einheitswährung inzwischen gemessen an Modellen wie der Kaufkraftparität vernünftig bewertet.

          Das nimmt von international tätigen europäischen Unternehmen Wettbewerbsdruck, dem sie in den vergangenen Jahren ausgesetzt waren. Denn auf diese Weise werden die Abwertungsbemühungen der Vereinigten Staaten und weiten Teilen Asiens, die sich an den Dollar gekoppelt hatten, gekontert. Die Abwertungsbewegung des Euro gleicht damit einen Teil der Nachteile aus, die Europa in den vergangen Jahren über den Wechselkurs hatte hinnehmen müssen.

          Abwertender Euro stellt „Geschäftsmodelle“ asiatischer Staaten in Frage

          Damit geraten allerdings gleichzeitig die „Geschäftsmodelle“ einiger asiatischer Staaten in Gegenwind, die in den vergangenen Jahren auf den lukrativen Export nach Europa und in die Vereinigten Staaten ausgerichtet waren und die auf diese Weise große Überschüsse im Außenhandel erzielt haben. Fragen Europa - und sehr wahrscheinlich bald auch die Vereinigten Staaten - weniger ihrer Waren nach, müssen ihre Überschüsse zurückgehen und ihre Währungen aufwerten.

          Aus diesem Grund und wohl auch wegen der Repatriierung von Teilen der im Ausland investierten Mittel wertet der Yen in einem risikoaversen Umfeld auf. Genau aus diesem Grund dürfte China auch zur Aufwertung der eigenen Währung gezwungen werden, selbst wenn die Dynamik der zuletzt geldpolitisch künstlich überhitzten Wirtschaft nachlassen sollte, erklärt zumindest Wirtschaftsprofessor Michael Pettis aus Peking. Denn sonst wären Defizitstaaten wie die Vereinigten Staaten unweigerlich zu handelspolitischen Eingriffen gezwungen. Allerdings hätten China und Japan einen Weg, um die notwendigen Anpassungseffekte abzufedern: Sie könnten Euros kaufen, auf diese Weise den Kurs der europäischen Einheitswährung stabilisieren und letztlich Europa auch mit dem dringend benötigten Kapital versorgen.

          Kurzfristig jedoch stellen die Aufwertung des Yen und des Schweizer Franken Krisenzeichen für die Börsen dar. Sollte die Korrelation zwischen diesen Wechselkursen und der Börsen der Vergangenheit weiter Bestand haben, müssten die Aktienkurse weiter fallen.

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