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Außenhandel : Deutschland erzielt Rekordüberschuß in der Handelsbilanz

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Deutschland hat 2004 mit 155,6 Milliarden Euro einen Rekordhandelsbilanzüberschuß erwirtschaftet. Die Warenausfuhr stieg um 10 Prozent. Doch die Außenhändler erwarten einen schwächeren Exportzuwachs in diesem Jahr.

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          Deutschland hat 2004 den höchsten Handelsbilanzüberschuß nach dem Zweiten Weltkrieg erwirtschaftet. Nach einer Schätzung des Statistischen Bundesamts betrug der Überschuß der Warenausfuhr gegenüber der Wareneinfuhr 155,6 Milliarden Euro. Der bisherige Rekordwert stammte aus dem Jahr 2002 mit 132,8 Milliarden Euro. Getrieben wurde der Überschuß durch ein starkes Wachstum der Ausfuhr um voraussichtlich 10 Prozent auf 731 Milliarden Euro. Vernachlässigt man den Handel mit Dienstleistungen, hat Deutschland damit 2004 den Titel des Exportweltmeisters vor den Vereinigten Staaten verteidigt (Deutschland dürfte Exportweltmeister bleiben).

          Die Einfuhr legte 2004 mehr als doppelt so stark wie zuvor um 7,7 Prozent auf 575,4 Milliarden Euro zu. Ökonomen sehen dies als Indiz, daß die Binnennachfrage sich verbessert habe.

          BGA verhalten optimistisch

          Die Exportaussichten für dieses Jahr aber sind verhalten. Der Bundesverband des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA) erwartet eine Halbierung des Zuwachses auf 5 Prozent. Statt 1,7 Prozent wie im vergangenen Jahr werde das Bruttoinlandsprodukt nur noch um 1,25 Prozent zunehmen, sagte BGA-Präsident Anton Börner am Dienstag in Berlin. Ein Grund dafür sei der schwächer werdende Außenhandel, der unter dem hohen Ölpreis und unter dem starken Euro leide. Entscheidender für die "Wachstumsklemme" seien jedoch strukturelle Ursachen. Sinkende Investitionen hätten auch 2004 das Produktionspotential geschmälert. Ohne eine Verbesserung der wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen könne das Wachstum nicht stimuliert werden.

          Im Jahresverlauf erwarten die Außenhändler einen zum Dollar abermals steigenden Euro-Kurs. Er rechne mit einem längere Zeit andauernden "Konsolidierungsband" zwischen 1,29 und 1,34 Dollar je Euro, sagte Börner. Im zweiten Halbjahr gebe es ein maximales Aufwertungspotential "in Richtung 1,40 Dollar".

          Aufwertung überkompensiert

          Die Handelsstatistik bestätigt für 2004, daß der internationale Wirtschaftsaufschwung die Dämpfung durch die Aufwertung des Euro gegenüber dem amerikanischen Dollar um 8,2 Prozent mehr als ausglich. Rund 44 Prozent der deutschen Ausfuhr gehen in die Staaten des Euro-Raums und sind durch Wechselkursschwankungen direkt nicht betroffen. Die Ausfuhr in den Euro-Raum stieg 2004 um 10,3 Prozent, die Ausfuhr in sonstige Länder um 9,8 Prozent.

          Überschuß kein Erfolgssignal

          Volkswirte warnen, den Rekordaußenhandelsüberschuß als Gradmesser für eine erfolgreiche Wirtschaft zu nehmen. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Deka-Bank, verwies darauf, daß auch wirtschaftlich schwache afrikanische Länder aufgrund ihrer Rohstoffvorkommen einen großen Handelsbilanzüberschuß erwirtschafteten. Dagegen weise die stärkste Wirtschaftsmacht der Welt, die Vereinigten Staaten, seit langem - unter Einschluß von Dienstleistungen - ein Leistungsbilanzdefizit auf. Ein Überschuß in der Handels- und in der Leistungsbilanz geht tendenziell mit einem Nettokapitalexport einher. Deutlich wird dies am Beispiel Deutschlands in den Jahren nach der Vereinigung. Damals zog Deutschland viele Investoren und Kapital an, die Kapitalbilanz schlug ins Positive um. Zugleich aber ging der Außenhandelsbilanzüberschuß deutlich zurück.

          Geringere Dynamik im Großhandel

          Der Großhandel dürfte nach einer Befragung der BGA-Mitgliedsunternehmen um 2 (Vorjahr 3) Prozent und preisbereinigt um 1 (0,5) Prozent wachsen. Der Indikator des Großhandelsklimas zeige weiter nach oben, wenn auch mit "deutlich abgeschwächter Dynamik". Für das erste Halbjahr signalisierten die Großhändler verhaltene Zuversicht. Trotz negativer Auswirklungen der schwachen Binnenkonjunktur seien die Großhändler verhalten optimistisch, von einem Wachstum des Imports zu profitieren.

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