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Deutsche Wirtschaft : Frühjahrsgutachten: Harter Einbruch, rasche Erholung

Für das kommende Jahr sagen die Institute sogar eine Erholung und ein Wachstum von 5,8 Prozent voraus. Man glaube, dass die „Shutdown“-Maßnahmen in der zweiten Aprilhälfte langsam wieder aufgehoben werden und die Pandemie 2021 „weitgehend überwunden sein wird“, sagte Wollmershäuser. Die Erholung könnte dem Gutachten zufolge schon im dritten und vierten Quartal 2020 mit einem BIP-Zuwachs von 8,5 beziehungsweise 3,1 jeweils zum Vorquartal einsetzen. Weil mit der Rückkehr zum Wirtschaftswachstum auch Beschäftigung und Einkommen wieder steigen dürften, bedarf es aus Sicht der Institute kein nachfragestimulierendes Konjunkturprogramm.  

„Erhebliche Kreditausfälle“

Dennoch wird im Frühjahrsgutachten vor erheblichen Abwärtsrisiken gewarnt. Sollte sich die Pandemie deutlich langsamer abschwächen als angenommen, werde auch das Wiederhochfahren der wirtschaftlichen Aktivität schlechter gelingen und eine abermalige Ansteckungswelle auslösen. Zudem könnten weitere Maßnahmen zur Infektionsbekämpfung in Kraft treten, die die Produktion länger oder in größerem Umfang stilllegen. Verwerfungen im Finanzsystem als Folge zunehmender Unternehmensinsolvenzen würden dann wahrscheinlicher, die durch staatliche Schutzschilde nicht verhindert werden könnten – und das nicht nur in Deutschland.

Die Corona-Krise gefährde gar die Zahlungsfähigkeit einiger Eurostaaten, warnen die Gutachter. Schon die beschlossenen Maßnahmen belasteten die Haushalte. Sollten noch weitere Stützungsmaßnahmen notwendig werden, weitete sich das Haushaltsdefizit nochmals deutlich aus. In Spanien könnte es auf 8,2 Prozent und in Italien sogar auf 9,2 Prozent steigen; der in konjunkturell normalen Zeiten erlaubte Höchstwert gemäß Maastricht-Kriterien beträgt 3,0 Prozent.

Das zöge weitere Folgewirkungen nach sich, betonten die Ökonomen bei Vorstellung ihres Gutachtens am Mittwoch. So gefährdeten Turbulenzen in anderen Ländern im Euroraum die Absatzchancen und die Lieferketten der deutschen Wirtschaft. Zudem seien „erhebliche Kreditausfälle“ auf Dauer nicht zu vermeiden. Eine Bankenkrise in vielen Ländern, vor allem in Italien mit seinem besonders hohen Anteil an notleidenden Krediten, stelle ein substanzielles Risiko für die Stabilität und den Fortbestand der Währungsunion dar, auch wenn die Europäische Zentralbank zunächst stabilisierend eingegriffen habe. „Die Gefahr ist groß, ist eine europäische Staatsschuldenkrise zu kommen“, sagte Wollmershäuser.

Ein gemeinsames Gegensteuern der europäischen Staaten sei deshalb geboten; wie, ließ er allerdings offen. In der Debatte um europäische Gemeinschaftsanleihen („Coronabonds“) beziehen die Institutsvertreter keine Stellung. In ihrem Gutachten skizzieren sie nur die beschlossenen Maßnahmen auf EU-Ebene. Auch auch Nachfrage in der Pressekonferenz äußerten sie sich nicht dazu, ob jenseits von der Mittelbereitstellung durch den Europäischen Stabilitätsmechanismus, die Europäische Investitionsbank und das europäische Kurzarbeitergeld „Coronabonds“ sinnvoll sein könnten oder nicht.

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