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Konjunktur : Deutsche Wirtschaft stagniert im zweiten Quartal

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Die globalen Lieferketten haben ihren alten Takt noch immer nicht wiedergefunden. Unter dem Materialmangel leiden vor allem die Industrieunternehmen. Bild: dpa

Der Ukrainekrieg, steigende Preise und die Lieferkettenprobleme haben der Wirtschaft zugesetzt. Der Ausblick auf die zweite Jahreshälfte bleibt unsicher. Die Zahl der Arbeitslosen steigt leicht.

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          Die deutsche Wirtschaft ist im zweiten Quartal stagniert. Wie das Statistische Bundesamt am Freitag in einer ersten Schätzung mitteilte, blieb das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Vergleich zum ersten Quartal saison- und kalenderbereinigt unverändert (0,0 Prozent). Zu Jahresbeginn war Europas größte Volkswirtschaft nach den jüngsten Daten noch um 0,8 Prozent gewachsen. Gestützt wurde die Wirtschaft laut den Statistikern vor allem von den privaten und staatlichen Konsumausgaben, während der Außenbeitrag das Wirtschaftswachstum dämpfte.

          Svea Junge
          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Die Liste der Belastungen für die deutsche Wirtschaft in diesem Frühjahr war lang: Der Krieg in der Ukraine und die damit einhergehende Energiekrise, steigende Preise und die anhaltenden Lieferengpässe. All diese Faktoren hätten sich deutlich in der konjunkturellen Entwicklung niedergeschlagen, so die Statistiker. Hinzu kamen jüngst immer mehr Anzeichen, dass sich die Weltkonjunktur in der zweiten Jahreshälfte zunehmend abkühlen könnte. Grund dafür sind auch Sorgen vor einer Rezession in Amerika.

          Die dortige Wirtschaft schrumpfte im zweiten Quartal um rund 0,2 Prozent im Vergleich zum Vorquartal, nachdem das amerikanische BIP schon im ersten Quartal um 0,4 Prozent gesunken war. Damit ist die amerikanischen Wirtschaft in eine sogenannte technische Rezession abgerutscht. Davon sprechen Ökonomen, wenn die Wirtschaftsleistung zwei Quartale in Folge schrumpft. Die hohe Inflation und die anhaltenden Zinserhöhungen der amerikanischen Notenbank Fed bremsen die Wirtschaft zunehmend.

          Die Aussichten für die Entwicklung der deutschen Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte bleiben daher ungewiss. „Die Wirtschaft ist zwar nicht geschrumpft, aber das einzige positive Element der heutigen Daten ist wahrscheinlich die Aufwärtskorrektur des Wachstums im ersten Quartal“, kommentierte Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING Bank. Die eskalierende Energiekrise bleibe das größte Risiko für ohnehin schon trübe Aussichten. So sieht es auch Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. „Die hohe Inflation und die Angst vor einer Gaskrise haben die Stimmung der Verbraucher und Unternehmen einbrechen lassen. Das Rezessionsrisiko steigt“, warnt er.

          Das globale Wiederaufleben der Corona-Pandemie und die daraus resultierenden Personalausfälle vergrößerten die Konjunktursorgen noch zusätzlich, sagt Alexander Krüger, Chefvolkswirt der Privatbank Hauck Aufhäuser Lampe. „Stand heute wäre es schon ein Erfolg, wenn die Wirtschaftsleistung im zweiten Halbjahr weiter stagnierte.“

          Nach Einschätzung der EU-Kommission wird Europas größte Volkswirtschaft dieses Jahr voraussichtlich nur um 1,4 Prozent zulegen. Der Internationale Währungsfonds rechnet mit einem Wirtschaftswachstum von nur 1,2 Prozent im Gesamtjahr.

          Frankreich und Spanien wachsen

          Die Wirtschaft im Euroraum ist im zweiten Quartal hingegen deutlich stärker gewachsen als erwartet. Das BIP der 19 Euroländer legte um 0,7 Prozent im Vergleich zum Vorquartal zu, wie das europäische Statistikamt Eurostat am Freitag mitteilte. In der gesamten EU legte die Wirtschaftsleistung um 0,6 Prozent. Im ersten Quartal 2022 war das BIP im Euroraum um 0,5 Prozent und in der EU um 0,6 Prozent gestiegen. Die Inflation im Währungsraum kletterte unterdessen auf den Höchststand von 8,9 Prozent. Das ist die höchste Rate seit Einführung des Euros als Buchgeld im Jahr 1999.

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