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Fehlende Chips, Metalle & Co. : Hälfte aller Industrieunternehmen beklagt Lieferengpässe

Stahlbauer zerlegen mit einem Schneidbrenner eine alte Eisenbahnbrücke. Bild: ZB

Die deutsche Industrie boomt, kommt aber mit der Produktion nicht hinterher – und Dienstleister leiden nach wie vor unter Corona. Das dämpft die Zuversicht in der deutschen Wirtschaft.

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          Die anhaltende Corona-Krise und Engpässe bei Vorprodukten wie Chips und Metallen lasten auf der deutschen Wirtschaft. Nachdem sich die Stimmung in den meisten Unternehmen im Februar und März merklich aufgehellt hatte, hat die Zuversicht im April einen Dämpfer erfahren. Das zeigt der am Montag veröffentlichte Geschäftsklimaindex des Münchner Ifo-Instituts, der auf der monatlichen Befragung von rund 9000 Unternehmen basiert und als Richtschnur für die hiesige Konjunktur gilt.

          Niklas Záboji
          Wirtschaftskorrespondent in Paris

          Mit 96,8 Punkten legte der Ifo-Index nur noch um 0,2 Zähler im Vergleich zum März zu. Zum Vergleich: In den beiden Monaten zuvor war er um 2,5 und 3,8 Zähler gestiegen. Zwar beurteilte das Gros der befragten Unternehmen seine aktuelle Geschäftslage abermals spürbar besser als im Vormonat. Die Erwartungen an die künftige Geschäftsentwicklung sind hingegen gesunken. Vor allem Dienstleister aus dem Gastgewerbe und Tourismus leiden nach wie vor unter Corona.

          Die zuletzt stark expandierte deutsche Industrie hat dagegen vorwiegend mit Lieferengpässen bei Vorprodukten zu kämpfen, die sich schon seit Jahresbeginn abzeichneten, nun aber akut geworden sind. Einige Betriebe mussten daraufhin ihre Produktion drosseln.

          45 Prozent der Industrieunternehmen beklagen Lieferengpässe, berichtet das Ifo-Institut –  der höchste Wert seit dem Jahr 1991. Hinzu kommen Engpässe in der Transport-Logistik, folgt man den Ökonomen der Europäischen Zentralbank, „vor allem durch den Mangel an Fracht-Containern“.

          Bei Dienstleistern ist es umgekehrt

          Für die deutsche Industrie kommen solche Probleme zur Unzeit. Vor allem wegen der starken Nachfrage aus China und Amerika wies ihr Auftragseingang in den zurückliegenden Monaten steil nach oben; weitere 10 Milliarden Euro Umsatz winken laut einer Analyse der DZ Bank durch das amerikanische Konjunkturpaket allein für die deutsche Autoindustrie. Fehlen Vorprodukte, kommen die Betriebe nicht mit der Produktion hinterher. „Es könnte Monate dauern, bis die Lieferprobleme überwunden sind, weshalb sich die Aussichten etwas eintrüben“, so die DZ Bank.

          Blickt man tiefer in die Umfragedaten des Ifo-Instituts, befindet sich die Mehrzahl der Industriezweige längst im Boom. Dazu zählen sämtliche Bereiche von der Autoproduktion über den Maschinenbau und die Herstellung von elektrischen Ausrüstungen hin zur Herstellung von Glas, Keramik, Metallerzeugnissen und Textilien. Eine Ausnahme bilden die Herstellung von Leder, Lederwaren und Schuhen sowie das Segment „Sonstiger Fahrzeugbau“, wozu Schiffe und Flugzeuge zählen.

          Bei Dienstleistern ist es umgekehrt. Hier stehen die Zeichen unverändert auf Krise, nicht nur in den Bereichen Beherbergung und Gastronomie. Auch die Wirtschaftsbereiche „Erbringung von freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen“ und „Erbringung von sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen“, worunter Rechts- und Steuerberatung oder auch Wach- und Sicherheitsdienste fallen, laufen schlecht.

          Nachdem die deutsche Wirtschaftsleistung im Schlussquartal 2020 stagniert hatte, rechnen die meisten Ökonomen mit einem deutlichen Rückgang im ersten Quartal dieses Jahres. Eine erste Schnellschätzung legt das Statistische Bundesamt diese Woche Freitag vor. Für den Sommer stellen die Prognosen überwiegend ein kräftiges Wachstum in Aussicht – wenn es nicht zu pandemiebedingten Rückschlägen kommt.  

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