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Ifo-Präsident Clemens Fuest : „Der Abschwung macht eine Pause“

Keine Besserung in Sicht: Die Stimmung in der Industrie wird immer schlechter. Bild: dpa

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im September etwas verbessert. Doch in der Industrie setzt sich die Talfahrt ungebremst fort. Die EZB ruft zum Handeln auf.

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          Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft bleibt angespannt. Zwar hat sich die Lagebeurteilung zumindest in den Chefetagen von Dienstleistungsunternehmen leicht aufgehellt. Die Aussichten für die kommenden Monate haben sich dagegen branchenübergreifend einmal mehr verdüstert, wie aus dem am Dienstag veröffentlichten Geschäftsklimaindex des Münchener Ifo-Instituts hervorgeht. Er gilt als wichtigstes Stimmungsbarometer für die Konjunktur in Deutschland.

          Niklas Záboji

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Mit 94,6 Punkten lag das auf der Befragung von 9000 Unternehmen beruhende Barometer im September nur knapp über den 94,3 Punkten vom Vormonat. „Der Abschwung macht eine Pause“, kommentierte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Die zuvor monatelange Talfahrt ist damit aber nur in einem Teil der Wirtschaft vorerst gestoppt: Denn anders als im Dienstleistungssektor ist in der deutschen Industrie von einer Kehrtwende keine Spur. Im Gegenteil: Abermals beurteilten die Betriebe des verarbeitenden Gewerbes ihre derzeitige Geschäftslage schlechter. „Die aktuelle
          Nachfrageentwicklung und die Produktionspläne versprechen keine Besserung in den kommenden Monaten“, sagte Fuest.

          „Im Grunde ist die Unsicherheit weiter maximal“, sagte KfW-Konjunkturfachmann Klaus Borger mit Verweis auf die schwelenden Handelskonflikte und den unklaren Ausgang des Brexit – selbst wenn ein glimpflicher Ausgang in beiden Fällen möglich ist. Auch Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer sieht „keinen Grund zum Aufatmen“. Vor allem die deutlich verschlechterte Erwartungshaltung der Unternehmen müsse zu denken geben. „Die existentielle Unsicherheit über die Zukunft der globalen Wertschöpfungsketten lastet schwer auf den Unternehmen“, meint Krämer.

          Auch die Geschäftsklimabefragung des Londoner Markit-Instituts war diese Woche gefallen, gleichermaßen für Deutschland wie für den übrigen Euroraum. Mario Draghi, der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), hatte daraufhin abermals stärkere politische Maßnahmen gegen den Abschwung angemahnt. Es sei eine „zusammenhängende wirtschaftliche Strategie“ nötig, die die Geldpolitik flankiere, sagte Draghi am Montag vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europäischen Parlaments.    

          Der EZB-Präsident hatte Staaten ohne Haushaltssorgen wie Deutschland schon nach der jüngsten Zinssitzung aufgefordert, fiskalpolitisch mehr zur Stärkung der Konjunktur zu tun. Ob die Lage schon so prekär ist, ist unter Ökonomen indes umstritten. Die Bundesbank etwa hat Rezessionssorgen jüngst als unbegründet zurückgewiesen. Obwohl die Wertschöpfung wohl auch im laufenden dritten Quartal zurückgehen dürfte, sei das „derzeit in Deutschland als Teil einer konjunkturellen Normalisierung zu sehen“, schrieben ihre Fachleute im aktuellen Monatsbericht. Schließlich komme die deutsche Wirtschaft aus einer Phase der wirtschaftlichen Überauslastung. 

          Konsens unter Konjunkturforschern ist, dass der leichte Rückgang der Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal wohl auch im laufenden dritten Quartal anhält. „Die deutsche Wirtschaft dürfte in diesem Jahr kaum noch expandieren“, betont Jörg Zeuner, Chefvolkswirt von Union Investment, im Gespräch mit der F.A.Z. Die Rezession in der Industrie verschärfe sich, auch die Dienstleistungen wachsen langsamer, und ein Impuls aus dem Ausland sei nicht auszumachen – weder aus den Industrieländern noch aus den Schwellenländern. Die Gemeinschaftsdiagnose der führenden Institute wird am 2. Oktober veröffentlicht.

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