https://www.faz.net/-gqe-9rzs2

Lichtblick : Deutsche Industrie überrascht mit Produktionssteigerung

  • Aktualisiert am

Mitarbeiter einer Anlage zur Produktion von Spezialfloatglas Bild: dpa

Die deutschen Unternehmen haben ihre Produktion im August überraschend gesteigert. Ökonomen rechnen jedoch nicht mit einer Trendwende.

          2 Min.

          Die deutsche Industrie hat sich im August nach jüngsten Produktionsrückgängen überraschend gefangen. Die Gesamtherstellung sei im Monatsvergleich um 0,3 Prozent gestiegen, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mitteilte. Zuvor war die Produktion im Juli und im Juni jeweils gesunken. Trotz des Lichtblicks erwarten Bankvolkswirte vorerst keine Trendwende und rechnen mit einer Fortsetzung der Schwächephase im deutschen Industriesektor.

          Von der Erholung im August wurden Analysten überrascht. Sie hatten mit einer Stagnation der Fertigung im Monatsvergleich gerechnet. Außerdem war der Produktionsdämpfer im Juli weniger stark als bisher gedacht. Das Bundesamt revidierte den Rückgang von zuvor 0,6 auf nur noch 0,4 Prozent.

          Innerhalb der Industrie legte die Produktion von Vorleistungs- und Investitionsgütern um jeweils etwa ein Prozent zu. Bei den Konsumgütern meldete das Bundesamt hingegen einen Rückgang im Monatsvergleich um 1,0 Prozent.

          Ökonomen erwarten Rückgang des BIP

          Weiter schwach zeigte sich auch die Entwicklung im Jahresvergleich. In dieser Betrachtung schrumpfte die Gesamtherstellung im August um 4,0 Prozent und lieferte damit den zehnten Rückgang in Folge. Als Hauptgründe für die Flaute in der stark vom Export abhängigen deutschen Industrie gelten die schwächere Weltwirtschaft und internationale Handelskonflikte.

          Nach Einschätzung des Experten Marco Wagner von der Commerzbank sprechen viele Gründe für eine Fortsetzung des Abwärtstrends in der deutschen Industrie. Er verwies unter anderem auf den jüngsten Rückgang beim Auftragseingang und auf die schlechte Stimmung in den Industriebetrieben. Zuletzt waren Stimmungindikatoren wie zum Beispiel das Ifo-Geschläftsklima schwach ausgefallen.

          „Die Industrie hat ihre Schwächephase noch nicht überwunden“, warnte auch Chefvolkswirt Uwe Burkert von der Landesbank Baden-Württemberg. Mit der positiven Überraschung durch den Anstieg der Industrieproduktion im Monatsvergleich sei es aber „weniger eindeutig, ob die Wirtschaftsleistung im dritten Quartal tatsächlich geschrumpft ist“.

          Nachdem die deutsche Wirtschaft schon im zweiten Quartal geschrumpft war, erwarten viele Ökonomen auch für die Monate Juli bis September einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts. Bei zwei Quartalen mit einer schrumpfenden Wirtschaftsleistung in Folge wird von einer „technischen Rezession“ gesprochen.

          Am Devisenmarkt reagierte der Euro mit Kursgewinnen auf die Produktionsdaten und stieg am Morgen auf ein Tageshoch bei 1,0985 Dollar. Am Markt für deutsche Staatsanleihen gingen die Kurse von Bundesanleihen spürbar zurück, während die Renditen im Gegenzug zulegen konnten.

          Weitere Themen

          Boeing bringt Produktionsstopp ins Gespräch Video-Seite öffnen

          Unglücksmaschine : Boeing bringt Produktionsstopp ins Gespräch

          Das Startverbot für die Unglücksmaschine 737 Max hat den US-Flugzeugbauer drastische Reaktionen in Erwägung ziehen lassen. Der US-Flugzeugbauer könnte die Produktion der 737 drosseln oder vorübergehend einstellen.

          Topmeldungen

          Historischer Altbau oder doch die Hochhauswohnung? Was sich die Deutschen leisten können, hängt nicht nur von der Region ab, sondern kann auch je nach Stadtviertel stark variieren.

          F.A.Z. exklusiv : So teuer ist Wohnen in Deutschland

          Eine Bude in München oder doch lieber das große Traumhaus in Thüringen? Der F.A.Z. liegen exklusiv Zahlen vor, die belegen, wie groß die Preisunterschiede zwischen Städten, Regionen und sogar Stadtteilen tatsächlich sind.

          Bei Auftritt in Iowa : Joe Biden beschimpft Wähler

          Bei einer Wahlkampfveranstaltung in Iowa beschimpft Joe Biden einen 83 Jahre alten Mann als Lügner, weil der ihn wegen der Ukraine-Affäre kritisiert: „Ich wusste, dass Sie mich nicht wählen werden, Mann, Sie sind zu alt.“

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.