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Neue Konjunkturzahlen : Immer mehr Aufträge für die deutsche Industrie

In der Autoindustrie ist die Entwicklung stark aufwärtsgerichtet. Bild: dpa

Vom Teil-Lockdown ist in der deutschen Industrie bislang wenig zu spüren – doch die Lage bleibt angespannt. Vor allem das europäische Ausland schwächelt.

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          Die Erholung der deutschen Industrie dauert an. Wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte, wuchs ihr Auftragseingang im September den fünften Monat in Folge. Zwar schwächte sich die Zuwachsrate ab auf 0,5 Prozent. Der Wert für August wurde allerdings nachträglich nach oben revidiert auf 4,9 Prozent. Der Auftragseingang gilt als wichtiger Frühindikator für die konjunkturelle Entwicklung in den kommenden Monaten.

          Niklas Záboji
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Lücke zum Vorkrisenniveau ist für die Industrie weiter geschrumpft, zumindest wenn man auf ihre Orderbücher schaut. Im Frühjahr war das Auftragsniveau auf einer Indexskala von rund 103 Punkten bis auf 65 Punkte eingebrochen. Seit Mai ging es dann wieder aufwärts. Im September wurden 99,9 Punkte erreicht. Die größte Branche des verarbeitenden Gewerbes, die Autoindustrie, hat das Vorkrisenniveau sogar schon deutlich übersprungen: Der September-Wert liegt 5,8 Prozent über dem Februar-Wert.  

          Getragen wird die gute Industriekonjunktur maßgeblich vom Ausland. Das wird deutlich, wenn man die Entwicklung in den Monaten Juli, August und September, also dem dritten Quartal, zusammenfasst. Die Nachfrage aus den Ländern des Euroraums lag im Sommerquartal demnach 41 Prozent höher als im Frühjahrsquartal. Auch aus dem übrigen Ausland gingen 40,4 Prozent mehr Bestellungen ein. Die Inlandsnachfrage wuchs hingegen merklich schwächer mit 15,5 Prozent.

          Investitionen liegen auf Eis

          Inwieweit durch den neuerlichen Teil-Lockdown auch die deutsche Industrie in Mitleidenschaft gezogen wird, ist offen. Im Frühjahr litt sie erheblich unter den geschlossenen Grenzen und unterbrochenen Lieferketten. Das ist diesmal anders, zumindest bislang. Auch brummt diesmal die Wachstumslokomotive China. Der Ökonom Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe ist deshalb optimistisch. Auf Grundlage der neuen Auftragszahlen zeichne sich ein neuer Schub ab. „Der Lockdown dürfte die industrielle Erholung bei weitem nicht wie im Frühjahr zurückwerfen“, meint Krüger.

          Auch aus Sicht von Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen sprechen die heutigen Zahlen dafür, dass die Industrie im vierten Quartal den zu erwartenden neuerlichen Rückgang im Dienstleistungssektor „zumindest teilweise ausgleichen wird“; das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung rechnet infolge des Teil-Lockdowns mit einem leichten Rückgang der Wirtschaftsleistung im Schlussquartal, das Institut für Weltwirtschaft in Kiel erwartet einen Stillstand.

          Gleichwohl bleibt die Lage auch für die Industrie ungewiss. Dass die Nachfrage aus der Eurozone im September einen starken Dämpfer erhielt und um 6 Prozent schrumpfte, zeigt, dass die Corona-Beschränkungen in den Nachbarländern offenbar weitreichende Folgen haben. Dass zudem die Nachfrage nach Investitionsgütern im September um 2 Prozent schrumpfte, deutet auf eine gestiegene Unsicherheit hin. Ökonomen hatten zuletzt häufiger darauf hingewiesen, dass aufgrund der ungewissen Geschäftsentwicklung in vielen Branchen Investitionen auf Eis gelegt werden.

          Hinzu kommt: Gute Auftragszahlen wandeln sich nicht immer direkt in Umsätze um. So stieg der reale Umsatz in der deutschen Industrie zwar im September weiter und lag 1,1 Prozent höher als im Vormonat. Im Vergleich zu Februar 2020, dem Monat vor dem Beginn der Corona-Beschränkungen, war der Umsatz im September jedoch nach wie vor 8,9 Prozent niedriger.

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