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David Folkerts-Landau : Deutsche Bank: Euro bringt „verlorene Generation“

Deutsche Bank-Chefvolkswirt Folkerts-Landau erwartet, dass die EZB wieder Staatsanleihen kauft. Bild: Pilar, Daniel

Die Bewältigung der Euro-Krise ist teuer. Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank erklärt, warum sich das trotzdem lohnt, fordert mehr Reformen von Frankreich und Italien - und ist langfristig aus einem Grund auch optimistisch.

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          Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank hat ein düsteres Bild der kommenden Jahre für die Eurozone gezeichnet. „Die Kosten, die Eurozone zusammenzuhalten, sind eine verlorene Generation“, sagte David Folkerts-Landau vor Journalisten in Frankfurt. Eine falsch konstruierte Währungsunion mit zu unterschiedlichen Strukturen habe zu einer Krise geführt, die nun eine lange Periode hoher Arbeitslosigkeit vor allem unter jungen Leuten und niedrigen Wachstums koste. Deutschland stehe unter Druck, mehr zur Bewältigung der Euro-Krise zu zahlen.

          Philip Plickert
          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Doch trotz der trüben Aussichten zeigte sich Folkerts-Landau überzeugt, dass das Ziel, die Währungsunion zu erhalten, die Hilfen und Transfers und selbst die „verlorene Generation“ wert seien. „Die meisten Europäer sind bereit, diesen Preis zu zahlen, um ein mehr vereintes Europa zu haben“, sagte er. In Berlin seien „die 100 Politiker, auf die es ankommt, sicherlich dazu bereit“, mehr finanzielle Opfer zu bringen. Sie würden im Notfall mehr Hilfen und Transfers zustimmen.

          Folkerts-Landau lobte, wie Bundeskanzlerin Angela Merkel mit der Krise umgehe. Deshalb glaube er auch nicht, dass es zu einer neuerlichen Verschärfung der Euro-Krise  komme, selbst wenn beispielsweise in Griechenland die linksradikale Syriza-Partei die Macht übernehmen sollte.

          Langfristig optimistisch für Europa

          Die Wachstumsprognosen der Deutschen Bank für den Euroraum liegen schon seit längerem am untersten Rand der Erwartungen aller Analysten - für das kommende Jahr 2015 prognostiziert sie nur ein Prozent. „Das zentrale Problem sind weiterhin die mangelhaften nationalen Reformen“, sagte Folkerts-Landau. Die Umsetzung von Strukturreformen zur Stärkung des Wachstums sei „sehr begrenzt“.  Zudem gingen die Schuldenniveaus weiter nach oben, statt zu sinken. Italiens Schuldenberg mache inzwischen 138 Prozent der Bruttoinlandsprodukts aus, das Wachstum sei schon seit Jahren null oder negativ.

          Normalerweise müsste das eine Krise mit steigenden Risikoaufschlägen auslösen. „Aber die EZB steht bereit als Auffangnetz (backstop)“, sagte Folkerts-Landau. Er gehörte Ende des vergangenen Jahres zu den ersten namhaften Bankvolkswirten, die eine „quantitative Lockerung“ der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank mit dem Kauf von privaten und staatlichen Anleihen voraussagten – trotz Bedenken. Auch Deutsche-Bank-Chef Anshu Jain hat Bedenken zur Anreizwirkung eines Kaufs von Anleihen von Krisenstaaten.

          Der Druck auf die EZB, einen Staatsanleihenkauf zu beginnen, nehme jetzt stark zu, sagte  Folkerts-Landau. Er sehe keine Gefahr einer Deflation, doch stelle auch die sehr niedrige Inflation ein Risiko dar. Mit dem Staatsanleihenkauf sieht er Anreizprobleme verknüpft: Die Regierungen vor allem in Italien und Frankreich würden noch weniger Druck zu Reformen verspüren. „Die EZB kauft Zeit, aber die Zeit ist nicht genutzt worden.“ Dennoch halte er ein Anleihenkaufprogramm für sehr wahrscheinlich und wohl unausweichlich.

          Ganz langfristig sei er für Europa wieder optimistischer, sagte der Deutsche-Bank-Chefvolkswirt. Europa könne von einer hinterher hinkenden wieder  zu einer führenden Region aufsteigen, weil es „weiche Faktoren“ in seiner Kultur habe, die günstig  für die Wirtschaft seien und eine zunehmende Rolle spielten.  Konkret nannte er die Bedeutung von Zusammenarbeit, Konfliktlösung und Gesetzgebung. Ein zunehmend belastender Faktor werde allerdings die demografische Entwicklung sein.

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