https://www.faz.net/-gqe-6m0iv

Der Stresstest bringt es an den Tag : Wer finanziert die Schuldenstaaten?

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Welche deutschen Banken sind betroffen, wenn die europäischen Schuldenstaaten ihre Kredite und Staatsanleihen nicht mehr zurückzahlen können? Der Stresstest hat jetzt Transparenz gebracht. Die Anleiherisiken deutscher Banken im Detail.

          5 Min.

          Die umfangreichen Datensätze, welche die Europäische Bankenaufsicht EBA am Freitag im Rahmen der Banken-Stresstests veröffentlicht hat, geben erstmals detaillierte Auskunft darüber, welchem Risiko die einzelnen deutschen Banken in der europäischen Schuldenkrise ausgesetzt sind. Das Fazit: Die deutschen Banken hielten vor sechs Monaten, Ende 2010, relativ wenige griechische Staatspapiere mit kurzen und mittleren Restlaufzeiten. Dies erklärt, warum eine Beteiligung der Banken an einem zweiten Rettungspaket für Griechenland nicht annähernd zu dem „substantiellen“ Beitrag führen kann, den sich das Bundesfinanzministerium ursprünglich vorstellte. Irische Anleihen haben deutsche Banken kaum in ihren Büchern, oder sie sind weitgehend abgeschrieben. Im Falle Portugals drohen größere Risiken - ganz zu schweigen von Italien oder Spanien.

          Insgesamt hielten die 13 deutschen Banken Ende 2010 griechische Staatsanleihen in Höhe von etwa 7,67 Milliarden Euro, davon die Commerzbank mit 3 Milliarden Euro den mit Abstand größten, allerdings erst in 15 Jahren fälligen Betrag. Die anderen deutschen Banken haben für große Teile ihrer griechischen Staatsanleihen entweder Neubewertungsrücklagen gebildet oder sie auf Marktwert abgeschrieben. Das ist aber nicht alles: Die gesamte Risikoposition, die deutsche Banken in Form von griechischen Anleihen, Unternehmens- und Bankkrediten, derivativen Positionen, anderen Wertpapieren, Garantien oder sonstigen Forderungen halten, belief sich auf 17,4 Milliarden Euro.

          Die im Stresstest geprüften 13 deutschen Banken hatten einschließlich der Hessischen Landesbank Helaba, die ihre Daten separat veröffentlichte, gerade einmal brutto 2,6 Milliarden Euro griechische Staatsanleihen auf den Büchern, die in den kommenden drei Jahren fällig werden. Während Hypo Real Estate, Dekabank und WGZ überhaupt keine kurz- und mittelfristig fälligen griechischen Anleihen zu halten scheinen, sieht das Bild für die anderen Banken folgendermaßen aus: Die Deutsche Bank verbuchte Ende 2010 brutto 1,26 Millionen Euro Griechenland-Anleihen, die bis 2014 fällig werden, die DZ Bank 470 Millionen Euro, die Landesbank Berlin 242 Millionen Euro, die Landesbank Baden-Württemberg 226 Millionen Euro, die Bayerische Landesbank und West LB um die 100 Millionen Euro, die Nord LB 91 Millionen Euro und Helaba, HSH Nordbank und Commerzbank weniger als 50 Millionen Euro.

          Besonders groß sind die Summen bei der Commerzbank

          Nach dem französischen Vorschlag zur privaten Bankenbeteiligung hätten hiervon 70 Prozent der Mittel in neue griechische Anleihen „gerollt“ werden sollen, also 1,82 Milliarden Euro. Dies wäre der „substantielle“ Beitrag, den deutsche Banken eigentlich nach dem französischen Vorschlag zum zweiten Rettungspaket für Griechenland besteuern müssten - das Gesamtpaket würde sich auf mehr als 100 Milliarden Euro belaufen. Über alle Laufzeiten gesehen sieht es etwas anders aus: Die mit Abstand höchste Position griechischer Anleihen hielt Ende 2010 die Commerzbank mit 3,04 Milliarden Euro. Der mit 2,9 Milliarden Euro größte Teil davon sind offenbar Anleihen, die eine Restlaufzeit von 15 Jahren haben. Sie werden weitgehend in der Kategorie „bis Fälligkeit“ gehalten. Nur für etwa zehn Prozent dieser Langläufer, die in der Kategorie „zur Veräußerung bestimmt“ verbucht wurden, müssten buchhalterisch Neubewertungsrücklagen gebildet worden sein. Die Deutsche Bank hielt brutto 1,77 Milliarden Euro, und unter Abzug von derivativen Positionen 1,51 Milliarden Euro griechische Anleihen. Sie hält diese Anleihen in der Kategorie „für Veräußerung bestimmt“ (1,27 Milliarden Euro) und im Handelsbuch (251 Millionen Euro). Für Positionen, die in der Kategorie „für Veräußerung bestimmt“ verbucht sind, werden mit Blick auf den Marktwert Neubewertungsrücklagen gebildet. Positionen im Handelsbuch müssen auf den Marktwert abgeschrieben werden.

          Die Landesbank Baden-Württemberg hielt für 770 Millionen Euro griechische Staatsanleihen, davon wurden 603 Millionen Euro „für Veräußerung bestimmt“ verbucht, sind also durch Neubewertungsrücklagen abgesichert. Auch die Bayerische Landesbank und die Nord LB haben ihre rund 150 Millionen Euro und die Helaba ihre 64 Millionen Euro griechische Staatsanleihen in der Kategorie „zur Veräußerung bestimmt“ verbucht.

          Die DZ Bank gab griechische Staatsanleihen in Höhe von 731 Millionen Euro an, hat aber die Hälfte davon in der Kategorie „für Veräußerung bestimmt“ verbucht. Auch die Dekabank hat die Hälfte ihrer 87 Millionen Euro griechische Staatsanleihen in einer Kategorie verbucht, die auf Marktwert abgeschrieben wird. Die HSH Nordbank hat 64 Prozent ihrer 100 Millionen Euro griechischer Staatsanleihen so verbucht, dass Neubewertungsrücklagen gebildet wurden oder die Anleihen wertberichtigt wurden. Die Landesbank Berlin hält 448 Millionen Euro griechische Staatsanleihen in ihrem Bankbuch „bis Fälligkeit“, musste hierfür also bisher keine Neubewertungsrücklagen bilden. Die West LB hat von ihren 343 Millionen Euro einen Betrag von 100 Millionen Euro auf den Marktwert wertberichtigt. Die WGZ verbuchte ihre 316 Millionen Euro griechische Anleihen zu 96 Millionen Euro in der Kategorie „zur Veräußerung bestimmt“ und zu 220 Millionen Euro in der Umbuchungskategorie im Bankbuch, die auf den Marktwert wertberichtigt werden darf.

          Interessant ist, dass einige Banken unabhängig von griechischen Staatsanleihen noch große Kreditforderungen, und damit Risikopositionen, gegenüber Griechenland im weitesten Sinne in den Büchern haben. Dazu gehören nicht nur Banken- und Unternehmenskredite, sondern auch Forderungen für Verbriefungs-Transaktionen, Kontrahentenausfallrisiken und Forderungen gegenüber Griechenland und dem Zentralbanksystem mit Blick auf griechische Zahlungen. All diese Posten fließen in die Berechnung der risikogewichteten Aktiva ein, die mit Eigenkapital unterlegt werden müssen.

          Bei der Deutschen Bank ist aus dem Datenmaterial ersichtlich, dass es sich nochmals um 1,1 Milliarden Euro Kredite an Banken und 961 Millionen Euro Kredite an Unternehmen handelt. Die Commerzbank gab 1,56 Milliarden Euro zusätzliche Risikopositionen an, davon griechische Bankenkredite in Höhe von 270 Millionen Euro und Unternehmenskredite im Umfang von 941 Millionen Euro. Bei der HSH Nordbank wird eine Gesamtrisikoposition von 3,434 Milliarden Euro aufgeführt, davon entfallen aber nur 32 Millionen Euro auf Bankkredite, 191 Millionen Euro auf Unternehmenskredite und 100 Millionen Euro auf griechische Staatsanleihen. Bei der Landesbank Baden-Württemberg beläuft sich die Gesamtrisikoposition gegenüber Griechenland auf 1,92 Milliarden Euro, bei der DZ Bank auf 2 Milliarden Euro und bei der Nord LB auf 752 Millionen Euro.

          Wenig Kredite in Irland

          Wesentlich geringere Risiken halten die 13 deutschen Banken gegenüber Irland. Die Landesbank Berlin, die HSH Nordbank, die Landesbank Baden-Württemberg und die Helaba haben offenbar gar keine irischen Staatsanleihen mehr. Die Commerzbank, die Bayerische Landesbank und die West LB halten kleine zweistellige Millionenbeträge, die aber längere Laufzeiten aufweisen. Die Deutsche Bank hatte Ende 2010 netto 477 Millionen Euro in den Büchern, davon 259 Millionen Euro im - auf den Marktwert abgeschriebenem - Handelsbuch und 218 Millionen Euro in der Rubrik „für Veräußerung bestimmt“, gegen die Neubewertungsrücklagen gebildet werden.

          Auch die DZ Bank, die Nord LB und die Dekabank haben ihre Beträge von bis zu 50 Millionen Euro wertberichtigt oder Neubewertungsrücklagen gebildet. Die WGZ gab 222 Millionen Euro irische Staatsanleihen an, wovon 90 Millionen Euro auf den Marktwert abgeschrieben wurden oder über Neubewertungsrücklagen abgesichert wurden.

          In Portugal haben DZ Bank und Commerzbank größere Positionen

          Im Falle Portugals sind die Beträge schon wesentlich höher. Hier haben die Banken ihre Risikopositionen auch noch nicht so gut abgesichert. Die DZ Bank gab für Ende des vergangenen Jahres einen Bestand von 992 Millionen Euro portugiesische Anleihen an, von denen 600 Millionen Euro in Kategorien verbucht sind, die auf den Marktwert abgeschrieben werden müssen. Die Commerzbank indessen hielt ihre 976 Millionen Euro Portugal-Anleihen fast ausschließlich in der Kategorie „bis Fälligkeit“. Die Hypo Real Estate hat von ihren 494 Millionen Euro Anleihen etwa die Hälfte über Abschreibungen oder Neubewertungsrücklagen abgesichert, die WGZ einen Großteil ihrer 460 Millionen Euro Portugal-Anleihen, so auch die Nord LB mit ihren 256 Millionen Portugal-Anleihen und die anderen Landesbanken, die kleine Beträge hielten. Die Landesbank Berlin, die Bayerische Landesbank und die West LB gaben an, dass sie keine Portugal-Anleihen in den Büchern hatten.

          Weitere Themen

          Viel Lärm um Tesla Video-Seite öffnen

          Protest in Grünheide : Viel Lärm um Tesla

          Der Autobauer und das Land Brandenburg haben sich auf den Kauf der Landfläche geeinigt, auf der der Konzern seine Fabrik für Elektroautos errichten will. Ein Gutachten soll nun den Kaufpreis ermitteln. Gegner des Vorhabens fordern mehr Transparenz und fürchten Umweltschäden.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.