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Der Stresstest bringt es an den Tag : Wer finanziert die Schuldenstaaten?

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Welche deutschen Banken sind betroffen, wenn die europäischen Schuldenstaaten ihre Kredite und Staatsanleihen nicht mehr zurückzahlen können? Der Stresstest hat jetzt Transparenz gebracht. Die Anleiherisiken deutscher Banken im Detail.

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          Die umfangreichen Datensätze, welche die Europäische Bankenaufsicht EBA am Freitag im Rahmen der Banken-Stresstests veröffentlicht hat, geben erstmals detaillierte Auskunft darüber, welchem Risiko die einzelnen deutschen Banken in der europäischen Schuldenkrise ausgesetzt sind. Das Fazit: Die deutschen Banken hielten vor sechs Monaten, Ende 2010, relativ wenige griechische Staatspapiere mit kurzen und mittleren Restlaufzeiten. Dies erklärt, warum eine Beteiligung der Banken an einem zweiten Rettungspaket für Griechenland nicht annähernd zu dem „substantiellen“ Beitrag führen kann, den sich das Bundesfinanzministerium ursprünglich vorstellte. Irische Anleihen haben deutsche Banken kaum in ihren Büchern, oder sie sind weitgehend abgeschrieben. Im Falle Portugals drohen größere Risiken - ganz zu schweigen von Italien oder Spanien.

          Insgesamt hielten die 13 deutschen Banken Ende 2010 griechische Staatsanleihen in Höhe von etwa 7,67 Milliarden Euro, davon die Commerzbank mit 3 Milliarden Euro den mit Abstand größten, allerdings erst in 15 Jahren fälligen Betrag. Die anderen deutschen Banken haben für große Teile ihrer griechischen Staatsanleihen entweder Neubewertungsrücklagen gebildet oder sie auf Marktwert abgeschrieben. Das ist aber nicht alles: Die gesamte Risikoposition, die deutsche Banken in Form von griechischen Anleihen, Unternehmens- und Bankkrediten, derivativen Positionen, anderen Wertpapieren, Garantien oder sonstigen Forderungen halten, belief sich auf 17,4 Milliarden Euro.

          Die im Stresstest geprüften 13 deutschen Banken hatten einschließlich der Hessischen Landesbank Helaba, die ihre Daten separat veröffentlichte, gerade einmal brutto 2,6 Milliarden Euro griechische Staatsanleihen auf den Büchern, die in den kommenden drei Jahren fällig werden. Während Hypo Real Estate, Dekabank und WGZ überhaupt keine kurz- und mittelfristig fälligen griechischen Anleihen zu halten scheinen, sieht das Bild für die anderen Banken folgendermaßen aus: Die Deutsche Bank verbuchte Ende 2010 brutto 1,26 Millionen Euro Griechenland-Anleihen, die bis 2014 fällig werden, die DZ Bank 470 Millionen Euro, die Landesbank Berlin 242 Millionen Euro, die Landesbank Baden-Württemberg 226 Millionen Euro, die Bayerische Landesbank und West LB um die 100 Millionen Euro, die Nord LB 91 Millionen Euro und Helaba, HSH Nordbank und Commerzbank weniger als 50 Millionen Euro.

          Besonders groß sind die Summen bei der Commerzbank

          Nach dem französischen Vorschlag zur privaten Bankenbeteiligung hätten hiervon 70 Prozent der Mittel in neue griechische Anleihen „gerollt“ werden sollen, also 1,82 Milliarden Euro. Dies wäre der „substantielle“ Beitrag, den deutsche Banken eigentlich nach dem französischen Vorschlag zum zweiten Rettungspaket für Griechenland besteuern müssten - das Gesamtpaket würde sich auf mehr als 100 Milliarden Euro belaufen. Über alle Laufzeiten gesehen sieht es etwas anders aus: Die mit Abstand höchste Position griechischer Anleihen hielt Ende 2010 die Commerzbank mit 3,04 Milliarden Euro. Der mit 2,9 Milliarden Euro größte Teil davon sind offenbar Anleihen, die eine Restlaufzeit von 15 Jahren haben. Sie werden weitgehend in der Kategorie „bis Fälligkeit“ gehalten. Nur für etwa zehn Prozent dieser Langläufer, die in der Kategorie „zur Veräußerung bestimmt“ verbucht wurden, müssten buchhalterisch Neubewertungsrücklagen gebildet worden sein. Die Deutsche Bank hielt brutto 1,77 Milliarden Euro, und unter Abzug von derivativen Positionen 1,51 Milliarden Euro griechische Anleihen. Sie hält diese Anleihen in der Kategorie „für Veräußerung bestimmt“ (1,27 Milliarden Euro) und im Handelsbuch (251 Millionen Euro). Für Positionen, die in der Kategorie „für Veräußerung bestimmt“ verbucht sind, werden mit Blick auf den Marktwert Neubewertungsrücklagen gebildet. Positionen im Handelsbuch müssen auf den Marktwert abgeschrieben werden.

          Die Landesbank Baden-Württemberg hielt für 770 Millionen Euro griechische Staatsanleihen, davon wurden 603 Millionen Euro „für Veräußerung bestimmt“ verbucht, sind also durch Neubewertungsrücklagen abgesichert. Auch die Bayerische Landesbank und die Nord LB haben ihre rund 150 Millionen Euro und die Helaba ihre 64 Millionen Euro griechische Staatsanleihen in der Kategorie „zur Veräußerung bestimmt“ verbucht.

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