https://www.faz.net/-gqe-9opyp

Auftragsminus : Der nächste Tiefschlag für die Industrie

Ein Monteur arbeitet an Naben für Windkraftanlagen. Bild: dpa

Die Nachfrage nach deutschen Produkten geht zurück. Industriebetriebe bekommen die Auswirkungen der globalen Unruheherde voll ab. Das bleibt nicht folgenlos.

          2 Min.

          Die deutsche Industrie gerät immer weiter in den Abwärtsstrudel. Nachdem sich ihr Auftragseingang – ein wichtiger Konjunkturindikator – zuletzt einigermaßen stabilisiert hatte, folgt nun ein weiterer Schlag ins Kontor. Saisonbereinigt schrumpfte die Zahl an Bestellungen im Mai um 2,2 Prozent im Vergleich zum Vormonat, teilte das Statistische Bundesamt am Freitag mit. Im Vergleich zur Lage heute vor einem Jahr beträgt das Minus sogar fast neun Prozent.

          Niklas Záboji

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Vor allem die Aufträge aus dem Nicht-Euroraum gingen kräftig zurück. Der seit Monaten immer schlechter dastehende Inlandsmarkt zeigte zwar leichte Erholungstendenzen, verharrt aber auf niedrigem Niveau. Wichtige Branchen verbuchten zudem weiter Rückgänge im In- wie Ausland, darunter die Autoindustrie mit einem Minus von fünf Prozent. „Es ist somit von einer weiterhin schwachen Industriekonjunktur in den kommenden Monaten auszugehen“, hieß es vom Bundeswirtschaftsministerium.

          Verflogen ist damit die Hoffnung auf eine konjunkturelle Kehrtwende, die nach einem starken Wachstum im ersten Quartal kurzzeitig keimte. Das neuerliche Auftragsminus kam in dem Ausmaß für viele Ökonomen überraschend. „Wir verlieren unseren Optimismus“, kommentierte Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING-Bank und sprach von einer Woche des Vergessens für die exportorientierte deutsche Wirtschaft.

          Handelskonflikt belastet

          Tatsächlich reihte sich in den vergangenen Tagen eine schlechte Nachricht an die nächste. Sowohl Maschinenbauer, Chemieunternehmen als auch Autohersteller strichen ihre Wachstumsaussichten zusammen und erwarten im laufenden Jahr nunmehr einen spürbaren Absatzrückgang. Auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag teilte Anfang der Woche mit, nur noch mit einem Miniwachstum im Exportgeschäft zu rechnen.

          Hauptgrund ist neben strukturellen Umbrüchen die Vielzahl an globalen Unruheherden, sind sich Ökonomen einig. Noch immer schwelt der Handelskonflikt mit den Vereinigten Staaten und drohen empfindliche Aufschläge auf Einfuhren aus Europa oder gar Quotierungen. Hinzu kommt die latente Ungewissheit über den bevorstehenden Brexit und eine allgemein abkühlende Weltkonjunktur. Aber auch Italiens ungelöstes Schuldenproblem, die gerade erst verlängerten Russland-Sanktionen und das eingebrochene Geschäft mit Iran lasten auf den deutschen Unternehmen.

          Für den französischen Kreditversicherer Coface Anlass, Deutschland in seiner aktuellen Risikobewertung abzuwerten. Wenn auch nur minimal, so seien doch die Gefahren, dass Rechnungen nicht beglichen werden können und es zu einem Zahlungsausfall kommt, leicht gestiegen. Das gelte für die vier Kernbranchen Automobil, Metall, Pharma und Informations- und Computertechnologie, teilte Coface am Donnerstag mit.

          Industrieflaute dürfte nicht folgenlos bleiben

          Sorgen vor einer Rezession seien – Stand jetzt – dennoch unbegründet. Auch andere Ökonomen verweisen auf die nach wie vor gute Binnenkonjunktur, allen voran im Baugewerbe. Trotzdem: Folgenlos bleiben dürfte die Industrieflaute nicht. „Wir befinden uns in einer nicht unkritischen Phase. Die Verlangsamung des Welthandels hinterlässt ihre Spuren“, sagt Jörg Zeuner, Chefvolkswirt von Union Investment und verweist auf die sowohl in der Industrie als auch im Dienstleistungssektor merklich eingetrübten Geschäftsaussichten.

          Schon häufen sich Ankündigungen von Großunternehmen wie Siemens und Ford, Stellen abzubauen. Dass die deutsche Wirtschaft im gerade abgeschlossenen zweiten Quartal nennenswert gewachsen ist, ist aus Sicht von Konjunkturforschern genauso ausgeschlossen wie die Fortsetzung solider Lohnabschlüsse und des starken privaten Konsums. Ob es in Richtung Jahresende dann wieder besser läuft, erscheint offener denn je.

          Weitere Themen

          Muss der Pool leer bleiben?

          Wassernotstand : Muss der Pool leer bleiben?

          In einigen Gemeinden ist der Wassernotstand ausgebrochen. Gärten können nicht gewässert werden, ein Freibad musste schließen. Droht das im ganzen Land?

          Topmeldungen

          Tichanowskaja abgetaucht : Wieder Gewalt in Belarus

          Bei Protesten in Belarus sind Sicherheitskräfte neuerlich mit Blendgranaten und Tränengas gegen Demonstranten vorgegangen. Ein Mensch starb. Der Geheimdienst behauptet derweil, einen Angriff auf das Leben von Lukaschenkas Gegnerin verhindert zu haben.
          Die Polizei geht am Montag in Beirut gegen Demonstranten vor, die gegen die Regierung protestieren.

          Proteste gegen Regierung : Libanons skrupelloses Machtkartell

          Seit vielen Jahren plündert eine korrupte politische Klasse ungestört den Libanon aus. Auch der Rücktritt der derzeitigen Regierung wird daran nichts ändern. Selbst Todfeinde verbünden sich für den Machterhalt.
          Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr Lauenau zapfen Löschwasser aus dem Tank eines ihrer Einsatzfahrzeuge.

          Wassernotstand : Muss der Pool leer bleiben?

          In einigen Gemeinden ist der Wassernotstand ausgebrochen. Gärten können nicht gewässert werden, ein Freibad musste schließen. Droht das im ganzen Land?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.