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Das zweite Hilfspaket : Wie viel zusätzliches Geld braucht Griechenland?

Straße in Athen Bild: Matthias Lüdecke / FAZ

Der Bundestag hat weitere Milliarden-Hilfen für Griechenland beschlossen. Aber um wieviel Geld geht es eigentlich? Man könne keinen genauen Betrag nennen, sagt Wolfgang Schäuble - und hat damit recht. Es gibt zu viele Unbekannte in allen Rechnungen.

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          Die 90 bis 120 Milliarden Euro, die Schäuble als Betrag für die griechische Finanzierungslücke nennt, sind derzeit genauso aus der Luft gegriffen wie die 80 Milliarden, die in Brüssel kursieren. Die Höhe des Betrags hängt davon ab, wie viel Athen 2014 – das neue Programm wird wohl bis dahin ausgedehnt – noch benötigt.

          Werner Mussler

          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

          Fest steht, dass Griechenland 2012 und 2013 nicht an den Kapitalmarkt zurückkommen kann. Daraus entsteht eine Lücke von 65 Milliarden Euro (siehe Grafik unten). Hinzu kommt ein noch nicht genau bezifferbarer Betrag für 2014. In diesem Jahr sollte sich Athen nach dem neuen Programm, das noch längst nicht im Detail steht, zum Teil wieder am Markt finanzieren können – aber nicht komplett. Die Finanzierungslücke beträgt also 65 Milliarden Euro plus x.

          Diese Lücke muss aber nicht identisch mit der Kreditsumme sein, die die Kreditgeber – also der Internationale Währungsfonds (IWF) und (wahrscheinlich) der Euro-Krisenfonds EFSF – über das neue Programm auch auszahlen.

          Ein Teil der Lücke soll mit Privatisierungserlösen geschlossen werden, die sich nach den Erwartungen von EU und IWF bis Ende 2014 auf 35 Milliarden Euro belaufen sollen.

          Im Gespräch ist außerdem, dass weitere 30 Milliarden Euro von den privaten Gläubigern, also Banken und Versicherern eingesammelt werden. Diese sollen – zumindest nach den Vorstellungen Schäubles – alte Staatsanleihen in neue mit längerer Laufzeit tauschen.

          Sowohl die geschätzten Privatisierungserlöse als auch der Beitrag der Privaten sind indes reichlich spekulative Größen: Niemand weiß, wie viel der Verkauf von staatlichem Vermögen wirklich einbringen kann. Und ob von den privaten Investoren überhaupt ein Beitrag kommt und wie groß er sein wird, ist angesichts des andauernden Widerstands der Europäischen Zentralbank völlig offen. Jedenfalls ist derzeit die Rede davon, dass der IWF und die EFSF nicht mehr als 45 Milliarden Euro selbst tragen sollen. Der Betrag würde zwischen den beiden Kreditgebern abermals im Verhältnis eins zu zwei aufgeteilt. Dieser Betrag müsste zu den 110 Milliarden Euro aus dem bisherigen Programm hinzugezählt werden. Das Gesamtvolumen der öffentlichen Griechen-Hilfe betrüge in diesem Fall 155 Milliarden Euro.

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