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Weltwirtschaft : Das globalisierte Weihnachtsfest

  • -Aktualisiert am

Gänse - meist nicht aus Deutschland Bild: ddp

Die Zeiten sind vorbei, in denen Opa im Wald eine Fichte fällte, während im Ofen die übers Jahr gemästete Hausgans briet: Heute kommen die Gänse aus Polen, die Tannen aus Dänemark und die Christbaumkugeln aus China.

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          Weihnachten gilt in den meisten Familien die eherne Regel: Alles soll so sein wie immer. Heimelig, traditionell und am liebsten ein bißchen altmodisch. In Wahrheit aber ist das Weihnachtsfest zum Spiegelbild der modernen Wirtschaftswelt geworden.

          Die Globalisierung hat sich in die Festtagsstuben geschlichen, hat sich rund um Christbaum, Gabentisch und Küche breitgemacht. Die Zeiten, in denen Opa im Wald eine Fichte fällt, während im Ofen die übers Jahr gemästete Hausgans brät und die Kinder den Familien-Christbaumschmuck aus Thüringen auspacken, sind fast überall vorbei.

          Importbäume

          Es fängt schon mit dem Weihnachtsbaum an. Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald schätzt, daß die Deutschen in diesem Jahr wieder mehr als 27 Millionen Bäume schmücken werden. Knapp ein Drittel stamme nicht aus heimischen Pflanzungen, sondern aus dem Ausland - vor allem aus Dänemark, dem wichtigsten Weihnachtsbaumexporteur Europas.

          Das Statistische Bundesamt zählte 2005 allerdings nur knapp 3 Millionen Importbäume, darunter 2,8 Millionen aus Dänemark. Das kommt der dänischen Statistik recht nahe, nach der jährlich 3,1 Millionen Christbäume auf ihre erste und letzte Reise nach Deutschland geschickt werden. Am beliebtesten ist die Nordmanntanne. Sie nadelt wenig, pikst kaum und darf deshalb in jedes zweite Weihnachtswohnzimmer einziehen. Auf den Plätzen folgen Blaufichte, Edeltanne und Fichte.

          Christbaumkugeln im Wert von 19,3 Millionen Euro

          Und dann der Schmuck: Was an den Zweigen glänzt und glitzert, hat meist eine noch weitere Reise hinter sich als der Baum selbst. Im vergangenen Jahr wurde, so hat es das Statistische Bundesamt registriert, gläserner Weihnachtsschmuck - also Christbaumkugeln - im Wert von 19,3 Millionen Euro eingeführt. Vor allem aus China, dem größten Weihnachtsschmuck-Produzentenland der Welt: 8,3 Millionen Euro war die zerbrechliche Einfuhr aus dem Reich der Mitte wert; mit 3,5 Millionen Euro lag Polen an zweiter Stelle.

          In Deutschland gibt es nur noch drei größere Unternehmen, die Weihnachtsschmuck aus Glas herstellen. Das Produktionsvolumen lag im vergangenen Jahr bei knapp 9,3 Millionen Euro. Der Größte unter den Übriggebliebenen ist die Weihnachtsland Krebs & Sohn Vertriebs GmbH & Co KG, europäischer Marktführer für Christbaumschmuck. Rund 30 Millionen Kugeln produziert das Unternehmen aus Georgensgmünd im Jahr, zur Hälfte in Deutschland, zur Hälfte in Osteuropa. 5000 verschiedene Artikel sind im Programm, Kugeln unterschiedlichster Art, Glasvögel, Christbaumspitzen. „Um sich gegen China zu wehren, muß man Dinge tun, die China nicht kann“, sagt Vertriebsleiter Thomas Böck. So fertigt das Unternehmen für seine Kunden individuelle Kollektionen: Der Discounter bekommt eine andere als der Facheinzelhändler, von mundgeblasen bis maschinell gefertigt, von der 50-Cent-Kugel bis zum Glasgesamtkunstwerk. Dieses Jahr stieg die Produktion um 10 Prozent gegenüber 2005.

          Kerzen aus China

          Noch größer als bei Christbaumkugeln ist das Importvolumen, wenn es um Weihnachtsdekoration geht, die nicht aus Glas ist. Holzpyramiden zum Beispiel, Lametta, Krippenfiguren oder Strohsterne. 2005 erreichte die Einfuhr einen Wert von 103,2 Millionen Euro. Allein die chinesischen Waren summierten sich auf 85,3 Millionen Euro. Deutsche Produzenten gibt es nur noch vier. Sie produzierten 2005 Waren im Wert von nur 5,2 Millionen Euro.

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