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Industrie gibt Zahlen bekannt : Viel mehr Kurzarbeiter als befürchtet

Ein Mitarbeiter gießt flüssiges Gusseisen im Werk eines Autozulieferers. Bild: dpa

Allein in der Metall- und Elektroindustrie dürfte es so viele Kurzarbeiter geben, wie die Regierung für die ganze Wirtschaft erwartet hat. Zudem ist der Arbeitsausfall diesmal viel größer. Doch es gibt Hoffnung – wegen China.

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          Die Folgen der Corona-Krise treffen Kernbereiche der deutschen Industrie schon jetzt härter als die Finanzkrise. Das zeigen Ergebnisse einer Unternehmensbefragung, die der Arbeitgeberverband Gesamtmetall am Montag vorgelegt hat. Demnach ist die Kapazitätsauslastung der Betriebe in der Metall- und Elektroindustrie – darunter die Autoindustrie und der Maschinenbau – derzeit geringer als in der Rezession vor elf Jahren. Außerdem sind nun allein schon 1,2 Millionen Metall-Beschäftigte in Kurzarbeit, wie Gesamtmetall aus den Daten hochrechnet. Das wären 250.000 mehr als damals. Und bis Mai komme voraussichtlich noch einmal eine Million hinzu, erwartet der Arbeitgeberverband.

          Dietrich Creutzburg
          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Damit würde es allein in der Metall- und Elektroindustrie, die 4 Millionen Beschäftigte zählt, so viele Kurzarbeiter geben, wie die Regierung bisher für die ganze Wirtschaft erwartet hatte: Mitte März hatte sie mit Mehrausgaben von 10 Milliarden Euro für bis zu 2,35 Millionen Kurzarbeiter gerechnet. Dass es mehr werden dürfte, hatten auch erste Daten der Bundesagentur für Arbeit gezeigt: Bei ihr haben schon mehr als 650.000 Betriebe Kurzarbeit angemeldet – mehr als zehnmal so viele wie in der Finanzkrise.

          Kurzarbeit in 80 Prozent der Unternehmen

          Die Behörde liefert noch keine Schätzung, wie viele Arbeitnehmer dies betrifft – angesichts vieler Neuanträge aus Gastronomie und Handel sei die Basis zu unsicher. Die Gesamtmetall-Umfrage liefert nun ein etwas genaueres Bild für die Industrie: 43 Prozent der Unternehmen gaben an, Kurzarbeit schon zu nutzen – weitere 40 Prozent planen das. Die Auswertung stützt sich auf Antworten von 1400 Unternehmen mit zusammen 860.000 Beschäftigten, die in der ersten Aprilwoche befragt wurden.

          Zugleich ist der Arbeitsausfall für die einzelnen Kurzarbeiter demnach größer als in bisherigen Krisen: Statt sonst 30 bis 50 Prozent fallen im Durchschnitt zwei Drittel der Normalarbeitszeit aus. Kurzarbeitergeld ersetzt 60 Prozent des Lohnausfalls, wo Betrieb und Mitarbeiter krisenbedingt eine Kürzung vereinbaren.

          Vor der Krise hatte die Bundesagentur Finanzreserven von 26 Milliarden Euro gehabt – also viel mehr als die bisher erwarteten Zusatzausgaben von 10 Milliarden Euro für Kurzarbeit. Doch mit den jetzt absehbaren Zahlen droht das Polster schnell dahin zu schmelzen.

          Angst vor der „Krise nach der Krise“

          Gesamtmetall stellt sich daher umso härter gegen politische Pläne, das Kurzarbeitergeld zu erhöhen. „Unter diesen Umständen verbietet sich das“, warnte Hauptgeschäftsführer Oliver Zander. Sonst drohe eine „Krise nach der Krise“ – indem die Wirtschaft dann stark steigende Abgaben und Steuern zahlen müsse, statt in neues Geschäft zu investieren.

          Sehr hart trifft der Einbruch erwartungsgemäß die Autoindustrie: Im ersten Quartal brach ihr Auftragsvolumen um 26 Prozent ein, wie Gesamtmetall zeigt. Für die ganze Metall- und Elektroindustrie waren es nur minus 14 Prozent – auch weil eine Branche den Durchschnitt hebt: die Medizintechnik.

          Dennoch fiel im April die Kapazitätsauslastung der insgesamt 7000 Metall- und Elektro-Unternehmen auf ein historisches Tief von 65 Prozent – zwei Prozentpunkte unter dem Tiefpunkt der Finanzkrise. Der Mai könne aber noch schlechter werden, warnt Gesamtmetall. Eine Spur Optimismus verbreitete indes der Maschinenbauverband VDMA: Nur noch 46 Prozent der deutschen Maschinenbauer in China erlebten nach einer Umfrage dort große Belastungen wegen Corona. Im März waren es 57 Prozent gewesen.

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