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Folgen der Corona-Krise : Kurzarbeit in Hessen leicht unter Schnitt

Oft ausgefüllt: ein Formular für Kurzarbeitergeld Bild: dpa

Laut einer Studie des Münchener Ifo-Institus ist jeder Zehnte von Kurzarbeit betroffen. Die Corona-Krise trifft Süddeutschland am stärker – in Hessen liegt der Anteil an Beschäftigten in Kurzarbeit unter dem Bundesdurchschnitt.

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          In Hessen sind nach einer am Donnerstag veröffentlichten Studie des Münchener Ifo-Instituts im September 271.000 Frauen und Männer in Kurzarbeit gewesen. Das waren weitaus weniger als in den Monaten zuvor, im Mai waren es dieser Veröffentlichung zufolge 552.000 gewesen, im Juli noch 418.000. Damit fügt sich das Bundesland in das Gesamtbild Deutschlands ein, wonach die Kurzarbeit nach dem Hochschnellen im Frühjahr an Bedeutung verliert. In der Bundesrepublik waren im Mai 7,3 Millionen Beschäftigte in Kurzarbeit gezählt worden, im Juli 5,6 Millionen und im September noch 3,7 Millionen.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Mit einem Anteil von zehn Prozent an den gesamten sozialversicherungspflichtig Beschäftigten lag die Zahl der Kurzarbeiter im September leicht unter dem Bundesdurchschnitt, der elf Prozent betrug. Damit verfestigt sich das Bild, wonach Hessen entgegen erster Annahmen im Frühjahr nicht in besonderer Weise unter der Krise leidet, sondern jedenfalls bisher sogar etwas besser durchkommt. So betrug der Rückgang des Bruttoinlandsprodukts in Hessen im ersten Halbjahr 6,1 Prozent, in ganz Deutschland 6,6.

          Am meisten Kurzarbeit Bayern und Baden-Württemberg

          Die Streuweite des Anteils der Kurzarbeiter an der Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zwischen den Bundesländern ist allerdings nicht sehr groß. Den niedrigsten Wert hatten der Ifo-Studie zufolge im September Sachsen sowie die von den Autoren zusammengefassten Bundesländer Sachsen-Anhalt und Thüringen mit je acht Prozent. Rheinland-Pfalz und das Saarland liegen mit zusammen elf Prozent im Bundesschnitt. Die höchsten Werte weisen Baden-Württemberg mit 13 und Bayern mit 14 Prozent auf.

          Auch in dieser Hinsicht verfestigt sich das Bild; die beiden großen Bundesländer im Süden der Bundesrepublik waren lange Zeit die Benchmark für alle anderen Bundesländer, doch hat sich das mit der Corona-Pandemie geändert. Bayern muss für das erste Halbjahr ein Minus von 7,0, Baden-Württemberg sogar von 7,7 Prozent hinnehmen. Man wird das unmittelbar auf die stärker auf die Industrie ausgerichtete Wirtschaftsstruktur zurückführen müssen. Auch dazu gibt die Ifo-Studie einen Anhaltspunkt: Im September lag in ganz Deutschland der Anteil der Kurzarbeiter bei der Metallindustrie bei 31 Prozent, beim Maschinenbau bei 29 Prozent und bei dem gerade in Baden-Württemberg und Bayern wichtigen Fahrzeugbau bei 24 Prozent.

          Die Übersicht zeigt aber auch, dass die Krise nach wie vor die Wirtschaft in ihrer ganzen Breite trifft. So lag der Anteil der Kurzarbeiter im Finanz- und Versicherungsgewerbe im September bei gerade einmal zwei, beim Hoch- und Tiefbau sogar nur bei einem Prozent. Die oftmals kommunalen Betriebe der Energie- und Wasserversorgung sowie der Entsorgung lagen im vergangenen Monat bei lediglich drei Prozent. Hohe Werte wies hingegen das Gastgewerbe aus. Hier hatte der Wert im Mai sogar 71 Prozent betragen.

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