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Corona-Krise : Japans Wirtschaft schrumpft im Rekordtempo

Eine Frau mit Gesichtsmaske in Tokio Bild: Reuters

Mit minus 7,8 Prozent lässt das Coronavirus Japans Wirtschaftsleistung so stark wie seit Jahrzehnten noch nicht einbrechen. Drastisch steigende Infektionszahlen trüben den wirtschaftlichen Ausblick.

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          Als Folge der Coronavirus-Pandemie ist die japanische Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal des Jahres so stark geschrumpft wie seit Jahrzehnten noch nicht. Nach Angaben der Regierung verminderte sich das reale Bruttoinlandsprodukt in der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt um 7,8 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Ausschlaggebend waren eine starke Konsumzurückhaltung der privaten Verbraucher und ein drastischer Einbruch des Exports von Gütern und Dienstleistungen um 18,5 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Das verdeutlicht, dass das Land unabhängig aller im Inland ergriffenen Einschränkungen gegen das Virus auch von den konjunkturellen Einbrüchen in anderen Teilen der Welt getroffen wurde.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Volkswirte in Tokio erwarten für das im Juli begonnene Quartal eine moderate Erholung, die aber die Wachstumseinbußen der vergangenen Monate nicht wettmachen wird. Über dem wirtschaftlichen Ausblick steht als großes Risiko eine mögliche weitere Verschlimmerung des Infektionsgeschehens in Japan und in der Welt. Seit Juli hat in Japan die Zahl der registrierten Neuinfektionen sich drastisch beschleunigt und auf zuletzt etwa 56.000 Fälle verdreifacht. Dazu trägt als ein Grund bei, dass Japan mittlerweile mehr Menschen auf das Virus testet als in den ersten Monaten der Pandemie. Mit 1099 Virus-Toten ist die Zahl der Opfer im internationalen Vergleich gering, freilich mit zuletzt steigender Tendenz. Ängste der Verbraucher vor einer Infektion könnten eine Erholung des Konsums behindern, warnen Konjunkturforscher in Japan. Die Regierung scheut neue Beschränkungen der wirtschaftlichen Aktivität, um die seit dem Herbst andauernde Rezession nicht zu verschärfen.

          Im internationalen Vergleich geht es Japan gut

          Japan war schon mit einem schrumpfenden Bruttoinlandsprodukt in die Viruskrise hineingegangen, nachdem die Regierung im Oktober die Mehrwertsteuer von 8 auf 10 Prozent angehoben hatte. Nach den vorläufigen Angaben zur Wirtschaftsentwicklung, die in Japan oft deutlich revidiert werden, trifft die Pandemie das Land wirtschaftlich nun nahezu doppelt so stark als während der globalen Finanzkrise 2008/09. Vergleichbare Datenreihen zeigen, dass die japanische Wirtschaftsleistung seit 1980 noch nie in einem Quartal so stark geschrumpft ist wie zuletzt.

          Doch im internationalen Vergleich hält das ostasiatische Land sich immer noch vergleichsweise gut. In den ersten sechs Monaten des Jahres schrumpfte die Wirtschaftsleistung in Japan um 8,4 Prozent. Das ist mehr als die minus 4,6 Prozent in Südkorea, aber besser als in anderen großen westlichen Industriestaaten. In den Vereinigten Staaten ging die Wirtschaftsleistung im ersten Halbjahr um 10,7 Prozent und in Deutschland um 11,9 Prozent zurück. Im Euroraum erreichte das Minus 15,3 Prozent, in Frankreich 18,9 und im Vereinigten Königreich 22,2 Prozent.

          Die chinesische Wirtschaft wuchs im Zeitraum von April bis Juni um 1 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Für Japan ergibt sich in diesem Vorjahresvergleich ein Minus des realen Bruttoinlandsprodukts von 9,9 Prozent.

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