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Corona und der Einzelhandel : Erst Testen oder Impfen – dann Öffnen

Protestaktion von Freiberger Gewerbetreibenden gegen die Corona-Maßnahmen Bild: dpa

Die Geschäfte jetzt wieder zu öffnen, ist zu verlockend – und verfrüht. Weil die Politik zu penibel agiert, sind zwei wichtige Voraussetzungen nicht erfüllt.

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          Es spielen sich Dramen ab in den Innenstädten: Mit jedem weiteren Tag Lockdown ohne echte Öffnungsperspektive verlieren Einzelhändler den Glauben an ihre berufliche Zukunft. Existenzen werden zerstört, Wut macht sich breit. Gerade jetzt, wo frühlingshafte Temperaturen die Menschen normalerweise in die Fußgängerzonen zögen, wird der Ruf der Händler nach Öffnung immer lauter.

          Trotz dieser sehr nachvollziehbaren Forderung dürfen Bundes- und Landesregierungen ihr nicht nachgeben, zumindest noch nicht. Zum einen beginnen die Infektionszahlen wegen der aggressiven Corona-Mutation gerade wieder zu steigen. Zum anderen sind Öffnungen nur zu verantworten, wenn die Kunden entweder einen negativen Corona-Test oder einen Impfnachweis präsentieren können. Denn selbst wenn in den Geschäften Hygieneregeln gelten, würden Öffnungen die Menschen massenhaft in Busse und Bahnen locken und das Ansteckungsrisiko massiv erhöhen. Ein neuer, womöglich noch härterer Lockdown wäre dann unausweichlich – man denke nur an die stark gestiegenen Infektionszahlen während des „Lockdown lights“ im Spätherbst.

          Dass beide Voraussetzungen für Öffnungen – Massentests und Impfnachweise – auch Anfang März nicht vorhanden sein werden, ist ein großes Ärgernis. Schnelltests kommen wohl erst in ein paar Wochen und die Kanzlerin will wegen vermeintlicher Ungerechtigkeit von einem „grünen Pass“ vorerst nichts wissen. Dabei muss es eine Selbstverständlichkeit sein, dass Bürger ihre Grundrechte ohne jede Verzögerung zurückbekommen, sobald sie keine Infektionsgefahr mehr darstellen. Eine Mehrheit der Deutschen ist für eine solche Regelung – das darf nicht ausgeblendet werden.

          Dass Hunderttausende Astra-Zeneca-Impfdosen derzeit in Kühlschränken herumliegen, während Millionen Deutsche für einen Impftermin alles stehen und liegen lassen würden, macht die Sache noch schlimmer. Statt die Impfungen auf pragmatische Weise möglichst schnell unters Volks zu bringen, wird penibel darauf geachtet, dass sich bloß niemand vordrängelt. Jetzt soll es sogar hohe Geldbußen dafür geben.

          Die Wut der Händler ist angesichts all dieser Dinge verständlich. Was nichts an der richtigen Reihenfolge für Lockerungen ändert: Vor dem Öffnen muss das Testen oder Impfen stehen.

          Johannes Pennekamp
          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaftsberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.

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