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Konjunktur in der Corona-Krise : Deutsche Wirtschaft schrumpft um 2,2 Prozent

  • -Aktualisiert am

Containerschiffe im Hamburger Hafen Bild: dpa

Die Folgen der Pandemie wirken sich verheerend auch auf die deutschen Unternehmen aus. Verglichen mit anderen europäischen Ländern ist die Bundesrepublik bislang aber mit einem blauen Auge davongekommen.

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          Die Coronavirus-Pandemie hat sich schon in den ersten drei Monaten dieses Jahres dramatisch auf die Wirtschaft der Bundesrepublik ausgewirkt. Das Bruttoinlandsprodukt ist um 2,2 Prozent im Vergleich zum Vorquartal gesunken, wie das Statistische Bundesamt gerade mitgeteilt hat. Das ist der stärkste Rückgang der deutschen Wirtschaftsleistung seit der Finanzkrise vor mehr als zehn Jahren.

          Svea Junge

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Im Vergleich zu anderen großen Volkswirtschaften in der Europäischen Währungsunion ist Deutschland aber noch mit einem blauen Auge davongekommen. Nach der ersten Schätzung des europäischen Statistikamts Eurostat ist die Wirtschaftsleistung des Euroraum im ersten Quartal um 3,8 Prozent zurückgegangen – so schnell wie noch nie zuvor. Die französische Wirtschaftsleistung verminderte sich um 5,8 Prozent, die spanische um 5,2 Prozent, die italienische um 4,7 Prozent.

          Ab der zweiten Märzhälfte haben die von der Bundesregierung erlassenen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie die Wirtschaft in großen Teilen zum Erliegen gebracht. Diese zwei Wochen haben ausgereicht, um den zunächst robusten Jahresauftakt  und die damit verbundene Hoffnung auf wirtschaftliche Erholung zunichte zu machen. Im vergangenen Jahr 2019 war die deutsche Wirtschaftsleistung aufgrund der Schwäche der Industrie um lediglich 0,6 Prozent gewachsen und im vierten Quartal nur knapp an einer technischen Rezession vorbei geschrammt, von der Ökonomen sprechen, wenn die Wirtschaft zwei Quartale in Folge schrumpft.

          Gestützt hatte die Wirtschaft in erster Linie der Konsum. Die Corona-Beschränkungen haben das einstige Zugpferd nach Angaben des Statistischen Bundesamtes allerdings stark gebremst. Investitionen in Ausrüstungen und der Außenhandel nahmen im ersten Quartal ebenfalls deutlich ab. Stabilisierend wirkten sich laut den Statistikern hingegen die Konsumausgaben des Staates und Bauinvestitionen aus.

          Wenngleich der gute Start ins Jahr 2020 Schlimmeres verhindert haben dürfte, sind die BIP-Zahlen aus dem ersten Quartal ein Vorbote dessen, was der deutschen Wirtschaft im zweiten Quartal noch bevorsteht. Die Frühindikatoren, wie etwa die Auftragseingänge oder der Ifo-Geschäftsklimaindex, deuten auf einen Einbruch der wirtschaftlichen Aktivität im April hin. Daher rechnen die meisten Ökonomen für das zweite Quartal mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um mehr als 10 Prozent.

          Zwar sind in den vergangenen Wochen erste Lockerungen in Kraft getreten und die Wirtschaft fährt langsam wieder hoch. Doch bis wieder Normalität einkehrt, wird es noch einige Zeit dauern – vor allem in den Bereichen, die die Krise besonders hart getroffen hat. So dürfen Restaurants und Hotels nach und nach wieder öffnen, doch aufgrund der strengen Sicherheitsvorkehrungen nicht so viele Gäste bewirten und beherbergen wie gewöhnlich.

          Großveranstaltungen sind noch bis Ende August komplett untersagt. „Durch die soziale Distanzierung wird der Aufschwung von der Angebotsseite her gedämpft und die Nachfrage belastet, da die sozialen Aktivitäten der Verbraucher wohl nicht so schnell das Vorkrisen-Niveau erreichen werden", heißt es in einer Studie der Deutschen Bank.

          Auch wenn die Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte allmählich wieder Fahrt aufnehmen dürfte, geht die Bundesregierung für das Gesamtjahr derzeit von einem Minus in Höhe von 6,3 Prozent aus. Das wäre der tiefste Einbruch in der deutschen Nachkriegsgeschichte. Die EU-Kommission rechnet damit, dass die Wirtschaftsleistung in der Eurozone um 7,7 Prozent sinkt.

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