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Citigroup & Co. : Geldhäuser warnen Großbritannien vor EU-Austritt

  • Aktualisiert am

Bleibt London in der EU? Bild: REUTERS

Die britische Regierung will über die Mitgliedschaft in der EU abstimmen lassen. Nun warnt die wichtige Finanzbranche vehement vor einem Austritt: London soll sich - im Gegenteil - stärker einbringen.

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          Großbritannien hadert mit seiner Rolle und Bedeutung in der Welt. Als ein Mittel, um sich gegenüber der eigenen (vielfach skeptischen) Bevölkerung zu profilieren, kritisiert die britische Regierung öffentlich und wirkmächtig die Europäischen Union. Premierminister David Cameron verlangt eine umfassende Reform der EU und will sein Volk dann darüber abstimmen lassen, ob es weiter Mitglied in dem Länderbund sein will oder nicht.

          Wie gut er damit beim britischen Wähler punkten kann, wird sich zeigen. Schlecht kommt der Plan offenbar in den Führungsetagen international aufgestellter Unternehmen an. Warnungen kommen besonders aus einem Wirtschaftszweig, der für das Vereinigten Königreich - trotz Finanzkrise - eminent wichtig bleibt: den Banken.

          Zu wenige Briten in Brüssel

          Die British Bankers' Association, die Lobby der Geldhäuser, hat sich nun offensiv in diese Debatte eingebracht und ruft die Regierung auf, mehr Akzente in Brüssel zu setzen und mehr Einsatz zu zeigen - und gerade nicht den Rücken zu kehren. Die Interessenvertretung der Banken hält Großbritannien in der „EU-Hauptstadt“ derzeit unterrepräsentiert.

          Davon unabhängig hat sich die amerikanische Großbank Citigroup an das britische Schatzamt gewendet und appelliert, sich nicht aus Europa zurückzuziehen. Die Konsequenzen wären „dramatisch“, verließe Großbritannien den Binnenmarkt. Citigroup-Europachef Jim Cowles sagte der „Financial Times“, unter seinen Kunden gebe es „wachsende Sorgen“ darüber, ob sie Großbritannien weiterhin als Hub nutzen können (für Geschäfte in Europa), wenn das Land aus der EU austräte. Er ergänzte aber: „Es ist nicht so, dass internationale Unternehmen aufhören würden, in Großbritannien zu investieren. Die Investitionen werden aber nicht mehr das Volumen haben, an das wir gewöhnt sind.“ Die Investmentbank Goldman Sachs drohte schon vor einigen Wochen damit, Geschäft zu verlagern, wenn Britannien die EU verlässt.

          „Der gemeinsame Markt für Finanzdienstleistungen ist ein bedeutender Faktor für den Erfolg Großbritanniens als Finanzzentrum und deswegen von beträchtlichem Wert für die britische Wirtschaft“, heißt es in der Stellungnahme der BBA. Der Finanzplatz London ist neben New York der bedeutendste der Welt.

          Die Bankenvertreter warnen ganz speziell auch, dass aus ihrer Sicht zu wenige Briten in EU-Institutionen arbeiteten - eine Einschätzung, die nach Angaben der Financial Times vom britischen Finanzminister George Osborne geteilt werde. Nach Zahlen der BBA ist der Anteil der Briten unter den Mitarbeitern der EU-Kommission in den vergangenen sieben Jahren stark gesunken und beträgt nun 4,6 Prozent. Frankreich stelle dagegen beinahe zehn Prozent der Kommissions-Angestellten.

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