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Schuldenkrise : China und Griechenland wollen enger kooperieren

  • Aktualisiert am

Sanierungsfall: Die Akropolis in Athen. Bild: AFP

Griechenland möchte sich an China, Russland oder Amerika wenden, wenn es im Schuldenstreit keine Lösung gibt. Nun wird es konkreter, Chinas Ministerpräsident bietet seine Hilfe an. Am Abend berät die Eurogruppe über die Finanzhilfen für Athen.

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          Griechenland und China wollen Regierungskreisen zufolge ihre wirtschaftliche Zusammenarbeit ausbauen. Ministerpräsident Alexis Tsipras habe darüber mit seinem chinesischen Kollegen Li Keqiang gesprochen, sagte ein Vertreter der Regierung in Athen am Mittwoch. Der chinesische Ministerpräsident lud Tsipras außerdem nach Peking ein und gratulierte Tsipras zum Wahlsieg. Einen Tag zuvor hatte der griechische Verteidigungsminister Panos Kammenos erklärt, sein Land könne sich an China, Russland oder die die Vereinigten Staaten wenden, wenn es im Schuldenstreit mit den Euro-Ländern  keine Einigung gebe.

          Li habe Tsipras in einem Telefonat versichert, dass chinesische Firmen Interesse an neuen Investitionen in Griechenland hätten. „Die beiden Regierungschefs haben über eine Vertiefung der Kooperation in den Bereichen  Wirtschaft, Handel und Kultur gesprochen.“ Thema sei auch der Besuch einer griechischen Delegation in China gewesen, um eine Reise von Tsipras in die Volksrepublik vorzubereiten.

          In der Schuldenfrage hatten zuvor griechische Minister und hochrangige Regierungsvertreter betont, Athen strebe zwar vorrangig eine Einigung mit den europäischen Partnern an.  Allerdings seien alternative Geldquellen nicht auszuschließen. Eine Sprecherin des Außenministeriums in Peking sagte allerdings zu Berichten, wonach China seine Hilfe angeboten habe, darüber wisse sie nichts. China sei aber bereit, die Zusammenarbeit mit der neuen Regierung in Athen in allen Bereichen zu verstärken.

          Das hochverschuldete Griechenland ist seit 2010 auf internationale Finanzhilfen angewiesen. Die neue griechische Linksregierung will nicht länger die strengen Sparauflagen der Kreditgeber einhalten. Deutschland und andere Eurostaaten sind aber auch nicht bereit, Athen Schulden zu erlassen oder ohne neue Auflagen weitere Kredite zur Verfügung zu stellen. Am Mittwochabend wollten die Finanzminister der 18 Eurostaaten in Brüssel über die Krise beraten. Griechenland will das Ende Februar auslaufende aktuelle Hilfsprogramm von EU und IWF wegen der harten Sparauflagen nicht verlängern. Ohne Kompromiss steht das Euro-Land vor der Pleite.

          Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble äußerte sich vor dem Treffen der Eurogruppe zurückhaltend zu einer möglichen Annäherung mit der griechischen Regierung im Schuldenstreit. „Ich erwarte nicht, dass wir heute irgendwelche Ergebnisse haben, aber vielleicht setzen wir ein Verfahren auf“, sagte Schäuble vor den Beratungen mit seinen Kollegen aus der Euro-Zone und dem griechischen Ressortchef Yanis Varoufakis. „Wenn Griechenland es wünscht, kann man natürlich im Rahmen der drei Institutionen, die man nicht mehr Troika nennen soll, aber es sind die drei Institutionen, Verhandlungen führen“, fügte Schäuble mit Blick auf die Aufsicht des Hilfsprogramms in Griechenland durch die sogenannte Troika aus EU-Kommission, Internationalem Währungsfonds und Europäischer Zentralbank hinzu.

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