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Chemiekonzern in der Krise : Warnstufe Rot

  • -Aktualisiert am

Ein Radler fährt an einem Schild mit dem BASF-Logo vorbei. Bild: Reuters

Es wird für Bayer schwierig werden, den Geist der Aufspaltung wieder in die Flasche zu drücken. Für BASF kann das nur heißen, diesen Deckel verschlossen zu halten – auch wenn der Druck steigt.

          Der Chemiekonzern BASF ist nicht irgendein Unternehmen, auch nicht in seiner Branche. BASF ist das größte Unternehmen seiner Art auf der Welt und ein Gradmesser für den Zustand der deutschen Wirtschaft. Wenn der Konzern seine Geschäftserwartungen drastisch herunterfährt und statt mit bis zu 10 Prozent mehr Betriebsgewinn nun mit bis zu 30 Prozent weniger rechnet, ist das eine Warnung für die gesamte Wirtschaft. Die Chemieindustrie beliefert mit ihren Kunststoffen, Lacken, Schäumen, Pflanzenschutzmitteln und Ingredienzien für Kosmetik, Pharma und Nahrungsmittel fast alle Branchen. Sie spürt daher früh, wenn es auf breiter Linie bergab geht.

          Vor allem die Autohersteller machen der Chemie Sorge. Die wichtigste Abnehmerindustrie hat im ersten Halbjahr rund um die Welt 6 Prozent weniger Autos produziert. Dazu belastet der Handelskrieg zwischen Amerika und China das Geschäft. Die Unsicherheit ist Gift für Investitionen. Solange nicht klar ist, wohin das Pendel schlägt, halten sich Unternehmen zurück. Sie bauen weniger, kaufen weniger Maschinen, legen weniger Vorräte an, all das fällt auf die Chemie zurück.

          BASF-Chef Martin Brudermüller wusste, worauf er sich einlässt. Er hat diese Aufgabe gewollt, und man kann ihm nicht nachsagen, dass er sich jetzt duckt. Der Vorstand hat schon vor einigen Tagen den Abbau von 6000 Arbeitsplätzen angekündigt; ein „Effizienzprogramm“, das in Deutschland ohne betriebsbedingte Kündigungen durchgehen dürfte. Zugleich versucht er die Mitarbeiter zu motivieren. Schließlich hat der Konzern noch unter seinem Vorgänger Kurt Bock die Trennung vom Ölgeschäft beschlossen und ist damit auch einer Forderung vieler Investoren nachgekommen.

          Nun muss sich zeigen, ob das reicht, um das integrative Geschäftsmodell des Konzerns, das viele Arbeitsplätze sichert, zu erhalten. Das ist beileibe nicht garantiert. BASF ist der einzige große Chemiekonzern, der noch derart breit aufgestellt ist. Der einzige, der sich mit Verweis auf die Vorteile einer verbundenen Produktion dem Trend der Spezialisierung verschlossen hat.

          Wie schnell sich alte Gewissheiten in Luft auflösen, können die „Aniliner“ bei Bayer beobachten. Ein Fehlgriff, der überteuerte, mit Schadenersatzexzessen belegte Kauf von Monsanto, bringt den Traditionskonzern ins Wanken. Ein amerikanischer Hedgefonds spielt mit der Idee einer Aufspaltung. Es wird für Bayer schwierig werden, diesen Geist wieder in die Flasche zu drücken. Für BASF kann das nur heißen, diesen Deckel verschlossen zu halten. Auch wenn der Druck steigt.

          Bernd Freytag

          Wirtschaftskorrespondent Rhein-Neckar-Saar mit Sitz in Ludwigshafen.

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