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Stärkste Rezession seit 1949 : In einem Jahr 600.000 Arbeitslose mehr

  • Aktualisiert am

„Minus 2 Prozent”: Das wäre der stärkste jährliche Rückgang, der in der Bundesrepublik jemals registriert wurde Bild: ddp

Der Bundesrepublik droht nach Einschätzung des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung im kommenden Jahr die stärkste Rezession in ihrer Geschichte. Die Wirtschaft werde um 2,0 Prozent schrumpfen. So hart trafen selbst die Ölkrisen der 70er Jahre die Wirtschaft nicht.

          Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) erwartet 2009 einen deutlichen Rückgang des Bruttoinlandsproduktes in Deutschland um 2,0 Prozent. Die Finanzmarktkrise wirke sich weitaus stärker auf die Weltwirtschaft als zuvor absehbar, erklärte das Institut am Mittwoch in Essen.

          Im September hatte das RWI noch ein Wachstum von 0,7 Prozent vorhergesagt. Trifft die neue Einschätzung zu, käme auf die Bundesrepublik die mit Abstand schlimmste Rezession seit ihrem Bestehen zu. Ähnliche starke Rückgänge habe es bislang nur bei den Ölkrisen in den 70er und zu Beginn der 80er Jahre gegeben. Am stärksten war die deutsche Wirtschaft bisher 1975 geschrumpft. Damals sank das BIP in Folge der Ölkrise um 0,9 Prozent. 1993, nach dem Ende des Einheitsbooms, betrug das Minus 0,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

          Auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) teilte am Mittwoch unter Verweis auf neue Zahlen mit, dass Deutschland tiefer in den Abschwung rutsche.
          Die Forscher des RWI sind mit ihrer Prognose aber weit skeptischer als die anderen Vertreter ihrer Zunft, die nur ein Minus von rund einem Prozent veranschlagen. RWI-Konjunkturchef Roland Döhrn forderte die Bundesregierung angesichts der immer tieferen Rezession auf, ihr Konjunkturpaket nachzubessern.

          „Die Stahlwerke arbeiten gerade noch so, dass die Hochöfen nicht kalt werden“

          Bisher habe sich der Arbeitsmarkt zwar erstaunlich robust gezeigt, jedoch dürfte die schwache Konjunktur von nun an auf den Arbeitsmarkt durchschlagen, so die Konjunkturforscher. Bis zum Jahresende 2009 werde die Zahl der Arbeitslosen um fast 600.000 zunehmen. Die Arbeitslosenquote werde im kommenden Jahr
          um 0,4 Prozentpunkte auf 7,9 Prozent ansteigen.

          „Die Insolvenz der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers am 15. September hat eine regelrechte Abwärtsspirale in Gang gesetzt“, sagte RWI-Konjunkturexperte Roland Döhrn in Essen. Die Finanzmarktkrise habe in der Folge auch auf andere Bereiche übergegriffen, die zunächst nicht betroffen gewesen seien. „Die Stahlwerke arbeiten gerade noch so, dass die Hochöfen nicht kalt werden“, sagte Döhrn.

          Inflation geht weiter zurück

          Von den bisher beschlossenen Stabilisierungsmaßnahmen ist nach Einschätzung des RWI keine Wende zum Besseren zu erwarten. „Im Moment sehen wir den Silberstreif am Horizont nicht“, sagte Döhrn. Statt langfristig angelegter Programme seien kurzfristige Maßnahmen gefragt, die möglichst schon zum 1. Januar kommenden Jahres greifen müssten. Sinnvoll sei eine Entlastung der Bürger durch eine Reform der Einkommenssteuer um mindestens 25 Milliarden Euro. Dadurch könnte bereits in der zweiten Jahreshälfte 2009 wieder ein positives Wachstum erreicht werden.

          Die Essener Forscher rechnen wegen der drastisch gefallenen Rohstoffpreise mit einem kräftig nachlassenden Preisdruck. Für 2009 erwartet das RWI eine Inflationsrate von nur 0,9 Prozent. Damit wäre das Teuerungsniveau nicht einmal halb so hoch wie von der Europäischen Zentralbank mittelfristig angepeilt. Die Großhandelspreise sind im November bereits in Rekordtempo gefallen. Im Vergleich zum November 2007 sanken die Preise um 0,8 Prozent, teilte das Statistische Bundesamt mit. Die Preisnachlässe dürften die Verbraucher bald in ihren Geldbeuteln spüren: Der Einzelhandel kündigte an, sinkende Einkaufskosten weiterzugeben.

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