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Bundesbankpräsident Weidmann : „Ich stehe im Feuer“

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Ich habe großen Respekt vor der Entscheidung Axel Webers. Im Unterschied zu ihm wusste ich aber, als ich mein Amt antrat, was auf mich zukommt. Im Übrigen: Wenn alle Bundesbankpräsidenten die „Exit“-Strategie wählen würden, was würde das bringen? Dann würden alle solange zurücktreten, bis einer kommt, der alles abnickt.

Mit Ihrem Widerspruch gegen die vermeintliche Euro-Rettung sind Sie zum Gesicht einer außerparlamentarischen Opposition geworden, nachdem es im Parlament keine Opposition zur Euro-Rettung gibt.

Für mich geht es darum, den Euro als stabile Währung zu erhalten und nicht darum, politischen Ansichten ein Gesicht zu geben. Es gibt gute ökonomische Gründe für die Positionen, die ich als Bundesbankpräsident vertrete.

Wenn man mit Leuten redet, sagen viele, in die Politik hätten sie kein Vertrauen mehr - aber in den Bundesbankpräsidenten. Sie sind deren Held.

Es ist gut, wenn die Menschen Vertrauen in die Bundesbank haben. Aber ich erfülle nur meine Aufgabe und strebe keine Heldenrolle an.

Steht die Kanzlerin noch hinter Ihnen?

Auch die Kanzlerin betont immer wieder die Stabilitätsgrundlagen der Währungsunion. Wir Notenbanker brauchen jedoch unseren eigenen Kompass. Wir haben unsere Unabhängigkeit bekommen, um Kurs zu halten, selbst wenn die Politik einmal nicht hinter uns steht.

Sie haben im vergangenen Jahr mit Rücktritt gedroht?

Das stimmt nicht und wäre auch nicht mein Stil. Ich sehe meinen Platz an der Spitze der Bundesbank.

Wo hatten Sie mehr Macht: Früher als Berater der Kanzlerin oder heute als Präsident der Bundesbank?

In meiner jetzigen Aufgabe trage ich mehr Verantwortung als früher, stehe aber auch deutlich mehr im Feuer für meine Positionen.

Schlafen Sie schlecht in Krisenzeiten wie diesen?

Natürlich treibt es mich um, wie es mit Europa weitergeht und welche Rolle die Notenbanken künftig haben. Trotzdem muss man auch loslassen können. Wenn mir das zu Hause mal nicht gelingt, erinnern mich meine Kinder daran, dass das Leben nicht nur aus der Euro-Krise besteht.

Sagen Sie uns und unseren Lesern, wie das neue Jahr wird.

Sie erwarten hoffentlich keine Prognose zum Wahlausgang, und Wirtschaftsprognosen sind derzeit noch schwerer als sonst. Aber insbesondere zum Jahreswechsel sollte man ja optimistisch sein. Insofern bin ich zuversichtlich, dass wir nach einer kurzen Durststrecke wieder auf Erholungskurs kommen - in Deutschland und im Rest der Welt. Wichtig ist vor allem, dass der deutsche Arbeitsmarkt stabil bleiben dürfte. All das basiert allerdings auf der Annahme, dass die Reformen in den Krisenländern vorankommen.

Maastricht hat 60 Prozent Staatsverschuldung als Höchstgrenze definiert. Heute sind wir im Euroraum im Schnitt bei 90 Prozent. Wird Maastricht je wieder eingehalten werden?

Da reden wir nun leider wirklich über Fernprognosen.

Zurück zu Maastricht oder Aufbruch zu mehr Europa?

Die Frage muss die Politik beantworten. Nach meinem Gefühl gibt es gegenwärtig allerdings keine Bereitschaft, den großen Sprung in eine politische Union zu machen. Das heißt für mich, dass wir uns weiter auf dem Boden des geltenden Rechts der Maastrichtverträge bewegen und in diesem Rahmen Haftung und Kontrolle wieder in die Balance bringen müssen.

Weidmann oder Draghi? Wie viel Euro-Rettung ist möglich, ohne die Stabilität des Euro zu gefährden? Das ist die Streitfrage in der Geldpolitik. Als Akteure treten auf: Mario Draghi, 65, der Präsident der EZB, und Bundesbank-Chef Jens Weidmann, 44, sein Widerpart. Scheinbar hat Draghi die Märkte beruhigt, doch die F.A.S.-Leser sind skeptisch: Sie fürchten, Draghi bringt Inflation.

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