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Bundesbank-Zahlen : Das Auslandsvermögen der Deutschen ist gewachsen

Rendite im Ausland: Blick auf einen Monitor an der New Yorker Börse Bild: AFP

Keine Nation exportiert soviel Erspartes ins Ausland wie die Deutschen. Aktien- und Anleiheanleger profitierten im Jahr 2019 von hohen Kurssteigerungen an ausländischen Börsen. Doch insgesamt war die Rendite äußerst bescheiden.

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          Das Netto-Auslandsvermögen der deutschen Volkswirtschaft ist im vergangenen Jahr um 345 Milliarden Euro deutlich gestiegen. Gemeint ist damit der Saldo aus Forderungen und Verbindlichkeiten deutscher Unternehmen, Banken und Bürger, aber auch staatlicher Einrichtungen wie der Bundesbank gegenüber Geschäfts- und Handelspartnern im Ausland. Laut von der Deutschen Bundesbank veröffentlichten Zahlen betrug das Netto-Auslandsvermögen zum Ende des vierten Quartals 2019 rund 2,4 Billionen Euro oder 2472 Milliarden Euro. Der Umfang des Netto-Vermögens lag 16 Prozent über dem Stand zum Ende des Vorjahres und entsprach 72 Prozent der jährlichen deutschen Wirtschaftsleistung.

          Johannes Pennekamp

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaftsberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.

          Mark Fehr

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Zu den Vermögensgegenständen gehören etwa das in ausländische Unternehmen gesteckte Kapital, Wertpapiere wie Aktien, Fondsanteile oder Anleihen sowie Guthaben auf ausländischen Bankkonten. Der Saldo des Auslandsvermögens ergibt sich aus Forderungen in Höhe von 9,4 Billionen Euro abzüglich Verbindlichkeiten in Höhe von mehr als 6,9 Billionen Euro. Die Forderungen stiegen dabei um 9,4 Prozent, die Verbindlichkeiten legten um 7,2 Prozent zu.

          Die ökonomisch entscheidende Frage mit Blick auf das Auslandsvermögen lautet, wie werthaltig und rentabel die darin enthaltenen Forderungen sind. Diese Frage hat zu einer wissenschaftlichen Debatten darüber geführt, ob der Exportchampion Deutschland die im internationalen Handel erzielten üppigen Einnahmen nachhaltig und gewinnbringend anlegt oder ob stattdessen „dummes deutsches Geld“ in der Welt unterwegs ist.

          War die Rendite am Ende sogar negativ?

          Schlussfolgerungen zur Güte des Anlageverhaltens sind schwer zu ziehen, doch übertrafen laut Bundesbank die Wertsteigerungen den allein durch wirtschaftliche Transaktionen entstandenen Teil der Vermögensmehrung deutlich. Das ist bemerkenswert, weil sich daran der Anlageerfolg und die mit den Vermögensposten erzielte Rendite zeigt. Bei den Transaktionen hingegen handelt es sich um durch die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung abgebildete Geldströme zwischen dem In- und Ausland im Rahmen laufender Geschäfte, deren Anlageerfolg sich erst noch erweisen muss. So machte der vorwiegend durch Bewertungen getriebene Anstieg im vergangenen Jahr 139 Milliarden Euro aus. „Dabei schlugen insbesondere höhere Bewertungen durch gestiegene Marktpreise zu Buche“, schreibt die Bundesbank.

          Der Wirtschaftswissenschaftler Moritz Schularick von der Universität Bonn führt auf Nachfrage der F.A.Z. einen deutlichen Teil des von der Bundesbank in Euro ermittelten Anstiegs des Brutto-Auslandsvermögens auf Währungseffekte zurück. So habe die Gemeinschaftswährung im Jahr 2019 gegenüber dem Dollar um rund 7 Prozent abgewertet. Nach Bereinigung durch den Wechselkurs dürfte der tatsächliche Ertrag gering gewesen sein. Abzüglich der Inflation könnte sich sogar überschlägig negative Rendite ergeben.

          Schularick differenziert seine Betrachtung dahingehend, dass Deutschland auch Vermögensanlagen in Ländern der Eurozone halte, für die keine Wechselkursänderungen zu berücksichtigen sind. Allgemein sei der Dollar aber eine gute Näherung für Währungseffekte. Vor diesem Hintergrund sieht die Entwicklung des deutschen Auslandsvermögens insgesamt bescheiden aus – verglichen etwa mit der starken Wertentwicklung der amerikanischen Aktienmärkte oder auch des deutschen Leitindex Dax im Jahr 2019 oder dem hohen Preisanstieg am deutschen Immobilienmarkt.

          Lebhafte Nachfrage nach Wertpapieren

          Mit Blick allein auf Wertpapieranlagen jedoch haben Anleger in Deutschland spürbar profitiert. Laut Bundesbank hielten sie Ende 2019 einen um mehr als 14 Prozent oder 426 Milliarden Euro auf 3,3 Billionen Euro gestiegenen Bestand an ausländischen Wertpapieren. Besonders deutlich war die Nachfrage nach im Ausland begebenen langfristigen Schuldverschreibungen gestiegen, deren Rendite oft über der von entsprechenden deutschen Wertpapieren lag.

          Auch die Nachfrage nach ausländischen Investmentfondsanteilen entwickelte sich lebhaft. Bei fast allen Anlageklassen, ausgenommen den kurzfristigen Schuldverschreibungen, ergaben sich sehr starke Wertzuwächse durch Kurssteigerungen. Diese waren laut Bundesbank deutlich umfangreicher als die positiven Wechselkurseffekte durch die Abwertung des Euros.

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