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Angst vor Deflation : Sogar die Bundesbank ist jetzt für höhere Löhne

Höhere Löhne auch in der Chemieindustrie? Bild: dpa

Mehr Geld: Für diese Forderung haben Deutschlands Arbeitnehmer jetzt einen gewichtigen Verbündeten - die Deutsche Bundesbank. Die klang bisher anders.

          Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat einen ungewöhnlichen Verbündeten gewonnen. Auf einem Treffen mit Gewerkschaftsökonomen in Berlin plädierte der Chefvolkswirt der Deutschen Bundesbank, Jens Ulbrich, für höhere Lohnzuwächse in Deutschland. Jahrelang hätten die Gewerkschaften „sehr verantwortungsbewusst Lohnzurückhaltung geübt“, lobte Ulbrich. Jetzt, da die Konjunktur gut laufe, sei es wenig erstaunlich, dass die Lohnabschlüsse in Deutschland höher ausfielen als im Durchschnitt des Euroraums.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Ulbricht ermunterte die deutschen Gewerkschaften, in den anstehenden Tarifauseinandersetzungen mit den Arbeitgebern den volkswirtschaftlichen Verteilungsspielraum aus Produktivitäts- und Preiszuwächsen voll auszuschöpfen. Eine Sprecherin der Bundesbank bestätigte am Sonntag das Treffen von Bundesbank und Gewerkschaften und die Worte ihres Chefvolkswirts, über die das Magazin „Spiegel“ berichtet hatte.

          Die Aussagen der Bundesbank sind ungewöhnlich, weil diese traditionell aus Sorge vor einem Inflationsschub vor zu hohen Lohnzuwächsen warnt. Nun warnt die Bundesbank durch die Blume vor zu niedrigen Gehaltserhöhungen. Dass die Aussagen von dem in der Öffentlichkeit wenig bekannten Chefvolkswirt Ulbrich kommen, muss ihnen nicht wenig Gewicht geben. Bundesbankpräsident Jens Weidmann sei gleicher Meinung, wird versichert.

          Offenbar herrscht in der Bundesbank angesichts einer Jahresinflationsrate von zuletzt nur 0,5 Prozent im Euroraum große Sorge vor Deflation, also fallenden Preisen. Höhere Lohnabschlüsse könnten dazu beitragen, dass die Inflationsrate sich wieder dem Inflationsziel der Europäischen Zentralbank von knapp zwei Prozent nähert.

          Nach der jüngsten Erhebung des Statistischen Bundesamtes sind die Löhne in Deutschland im Winter wieder schneller gestiegen als die Preise - die Differenz zwischen Lohn- und Preiserhöhungen war so hoch wie seit drei Jahren nicht mehr.

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