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Der Sonntagsökonom : Und das soll Marktversagen sein?

Nur wenige Händler kennen die Qualität der Gebrauchtfahrzeuge wirklich. Bild: obs

Der Käufer ist immer der Dumme. Nie weiß er, ob die Ware wirklich gut ist. Macht aber nichts. Denn eine Welt, in der jeder alles weiß, wäre eine Dystopie.

          4 Min.

          Würden Sie von diesem Mann einen Gebrauchtwagen kaufen? Das Wahlkampfplakat der Demokratischen Partei aus dem Jahr 1960 zeigte den republikanischen Präsidentschaftskandidaten Richard Nixon.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Nixon verlor damals gegen den jugendlichen John F. Kennedy. Welchen Einfluss das Wahlplakat dabei spielte ist offen. Sicher ist allein: Das Plakat macht jedermann deutlich, welch schlechtes Ansehen Gebrauchtwagenhändler in den Vereinigten Staaten haben.

          Zehn Jahre später erhielten die Probleme der Autoverkäufer in Amerika die höheren wissenschaftlichen Weihen. Der Ökonom George Akerlof, der dafür später ein Drittel des Wirtschaftsnobelpreises erhielt, analysierte in einem Aufsatz den Markt für „Zitronen“, wie in Amerika schlechte Autos genannt werden. In Deutschland würde man eher von Montagsautos sprechen. Und schon wieder war ein Fall des scheinbaren Marktversagens geboren.

          Asymmetrisch verteilte Information im Verkauf

          Akerlofs Analyse lässt sich in wenigen Gedanken skizzieren und gehört damit zu den wirklich originären Ideen des Faches. Der potentielle Käufer kann einem Fahrzeug nicht ansehen, ob es von guter Qualität oder ob es eine Zitrone ist. Er kennt oder vermutet nur eine ungefähre Wahrscheinlichkeit, mit der im Marktangebot Autos schlechter Qualität zu finden sind.

          Der Verkäufer zumindest eines Gebrauchtfahrzeugs weiß dagegen, ob das Auto gut oder schlecht ist. Ökonomen sprechen in dieser Situation von asymmetrischer oder ungleich verteilter Information. Das hat unangenehme Folgen.

          Abhängig von der Wahrscheinlichkeit, ein schlechtes Auto zu kaufen, ist der Käufer nur bereit, einen durchschnittlichen Preis zu zahlen. Zu diesem Preis aber sind Verkäufer nicht willens, die guten überdurchschnittlichen Autos zu verkaufen.

          Im Extremfall bricht der Markt für Gebrauchtautos zusammen

          Am Markt werden damit bevorzugt Autos schlechterer Qualität angeboten. Wenn mögliche Käufer das realisieren, wird ihre durchschnittliche Zahlungsbereitschaft noch weiter sinken. Damit lohnt es sich für noch weniger Verkäufer, Autos guter Qualität anzubieten. Im Extremfall bricht der Markt für Gebrauchtwagen völlig in sich zusammen.

          Die Theorie so weit zu treiben belegt wieder einmal: Die Ökonomen machen sich ihre Probleme selbst, wenn sie keine Probleme haben. Der Fall der asymmetrischen Information wird zwar allgemein als Marktversagen charakterisiert.

          Von einem Marktversagen ist freilich kaum zu sprechen. In der Realität existieren Märkte für Gebrauchtwagen, und sie brechen nicht in sich zusammen. Wenn die Wirklichkeit der Theorie nicht entspricht, dann stimmt offenbar etwas an der Theorie nicht.

          Wege aus der Ungleichheit

          Tatsächlich gibt es Mittel und Wege, die asymmetrische Information zu überwinden. Der Verkäufer kann ganz einfach mit einer Garantie dem Käufer signalisieren, dass das zu verkaufende Fahrzeug eine gute Qualität hat. Damit hebt das Auto sich vom Durchschnitt des Markts ab und der potentielle Käufer ist üblicherweise bereit, für die garantierte Qualitätssicherheit einen höheren Preis zu zahlen.

          Autohändler haben für gewöhnlich auch ein Interesse daran, ihr Geschäft für eine längere Zeit aufrechtzuerhalten. Sie haben damit einen großen Anreiz, nicht mit Zitronen zu handeln. Denn sollte sich erst einmal herumsprechen, dass ein Unternehmer schlechte Gebrauchtwagen verkauft, laufen ihm schnell die Kunden davon. Das Eigeninteresse des Händlers treibt ihn so dazu, Qualität zu verkaufen, und dies dem Kunden zum Beispiel durch Garantieleistungen zu signalisieren.

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