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Bonitätskrise : Griechische 2-Jahres-Rendite überschreitet 11 Prozent

Bild: F.A.Z.

Die Renditen griechischer Anleihen sind am Donnerstag wegen Erwartungen auf eine Umschuldung dramatisch gestiegen. Die Ratingagentur Moody's hat ihre Bewertung griechischer Staatsanleihen von „A2“ auf „A3“ gesenkt und prüft weiter.

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          Die Renditen griechischer Anleihen sind am Donnerstag wegen Erwartungen auf eine Umschuldung dramatisch gestiegen. In London rentierte die zweijährige Staatsanleihe am Nachmittag mit 11,11 Prozent um rund 300 Basispunkte höher als am Mittwoch. Die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihe sprang um 95 Basispunkte auf 9,02 Prozent. Die Ratingagentur Moody's hat ihre Bewertung griechischer Staatsanleihen von "A2" auf "A3" gesenkt und prüft eine weitere Abstufung.

          Das neuerliche Debakel griechischer Anleihen hatte am Vormittag mit der Revision der Neuverschuldung für 2009 auf 13,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) begonnen. Am frühen Nachmittag veröffentlichte die Investmentbank Goldman Sachs einen Kommentar, in dem sie mit einer Kürzung oder Verschiebungen von Zinszahlungen auf griechische Anleihen rechnet.

          Kommt eine Umschuldung oder kommt sie nicht?

          "Warten Sie auf das freiwillige Angebot einer Umschuldung durch die griechische Regierung in den kommenden Monaten", heißt es. "Ein mehrjähriges offizielles Rettungsprogramm zusammen mit einer freiwilligen Umschuldung würde der Regierung eine längere Atempause gewähren, um die notwendigen Reformen umzusetzen."

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          Während in London und New York eine Umschuldung als immer wahrscheinlicher gilt, bremst in Deutschland die Commerzbank diese Erwartung: "Die Vorstellung einer unmittelbar bevorstehenden Umschuldung scheint jedoch absurd. Durch ein solches Ergebnis würde nicht nur die Glaubwürdigkeit der Europäischen Union, der Europäischen Zentralbank und des Internationalen Währungsfonds ernsthaft Schaden nehmen. Es wäre auch ein absurdes Signal, dass ein in Schwierigkeiten geratenes Mitglied der Währungsunion nicht die Chance und die Zeit erhielte, seine Konsolidierungspläne umzusetzen. Dennoch dürften die Märkte, bis Klarheit besteht, vorerst weiter in diese Richtung spekulieren."

          Deutsche Banken zählten im Falle einer griechischen Insolvenz zu den Betroffenen. Nach Berechnungen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) hielten deutsche Banken Ende 2009 gegen öffentliche und private griechische Schuldner Forderungen über 45 Milliarden Dollar, umgerechnet 34 Milliarden Euro. Wie viel davon auf griechische Staatspapiere entfällt, ist nicht bekannt. Stärker als die deutschen sind die französischen Banken in Griechenland engagiert (siehe Grafik). Zwei Pariser Großbanken unterhalten in Griechenland Filialnetze.

          Mit den Anleiherenditen sind auch die Kosten für die Absicherung gegen das Ausfallrisiko griechischer Staatsanleihen kräftig gestiegen. Kreditausfallswaps (CDS) auf fünfjährige Anleihen verteuerten sich um 85 auf 570 Basispunkte. Das bedeutet, dass für die Absicherung von 10 Millionen Euro dieser Anleihe eine jährliche Prämie von 570 000 Euro fällig wird. Nach Angaben aus dem Handel, wo von panikartigen Zuständen die Rede war, drückt sich in der aktuellen Bewertung die Ansicht des Marktes aus, die Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls Griechenlands betrage 38 Prozent.

          Griechenlandkrise greift langsam auf andere Bereiche und Regionen über

          Derzeit sind 3488 CDS-Geschäfte auf griechische Anleihen im Nennwert von 8,3 Milliarden Euro in den Büchern der führenden Abwicklungsgesellschaft Depository Trust & Clearing Corp. registriert. Sollte Athen eine Umschuldung vornehmen, könnten dadurch die Verkäufer der CDS gezwungen sein, die Käufer für den Ausfall der von ihnen abgesicherten Staatsanleihen zu entschädigen. Unter welchen Umständen dieser Versicherungsfall konkret eintritt, müsste ein Gremium des Händlerverbands International Swap Dealers Association entscheiden.

          Die griechische Krise ergreift allmählich auch andere Bereiche der internationalen Finanzmärkte. Am Markt für CDS stiegen die Notierungen für Staatsschulden aus Portugal, Irland und Spanien deutlich, wenn auch nicht annähernd so stark wie für griechische Papiere. Die Rendite zehnjähriger portugiesischer Anleihen stieg um 14 Basispunkte auf 4,88 Prozent. Obgleich Lissabon am Donnerstag problemlos eine Emission neuer Staatspapiere verkaufte, sprach Finanzminister Fernando Teixeira dos Santos von einem "Ansteckungsrisiko" durch Griechenland.

          Am Devisenmarkt ermäßigte sich der Kurs des Euro gegenüber dem Dollar um 0,7 Prozent auf 1,3316 Dollar. Auch die Aktienmärkte verzeichneten wegen Griechenland Kursverluste. Der Dax lag im Nachmittagshandel mit 6170 Punkten um 1 Prozent im Minus.

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