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Schwache BIP-Zahlen : Weshalb die deutsche Wirtschaft kaum noch wächst

Mitarbeiter fertigen Rotornaben für Hochleistungsturbinen bei einem Windkraftanlagenbauer. Bild: dpa

Es klingt paradox: In großen Teilen der Wirtschaft laufen die Geschäfte nach wie vor prächtig, der Konsum floriert. Das aber ändert nichts daran, dass Deutschland eine markante Schwächephase durchläuft.

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          Nun ist es amtlich: Das Wachstum der deutschen Wirtschaft hat sich im vergangenen Jahr deutlich abgeschwächt und sämtliche Prognosen Lügen gestraft. 0,6 Prozent schlugen am Ende zu Buche, wie die Statistiker aus Wiesbaden am Mittwoch in ihrer ersten Schnellschätzung mitteilten. Das ist ein ganzer Prozentpunkt weniger als jene 1,6 Prozent, die im Mittel von Bundesregierung, EU-Kommission, Internationalem Währungsfonds sowie Bundesbank, Banken und Forschungsinstituten vorhergesagt worden waren. Das Münchener Ifo-Institut, das im Jahr zuvor noch am deutlichsten danebengelegen hatte, kam mit 1,1 Prozent dem finalen Wert am nächsten.

          Niklas Záboji

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Zwar liegen die nun erzielten 0,6 Prozent leicht über den schwachen Wachstumsraten der Eurokrisenjahre 2012 und 2013 und ist 2019 somit doch nicht, wie lange vermutet, das schlechteste Jahr seit der Finanzkrise geworden. Das kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die deutsche Wirtschaft eine markante Schwächephase durchläuft. Es klingt paradox: Der Arbeitsmarkt steht so gut da wie nie zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik mit Blick auf die Rekordzahl an Beschäftigten in sozialversicherungspflichten Verhältnissen und die historisch niedrige Arbeitslosenquote von 5,0 Prozent.

          Auch geht es dem Dienstleistungssektor, der in Deutschland heutzutage für mehr als zwei Drittel der Wirtschaftsleistung steht, nach wie vor sehr gut: Die Geschäfte im Handel, Verkehr und Gastgewerbe laufen prächtig, auch Bereiche wie Telekommunikation, Beratung und die Reisebranche haben volle Auftragsbücher und halten den Fachkräftemangel in Befragungen meist für eine größere Gefahr als eine konjunkturelle Abschwächung.

          Solide Binnenkonjunktur hin oder her

          Selbiges gilt für Handwerk und Baugewerbe, nicht zuletzt, da die Kreditbedingungen wegen der ultralockeren Zinspolitik der Europäischen Zentralbank für Schuldner nun schon viele Jahre außerordentlich günstig sind. Schließlich bleibt auch der Konsum dank niedriger Inflationsraten, der guten Beschäftigungslage und ordentlicher Lohnabschlüsse ausgesprochen robust – die Anfang der 2000er Jahre stark gesunkene Lohnquote hat mittlerweile das Niveau der 1990er Jahre überschritten, wie neue Zahlen des Bundeswirtschaftsministeriums zeigen.

          Und trotz alledem ist die Malaise der deutschen Wirtschaft seit einigen Monaten Allgemeingut und mit harten Zahlen belegbar; 0,6 Prozent Wachstum bedeuten mehr Stagnation denn Aufschwung, solide Binnenkonjunktur hin oder her. Die Gründe führen, auch das ist nunmehr Allgemeingut, ins Ausland: Das Wachstum des Welthandels tritt seit einiger Zeit auf der Stelle, die Vielzahl an Handelskonflikten schwächt die Investitionsdynamik deutlich ab. Zu spüren bekommt das allen voran die außenhandelsorientierte deutsche Industrie. Ihre Wertschöpfung ist im vergangenen Jahr um 3,6 Prozent geschrumpft, die Zahl an Betrieben mit Kurzarbeit hat zugenommen, die meisten Ökonomen sprechen längst unumwunden von einer „Industrierezession“.

          „Achterbahnfahrt im Außenhandel“

          Ohnehin geschwächt durch strukturelle Umbrüche wie Digitalisierung und Klimawandel verzeichnen die hiesigen Exporteure aus der Industrie schon seit dem Jahreswechsel 2017/2018 rückläufige Auftragseingänge. Vor allem die Wachstumsverlangsamung in China, die einhergeht mit einer sinkenden Nachfrage nach kapitalintensiven deutschen Exportschlagern wie Fahrzeuge und Maschinen, trübt die Geschäftslage. Selbst wenn die Zeichen im amerikanisch-chinesischen Handelsstreit nach der Annäherung von dieser Woche nun auf Waffenstillstand stehen, bleibt die Zukunft ungewiss.

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