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Besuch der Kanzlerin : China deutet Hilfe für Europa an

Beide Länder hätten heute einen „wachsenden Einfluss auf die Welt“, sagte Chinas Ministerpräsident Wen zu Kanzlerin Merkel. Das stimmt sicherlich, die Kanzlerin hört so etwas nicht sehr gern. Bild: dpa

Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao hat der EU kräftig die Leviten gelesen. Im Beisein der deutschen Kanzlerin mahnte er „schmerzhafte Entscheidungen“ an. Zugleich aber zeigte sich der Regierungschef ungewohnt offen, in der europäischen Schuldenkrise zu helfen.

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          Friedrich der Große hätte seine helle Freude an den Langen Kerls in Peking. Ministerpräsident Wen Jiabao und Bundeskanzlerin Angela Merkel reichen den chinesischen Gardesoldaten kaum bis zur Brust, als sie in der Großen Halle des Volkes die Ehrenformation abschreiten. Die Uniformierten überragen sogar die wuchtigen Fotografen und Kameramänner, die Merkels fünften Besuch in der Volksrepublik festhalten.

          Neues Selbstbewusstsein

          Christian Geinitz
          Wirtschaftskorrespondent in Berlin

          Mit wachsendem Wohlstand, besserer Ernährung und medizinischer Versorgung ist die Körpergröße der Chinesen deutlich gestiegen. Viele Besucher aus dem Westen sind erstaunt darüber, dass ihr Bild von den kleingewachsenen Asiaten unter den jungen Leuten in den Großstädten nicht mehr gilt. Natürlich ist das handverlesene Wachbataillon nicht repräsentativ, aber es symbolisiert anschaulich Chinas gewachsene Bedeutung und sein Selbstbewusstsein in der neuen Welt- und Wirtschaftsordnung.


          Durch die Wachstums- und Schuldenkrise der EU, in der sich Deutschland am besten schlägt, hat auch das Gewicht der Bundesrepublik zugenommen. So gesehen begegnen sich am Platz des Himmlischen Friedens zwei international einflussreiche Partner „auf Augenhöhe“, was im Falle Merkels und Wens ganz wörtlich gilt.

          International Platz zwei und vier

          Während Merkels letztem Besuch vor zwei Jahren wehrten sich beide Länder gegen Vorwürfe aus Amerika, ihre Handelsüberschüsse trügen zum globalen Ungleichgewicht bei. Diesmal sehen sie sich gemeinsam in der Verantwortung, den Schulden- und Wachstumskrisen zu begegnen, vor allem in Europa. Sie tun das aus einer Position der Stärke heraus: Deutschland und China sind die größten Exportnationen der Welt, die mächtigsten Volkswirtschaften in ihren Erdteilen und die Wachstumsmotoren; international rangieren sie auf den Plätzen zwei und vier.

          Beide Länder hätten heute einen „wachsenden Einfluss auf die Welt“, sagt Wen zu Merkel. Das stimmt sicherlich, die Kanzlerin hört so etwas aber nicht sehr gern - aus historischen Gründen und weil sie sich in Europa immer häufiger dem Vorwurf des Hegemonialstrebens ausgesetzt sieht. Die Chinesen halten solche Einwände für kleinlich und realitätsverzerrend. Wen findet, angesichts der Bedeutung beider Mächte müssten sie mehr Verantwortung übernehmen, etwa in Energie- und Klimafragen. Allerdings ist China nicht gewillt, wie von Merkel gewünscht, sich an Sanktionen gegen den Iran zu beteiligen, um die Wiederaufnahme der Nuklearverhandlungen zu erzwingen.

          Deutschalnd als dominante Kraft in Europa?

          Chinas wirtschafts- und machtpolitische Weltkarte ist ebenso einfach wie bestechend. Aus Pekings Sicht ist die Zeit der einzigen Supermacht Amerika - und ihrer Währung - abgelaufen. An ihre Stelle trete ein „multipolares System“. Darin begreift China die Vereinigten Staaten als natürliche Vormacht in Amerika, sich selbst als Führer in Asien und Deutschland als dominante Kraft in Europa. Langfristig werde es drei große Reservewährungen geben, den Dollar, den Renminbi und - wer hätte das gedacht? - den Euro.

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