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Bankenrettung : Wieder muss der Staat ran

  • -Aktualisiert am

Frankfurter Wolkenkratzer Bild: dpa

Die Banken stürzen in eine neue Krise. Die Ratings fallen, die Kurse brechen ein. Die europäischen Geldhäuser brauchen dringend neues Kapital.

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          Es sollte ein Befreiungsschlag sein. Die großen Notenbanken der westlichen Welt taten sich am vergangenen Donnerstag zusammen, um zu verkünden, sie würden den europäischen Banken Dollar-Kredite zur Verfügung stellen. Günstig und in unbegrenzter Höhe. Zuvor waren vor allem bei französischen Banken die Dollars knapp geworden, weil amerikanische Geldmarktfonds ihnen nicht mehr über den Weg trauten.

          Die gemeinsame Aktion der Zentralbanken soll zeigen: Wir sind bereit, alles zu tun, um unsere Banken davor zu bewahren, dass ihnen das Geld ausgeht. Sie zeigt aber auch: In der europäischen Banken- und Zentralbankenwelt herrscht größte Verunsicherung. Die immer schwierigere Rettung Griechenlands, die wütende Abreise der EU- und IWF-Kontrolleure, die Äußerungen des deutschen Wirtschaftsministers, er schließe eine Insolvenz des Lands nicht mehr aus – das alles hat dafür gesorgt, dass es in Europa längst nicht mehr nur darum geht, ob Griechenland nun seine Schulden zurückzahlt oder nicht. Die griechische Krise ist ansteckend geworden. Und sie hat das Herz der europäischen Finanzwelt infiziert: die Banken.

          Die Bankenüberwacher sind zurück im Krisenmodus. Die Europäische Zentralbank gewährt kurzfristige Kredite in Rekordhöhe. Der deutsche Oberaufseher Bafin fragt bei den Banken täglich die Liquiditätslage ab. Das Finanzministerium hält sich ständig auf dem Laufenden, wie hoch die Lasten griechischer Staatspapiere und anderer Anleihen aus Europas Peripherie-Staaten in den Bankbilanzen ausfallen. Berichte, das Ministerium spiele schon eine zweite Bankenrettung durch, werden nicht dementiert. Und der wichtigste Punkt auf der Agenda der EU-Finanzminister bei ihrem Treffen in Breslau am Samstag war: die Lage der Großbanken.

          Grund für das Banken-Grausen ist ein Posten in den Bankbilanzen, der lange als einer der sichersten überhaupt galt: der Bestand an Staatsanleihen aus Eurostaaten. Er ist gewaltig, was auch daran liegt, dass die Regulierer das befördert haben. Sie haben festgelegt, dass die Banken für diese Anleihen keinen einzigen Euro Eigenkapital vorhalten müssen. Also haben sich die europäischen Geldhäuser mit den Papieren vollgesogen.

          Wieder die altbekannt Frage

          In der Eurokrise erweist sich das als Fehler. Die Marktpreise der Staatspapiere fallen, und es werden Abschreibungen in Millionenhöhe fällig. Allein die Commerzbank musste im zweiten Quartal dieses Jahres 760 Millionen Euro auf ihre Griechenland-Anleihen abschreiben. Die französischen Banken traf es noch härter, da sie viel mehr Griechen-Papiere halten. Und das wahre Problem schlummert noch in den Bilanzen. Die Anleihen aus den anderen Problemländern wie Portugal, Spanien, Irland und Italien sind häufig noch gar nicht abgeschrieben. Sollte es hier zu dauerhaften Problemen oder gar zu Zahlungsausfällen kommen, kann das die Geldhäuser an den Rand der Existenz bringen.

          Drei Jahre nach der Finanzkrise, nach Lehman, IKB und HRE stehen Europas Regierungen auf einmal wieder vor einer altbekannten Frage: Müssen wir demnächst Milliarden Euro in die Banken pumpen?

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