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Banken herabgestuft : Sorgen in Großbritannien und Portugal

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Regen oder Sonne? Über Londons City hängen dunkle Wolken Bild: AFP

In Europas Banken läuten weiter die Alarmglocken. Moody´s stuft britische und portugiesische Banken ab. Der britische Finanzminister Osborne versucht zu beruhigen.

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          Die Herabstufung der Kreditwürdigkeit mehrerer Finanzinstitute sowie Berichte über mögliche Probleme bei der Royal Bank of Scotland (RBS) haben Sorge um Großbritanniens Banken ausgelöst.

          Die Ratingagentur Moody’s setzte die Kreditwürdigkeit von zwölf britischen Banken herab. Betroffen sind unter anderem Lloyds, die britische Tochter der spanischen Bank Santander sowie die Bausparkasse Nationwide.

          Hinzu kommen sieben kleinere Bausparkassen. Zuvor hatte die Agentur bereits das Rating von neun portugiesischen Banken angesichts der Schuldenkrise im dem südeuropäischen Land gesenkt.

          Darunter sind die wichtigsten Kreditinstitute Portugals, etwa die staatliche Caixa Geral de Depositos, die größte Bank des Landes, sowie mit der BCP die größte Privatbank Portugals.

          Die Ratingagentur begründete ihren Schritt in erster Linie damit, dass die Banken Schuldenpapiere des portugiesischen Staates halten. Zudem wurde auf die schwachen Wachstumsperspektiven der portugiesischen Wirtschaft verwiesen - dieses und kommendes Jahr wird ein Schrumpfen um jeweils rund zwei Prozent erwartet. Erwähnt werden auch Liquiditätsprobleme der Banken, die alle keinen Zugang zum Interbankenmarkt hätten.

          Harte Maßnahmen, ruhige Hand? Der britische Finanzminister Osborne (Foto: Beim Parteitag der Conservative Party am 3. Oktober in Manchester)
          Harte Maßnahmen, ruhige Hand? Der britische Finanzminister Osborne (Foto: Beim Parteitag der Conservative Party am 3. Oktober in Manchester) : Bild: AFP

          Die Herabstufung der britischen Institute, die im europäischen Finanzgefüge eine wesentlich gewichtigere Rolle spielen, begründete Moody’s damit, dass die Institute bei künftigen Notlagen weniger Hilfen der Regierung erwarten könnten.

          Von der Entscheidung ist auch die krisengeschüttelte RBS betroffen. Sie zählt weltweit zu den größten Verlierern der Finanzkrise von 2008. Derzeit liegen 82 Prozent ihrer Aktien beim Staat.

          Benötigt die RBS eine neue Finanzspritze?

          Die „Financial Times“ berichtete am Freitag, in der britischen Regierung wachse die Sorge, dass die RBS erneut eine Geldspritze vom Staat brauchen könnte. Es sei möglich, dass die RBS beim Ausfall von Staatspapieren aus den Ländern der Eurozone nicht genug Kapital hätte. Die RBS hat viel Geld in Staatspapiere von Euro-Schuldenländern angelegt.

          Bereits im ersten Halbjahr korrigierte sie den Wert ihrer griechischen Staatsanleihen von 1,2 Milliarden Euro nach unten. In Italien hat sie noch 4 Milliarden Euro im Feuer. Die RBS hatte in den Jahren 2008 bis 2010 einen Verlust von rund 29 Milliarden Pfund angehäuft und musste verstaatlicht werden.

          Die Kosten für die Rettung der Bank belaufen sich laut Zeitung bislang auf 45 Milliarden Pfund (52 Mrd Euro). Ein RBS-Sprecher sagte, es sei „pure Spekulation“, in welchem Ausmaß Banken von einem Ausfall von Staatspapieren getroffen werden könnten. RBS habe eine Eigenkapitalquote von 11,1 Prozent und sei damit eine der stärksten Banken in Europa. In den Bankenstresstests der EBA vom Juli sei bereits errechnet worden, wie gut die Banken auf mögliche Ausfälle vorbereitet seien. Die RBS habe gut abgeschnitten.

          Osborne verteidigt harten Kurs

          Schatzkanzler George Osborne versuchte am Freitag, Zuversicht zu verbreiten. Der Plan der Regierung, die Schulden zu bewältigen, sei „zuverlässig“, sagte Osborne dem Sender BBC. „Der Kurs harter geldpolitischer Maßnahmen und verantwortlicher Finanzpolitik ist der richtige Weg, und diesem folgen wir.“

          Am Donnerstag hatte die Bank of England (BoE) neues Geld in die britische Volkswirtschaft gepumpt, um die lahmende Konjunktur in Fahrt zu bringen. Um zusätzliches Kapital für Investitionen bereitzustellen, sollen für 75 Milliarden Pfund (86,8 Mrd Euro) Unternehmensanleihen gekauft werden.

          Bereits 2009 hatte die Bank so 200 Milliarden Pfund in die Wirtschaft gepumpt. Der Chef der Bank of England, Mervyn King, bezeichnete die derzeitige Krise als möglicherweise schlimmer als die Depression der 1930er Jahre.

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