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Deutscher Außenhandel : Exporte überschreiten erstmals Billionenmarke

Gut zu tun: 2011 endet für Deutschland mit einer Rekordhandelsbilanz Bild: dpa

2011 haben deutsche Firmen erstmals waren im Wert von über einer Billion Euro exportiert. Auch die Einfuhren nähern sich dieser Marke. Zugleich fielen die Exporte im Dezember überraschend deutlich.

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          Die deutsche Warenausfuhr hat im Jahr 2011 mit einem Wert von 1060 Milliarden Euro einen Rekord erreicht. Der Export stieg gegenüber dem Vorjahr um 11,4 Prozent, gab das Statistische Bundesamt am Mittwoch bekannt. Deutschland war damit abermals nach China und vor den Vereinigten Staaten die zweitgrößte Exportnation der Welt. Die Nachfrage aus China, aber auch aus Osteuropa nahm besonders deutlich zu. Auch Deutschlands Wareneinfuhr stieg rasant um 13,2 Prozent auf 902 Milliarden Euro. Der teurere Import von Rohstoffen wie Erdöl erhöhte die Einfuhrrechnung. Der Handelsbilanzüberschuss lag mit 158 Milliarden Euro nur um 3 Milliarden über dem Vorjahreswert.

          Abkühlung im Dezember

          Philip Plickert
          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Im Dezember hat sich der Außenhandel deutlich abgeschwächt, was die schlechtere Konjunktur der Weltwirtschaft widerspiegelt: Der Export sank gegenüber dem Vormonat um 4,3 Prozent, der Import verringerte sich um 3,9 Prozent. Vor allem in die Eurozone gab es rezessionsbedingt einen Rückgang.

          „Die deutsche Wirtschaft kann auf ihr bislang stärkstes Außenhandelsjahr zurückblicken“, kommentierte Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler die Zahlen. „Aktuell ist es angesichts der Schwächephase der Weltwirtschaft zwar schwieriger, an diese Erfolge anzuknüpfen. Die deutsche Wirtschaft ist aber nach wie vor hoch wettbewerbsfähig.“ Der Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) sprach von einer „unerwartet erfreulichen Entwicklung“ im Gesamtjahr 2011. Anton Börner, der Präsident des Außenhandelsverbands BGA, sagte: „Die Abschwächung des Exportwachstums zum Jahresende kommt nicht überraschend.“ Dies könne die exzellenten Ergebnisse für das Gesamtjahr jedoch nicht trüben. „Auch 2012 ist der Export trotz vieler Rezessionsängste auf Kurs zu einem neuen Allzeithoch“, sagte Börner. „Zusammen mit den Importen erwarten wir für den Außenhandel dann erstmals die 2-Billionen-Marke zu knacken.“ Er äußerte gleichwohl Sorgen um Europa wegen der Schuldenkrise. Günstig entwickeln sich aber die Schwellenländer Brasilien, Russland, Indien und vor allem China, daher bleibt der Außenhandel zuversichtlich. Der BGA erwartet für 2012 ein Exportplus von 6 Prozent, der BDI prognostiziert nur 3 Prozent Anstieg.

          Zwei Drittel der Exporte gehen nach Europa

          Der Außenhandel wächst seit Jahren in den Schwellenländern deutlich stärker als in Europa. 2011 nahm der Export in die Eurozone um 8,6 Prozent zu, in Nicht-EU-Länder um 12,6 Prozent und in außereuropäische Länder wuchs er um fast 14 Prozent. Nach China nahm er sogar um mehr als 20 Prozent zu. Dort steigt die Nachfrage nach deutschen Maschinen, Autos, Chemie und Elektrogütern besonders kräftig.

          Wichtigstes Absatzgebiet für deutsche Exporteure ist Europa mit einem Anteil von gut zwei Dritteln. In den Euroraum ging Waren für 420,9 Milliarden Euro, knapp 40 Prozent des Gesamtexports. Zu Beginn der Währungsunion lag der Anteil noch bei rund 46 Prozent. In EU-Länder außerhalb der Eurozone, vor allem nach Osteuropa, lieferte die deutsche Wirtschaft Waren für mehr als 206 Milliarden Euro.

          Nach wie vor steht Frankreich an erster Stelle der Abnehmerländer. Laut der vorliegenden Statistik für Januar bis November 2011 gingen 9,6 Prozent des Exports nach Frankreich und 6,9 Prozent in die Vereinigten Staaten. Auf dem dritten Rang liegt inzwischen China gleichauf mit Großbritannien (beide gut 6 Prozent). Die Niederlande spielen mit ihren großen Häfen, durch die viel Handel geht, eine Sonderrolle. Den meisten Import bezieht Deutschland aus China (etwas mehr als 9 Prozent Anteil), gefolgt von den Niederlanden, Frankreich, den Vereinigten Staaten und Italien. Betrachtet man die Dynamik, ist China mittlerweile der wichtigste Handelspartner Deutschlands.

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