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Aufsichtsbehörde veröffentlicht Ergebnisse : Nur acht Banken scheitern bei Stresstests

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Bankentürme in Frankfurt: In der Mitte mit Antenne der Turm der ausgeschlossenen Helaba Bild: Wonge Bergmann

Banken aus den Euro-Krisenländern Spanien und Griechenland sind die Hauptverlierer des Stresstests. Die zwölf größten deutschen Banken haben die Tests bestanden, zwei davon aber nur knapp. Ein Sonderfall in Deutschland ist die Helaba.

          Im europaweiten Banken-Stresstest sind überraschend wenige Institute durchgefallen. Acht von 90 Häusern hätten in der Belastungsprobe nicht die geforderte Kapitalausstattung erreicht, teilte die Bankenaufsicht EBA am Freitag mit. Ihre Kapitalpuffer sind zu dünn, um bei einem simulierten schweren Konjunktureinbruch bei einer Quote von über fünf Prozent zu liegen. Aus Österreich fiel die Österreichische Volksbank AG durch. Daneben waren fünf spanische Häuser (Caja 3, Catalunya, Unnim, CAM, Banco Pastor) und zwei griechische Institute betroffen (ATEbank und Eurobank Ergasias EFG). Die acht durchgefallenen Banken benötigten laut der Bankenaufsicht 2,5 Milliarden Euro frisches Kapital, um sich zu stärken und die Kriterien zu bestehen.

          Das durchgerechnete Krisenszenario unterstellt eine zweijährige Rezession, die von Kurseinbrüchen und einem scharfen Zinsanstieg begleitet wird. Fachleute hatten mit doppelt so vielen Banken gerechnet, die diesem Szenario nicht standhalten können. Im vergangenen Jahr waren europaweit sieben Banken am Stresstest gescheitert.

          Die großen deutschen Banken haben den Test bestanden. Von den 13 getesteten deutschen Banken wäre einzig die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) nach den EBA-Kriterien nicht durchgekommen. Doch das Institut hatte sich im Streit mit der Aufsicht in letzter Minute von der Untersuchung ausgeschlossen (siehe ). Die Helaba veröffentlichte ihre Ergebnisse jedoch selbst.

          Deutschlands Aufseher betonen, auch die Helaba stehe gut da - obwohl sie zum Sonderfall geworden sei. „Das deutsche Bankensystem hat sich unter den geforderten Stressangaben als robust und widerstandsfähig bewiesen“, sagte Bundesbankvizepräsidentin Sabine Lautenschläger. Diese Ausführungen „gelten auch für die Helaba“.

          Die in London ansässige EBA hatte die bei Landesbanken üblichen stillen Einlagen nicht als hartes Kernkapital anerkannt, obwohl diese rechtlich noch zulässig sind. Die Helaba-Eigentümer hatten versichert, dass dieses Geld für Krisenzeiten zur Verfügung steht. Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) sagte im MDR-Fernsehen: „Die Helaba steht 1a da. Und ich finde, Brüssel hat wirklich andere Aufgaben, als sich um unsere wirklich gut funktionierende Bank in dieser Weise zu kümmern. Das machen wir schon selber.“

          Die Norddeutsche Landesbank und die HSH Nordbank haben sich in den Prüfungen aber nur knapp bewährt. Schon vor Bekanntgabe der offiziellen Ergebnisse am Freitagabend war aus Finanzkreisen durchgesickert, dass die Nord LB nach dem Krisenszenario auf eine harte Kernkapitalquote von 5,6 Prozent gekommen ist. Zum Bestehen wären 5 Prozent erforderlich gewesen. Die HSH hat mit 5,5 Prozent das schlechteste Ergebnis in Deutschland erreicht. Beide Banken sollen nun eng von der deutschen Bankenaufsicht begleitet werden. Härtere Sonderauflagen müssen sie aber offenbar nicht befürchten.

          Das beste Ergebnis in Deutschland hat die Landesbank Berlin mit 10,4 Prozent Eigenkapital im Stressfall verzeichnet. Im Schnitt haben die deutschen Banken mit 7,5 Prozent bestanden.

          Bundesbank und Bafin zeigten sich zufrieden: Die deutschen Teilnehmer hätten im Stresstest trotz des im Vergleich zum Vorjahr schärferen Stressszenarios erneut ihre Widerstandsfähigkeit gezeigt. Möglich gemacht hätten dies Kapitalmaßnahmen und eine bessere Ausgangslage. Auch Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) wertete die Resultate als Beleg für die Krisenfestigkeit der Branche. Für Deutschland seien „keine weiteren Anpassungen erforderlich“.

          Europäische Bankenaufsicht in der Kritik

          Sparkassen-Präsident Heinrich Haasis monierte, der Test trage nur unzureichend zur Vertrauensbildung bei. Einige gesunde Institute seien „künstlich krankgeredet“ worden, erklärte er unter anderem mit Blick auf die Helaba. Die Kapitaldefinition sei nach willkürlichen Maßstäben erfolgt, um politisch erwünschte Ergebnisse zu erzielen. Auch in Spanien wurden Rückstellungen für allgemeine Bankrisiken nicht akzeptiert. Dies kritisierte die spanische Finanzministerin Elena Salgado. Der EBA wurde zudem die unzureichende Berücksichtigung einer Umschuldung Griechenlands in den Stressszenarien vorgeworfen.

          Die verstaatlichte Hypo Real Estate (HRE), die den ersten Stresstest im Vorjahr als einzige deutsche Bank nicht bestanden hatte, liegt diesmal deutlich über der erforderlichen Messlatte von 5 Prozent. Die Bank hat nur noch 18 Milliarden an risikogewichteten Aktiva, nachdem im Herbst 2010 riskante Vermögenswerte über 176 Milliarden Euro auf eine staatliche Abwicklungsanstalt übertragen worden waren. Daher lag die Kernkapitalquote der HRE Ende Dezember sehr hoch bei mehr als 30 Prozent.

          Die Nord LB wäre diesmal durchgefallen, wenn das Land Niedersachsen nicht im April eine Kapitalerhöhung über 600 Millionen Euro auf den Weg gebracht hätte. Nach den Maßstäben der EBA hätte die eingeleitete Umwandlung stiller Einlagen von 1,1 Milliarden Euro in hartes Eigenkapital nicht ausgereicht, um die Fünf-Prozent-Hürde zu schaffen. Das zusätzliche Eigenkapital fließt der Bank zwar erst in den nächsten Monaten zu. Aber weil der Aufstockung über den Parlamentsbeschluss hinaus auch ein entsprechendes Gesetz zugrunde liegt, hat die EBA die Kapitalspritze anerkannt.

          Die Stresstests - eine Prüfung der Widerstandsfähigkeit

          Die Europäische Bankenaufsicht (EBA) in London prüft in ihren Stresstests die Widerstandsfähigkeit von 91 europäischen Banken. Unterstellt wurde eine zweijährige Rezession, die von Kurseinbrüchen an den Aktien- und Anleihemärkten begleitet wird. Für den Euroraum wird in diesem Zeitraum ein Rückgang der wirtschaftlichen Leistung von insgesamt 4 Prozent unterstellt, für Deutschland von 4,6 Prozent.

          Dass eine solche Schrumpfung der Wirtschaft von einem Zinsanstieg begleitet wird, ist ein ungewöhnliches Szenario. Denn die Notenbanken versuchen in der Regel einer Rezession mit Zinssenkungen entgegenzuwirken.

          Um zu bestehen, müssen die Banken nach dem Krisenszenario eine harte Kernkapitalquote von mindestens 5 Prozent aufweisen. Diese Kennziffer misst das Verhältnis von belastbarem Eigenkapital zu Risikoaktiva wie Krediten und Wertpapieren. In ihrer Kapitaldefinition übernahm die EBA schon aufsichtsrechtliche Regeln, die erst zwischen 2013 und 2019 umgesetzt werden müssen. Die deutschen Landesbanken und Aufsichtsbehörden hatten dafür kein Verständnis. (maf.)

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