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Arbeitsmarkt : Firmen binden ihre Mitarbeiter - und halten sie gesund

Bild: dpa

Die Krisenzeichen am Arbeitsmarkt nehmen zu. Doch noch werden mehr Stellen geschaffen als abgebaut. Langfristig wird für die Unternehmen wegen des demographischen Wandels immer zentraler, wie sie ihre Mitarbeiter an sich binden.

          Die Krisenzeichen nehmen zu. Schlecker-Insolvenz: 25.000 Menschen werden arbeitslos. Neckermann-Pleite: 2000 Menschen verlieren ihre Stelle. Deutsche Bank muss umstrukturieren: fast 2500 Stellen fallen weg. Diese Fakten sind plakativ. Aber sie bilden nur einen Teil der Realität ab.

          Georg Giersberg

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Betriebswirt“.

          Noch sinkt die Arbeitslosigkeit in Deutschland. Die Erfassung aller öffentlich bekanntgemachten Einstellungen und Stellenreduzierungen von jeweils mehr als 100 Personen im Einzelfall durch diese Zeitung zeichnet noch immer mehr Einstellungen als Stellenstreichungen. In den ersten neun Monaten dieses Jahres sind in deutschen Großunternehmen gut 91.000 Einstellungen verkündet worden. Das sind jetzt schon mehr als im gesamten Jahr 2011; damals waren es in zwölf Monaten 89.400. Diesem Zuwachs in der Schaffung neuer Stellen steht allerdings auf der anderen Seite ein noch schnellerer Zuwachs der Stellenstreichungen gegenüber. Bis Ende September sind hierzulande allein in Großunternehmen 75.000 Stellen weggefallen. Das ist mehr als doppelt so viel wie im gesamten Jahr 2011 (32.000). Die Verlangsamung des Wirtschaftswachstums schlägt sich eindeutig am Arbeitsmarkt nieder.

          Mangel an Ingenieuren

          Aber diese Entwicklung ist kurzfristig. Mittel- und langfristig treibt die Unternehmen die Sorge, wie angesichts der demographischen Entwicklung der Personalstamm erhalten und immer wieder aufgefüllt werden kann. Das Prüf- und Zertifizierungsunternehmen Dekra mit Sitz in Stuttgart (mehr als 2 Milliarden Euro Umsatz) setzt weiterhin seinen Plan um, von 2010 bis 2015 insgesamt 10.000 neue Stellen zu schaffen. Davon habe man schon in den ersten zwei Jahren 2010 und 2011 insgesamt 5500 neue Stellen besetzt - bei insgesamt knapp 30000 Mitarbeitern. „Als Sachverständigenorganisation benötigen wir ständig versierte und exzellent ausgebildete Mitarbeiter. Wir stellen weiterhin bundesweit insbesondere Prüfingenieure für den Bereich Fahrzeugprüfungen und Industrieprüfungen ein sowie Sachverständige für Gutachten“, sagt der Vorstandsvorsitzende Stefan Kölbl.

          Während der Mangel an Ingenieuren bereits seit Jahren bekannt ist, öffnen sich auch in anderen Bereichen große Lücken am Arbeitsmarkt. „In Hessen fehlen schon heute 2000 Fachkräfte in der Altenpflege“, schreibt das Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Frankfurter Goethe-Universität. Und bis zum Jahr 2020 käme ein weiterer Bedarf von 1800 Pflegekräften hinzu. Fachkräftemangel zeige sich aber auch in der Logistik oder bei IT-Berufen und die Besetzung von Lehrstellen fällt immer schwerer. Darunter leidet vor allem das Handwerk. „Die Situation wird sich in den kommenden Jahren aufgrund des demographischen Wandels weiter zuspitzen. Jetzt sind Konzepte gefragt, bei denen die unterschiedlichen Akteure zusammenarbeiten“, sagte Professor Robert Pütz, der Direktor des IWAK vor einer Tagung über die Entwicklung des Fachkräftebedarfs.

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