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Schlechte Wirtschaftszahlen : Arbeitslosigkeit im Euroraum auf Rekordhoch

  • Aktualisiert am

Auch Deutschlands Industrie verliert offenbar an Schwung. Bild: dapd

Mehr als 19 Millionen Menschen in der Währungsunion hatten im Februar keinen Arbeitsplatz - so viele wie noch nie seitdem es das Euro-Bargeld gibt. Auch die Wirtschaft verharrt weiter in ihrer Schwächephase.

          Die Arbeitslosigkeit in den 17 Euroländern ist so hoch wie noch nie seitdem das Euro-Bargeld im Jahr 2002 eingeführt wurde. Das berichtete die europäische Statistikbehörde Eurostat in Luxemburg. Demnach hatten im Februar gut 19 Millionen Menschen in der Währungsunion keinen Arbeitsplatz, das entspricht einer Arbeitslosenquote von 12 Prozent. Das ist ungefähr dasselbe Niveau wie im Januar.

          Schlimm ist die Lage weiterhin besonders auf den Arbeitsmärkten der südeuropäischen Krisenländer. Griechenland und Spanien melden Arbeitslosenquoten von jeweils mehr als 26 Prozent. In Deutschland ist die Quote derweil mit 5,4 Prozent eine der niedrigsten im Euroraum.

          Auch die Stimmung in der europäischen Industrie trübt sich offenbar weiter ein. Der vom Forschungsinstitut Markit berechnete Einkaufsmanagerindex für den Euroraum fiel im März um 1,1 auf 46,8 Punkte (für die Umfrage werden 3000 Unternehmen befragt). Seit August 2011 verharrt das Barometer damit unter der wichtigen Marke von 50 Zählern, was eine sinkende Wirtschaftsleistung signalisiert. „Der Industriesektor dürfte die Konjunktur im ersten Quartal belastet haben“, sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson. Zugleich sei das Risiko gestiegen, dass sich der Abschwung im Frühjahr noch verstärke.

          Nachfrageschwäche im Euroraum

          Die Produktion sei stärker zurückgefahren worden als in den beiden Vormonaten. Die Unternehmen begründeten das mit sinkenden Aufträgen aus dem In- und Ausland. „Die anziehende Nachfrage aus Asien und den Vereinigten Staaten von Amerika wurde von der neuerlichen Nachfrageschwäche innerhalb der Euro-Zone infolge des verschlechterten Geschäfts- und Konsumklimas überkompensiert“, sagte Williamson. Die Zypern-Krise habe zwar keine direkten negativen Auswirkungen auf die Konjunktur nach sich gezogen. „Es bleibt aber die Sorge, dass das jüngste Kapitel in der Krise der Euro-Zone der Nachfrage im April geschadet haben dürfte.“

          Die Unternehmen bauten darüber hinaus bereits den 14. Monat in Folge unter dem Strich Stellen ab - besonders in Frankreich, Italien, Spanien, den Niederlanden, Irland und Griechenland. In Deutschland und Österreich wurden hingegen netto neue Jobs geschaffen.

          Auch deutsche Industrie schwächer

          Allerdings konnte sich auch die deutsche Industrie dem europaweiten Trend auch nicht gänzlich entziehen. Der Einkaufsmanagerindex für Europas stärkste Volkswirtschaft rutsche im März um 1,3 auf 49 Punkte ab, teilte das Markit-Institut mit. „Verursacht wurde diese Entwicklung vor allem durch die wieder schlechter gefüllten Auftragsbücher“, sagte Markit-Ökonom Tim Moore. „Die sich abermals breit machende Unsicherheit besonders wegen der Lage in Südeuropa hat die Investitionsstimmung der Kunden getrübt.“

          Ein Lichtblick ist die Entwicklung der Mitarbeiterzahl. Die Unternehmen schufen erstmals seit einem halben Jahr wieder mehr Stellen als sie abbauten. „Der Zuwachs war allerdings außerordentlich gering“, hieß es. „Firmen, die ihre Belegschaft verstärkten, wiesen dabei oftmals auf geplante, längerfristige Expansionsvorhaben hin oder den Wunsch, die Auftragsbestände weiter abzubauen.“

          Entlastet wurden die Unternehmen auch auf der Kostenseite. Ihre Einkaufspreise fielen abermals. „Höhere Ausgaben für Energie und Treibstoffe wurden dabei durch günstigere Rohmaterialpreise überkompensiert“, hieß es von Markit.

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