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Anleihen : Bei Staatspleiten drohen Gläubigern herbe Verluste

  • Aktualisiert am

Bild: Reuters

Die Renditeaufschläge für griechische Staatsanleihen signalisieren die Gefahr einer Staatspleite. Sollte es dazu kommen, drohen Anleihengläubigern trotz IWF-Hilfe hohe Verluste. Zumindest war das bei früheren Staatspleiten so.

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          Die griechische Regierung hat sich dem Druck der Finanzmärkte gebeugt und am Freitag offiziell einen Antrag auf Aktivierung des EU-/IWF- Hilfspakets bei der EU-Kommission eingereicht. Die Finanzmärkte haben darauf zunächst erleichtert reagiert. Der Euro und die Aktienmärkte legten zu, während die Kurse der als sicherer Anlagehafen geltenden Bundesanleihen bröckelten. Die Risikoaufschläge, die Investoren beim Kauf griechischer Anleihen verlangen, gingen dagegen zurück.

          Das Thema ist allerdings nicht vom Tisch. Das zeigt sich alleine schon daran, dass die Risikoaufschläge griechischer Staatsanleihen noch immer außergewöhnlich hoch sind (für zehnjährige Papiere beträgt der Aufschlag gegenüber Bundesanleihen mit gleicher Laufzeit 525 Basispunkte). Wie kritisch und undurchsichtig die Lage ist, zeigt sich auch daran, dass die EU-Kommission am Donnerstag das Budgetdefizit für Griechenland für 2009 von 12,7 Prozent auf 13,6 Prozent nach oben revidiert hat. Für die Märkte war dies eine weitere Hiobsbotschaft und auch die Ratingagentur Moody´s reagierte mit einer Senkung der Kreditwürdigkeitsnote um eine Stufe auf A3 verschnupft.

          Umschuldung ist nicht völlig auszuschließen

          Wegen der Hohe der Verschuldung mehren sich die Stimmen, die eine Umschuldung Griechenlands als einzige Möglichkeit sehen, um der Schuldenfalle zu entkommen. Laut Jim Reid, Leiter Fundamental-Strategie bei der Deutschen Bank AG, zeigt der scharfe Anstieg der Absicherungskosten gegen einen Zahlungsausfall bei griechischen Anleihen, dass die Händler nicht überzeugt seien, Griechenland werde komplett gerettet. Eine Umschuldung griechischer Verbindlichkeiten hätte aber gewaltige Auswirkungen auf die weltweiten Finanzmärkte. Selbst einen Dominoeffekt wie nach der Insolvenz von Lehman Brothers im Herbst 2008 will er nicht ausschließen.

          Wie sich die Dinge letztlich entwickeln, ist derzeit zwar nicht seriös vorherzusagen. Die Gefahr, dass auch die Gläubiger ihren Teil an der Umschuldung Griechenlands tragen müssen, ist aber durchaus gegeben. Und sollte es zu einer Staatspleite kommen, drohen den Anleihengläubigern trotz IWF-Hilfe hohe Verluste. Zumindest war das in früheren Fällen wie beispielsweise in Russland 1998 und in Argentinien 2001 so, wie die Commerzbank in einer neuen Studie zu dem Thema herausgearbeitet hat.

          Hohe Verluste bei früheren staatlichen Zahlungsausfällen

          Die Analysten Christoph Balz und Rainer Guntermann haben darin vergangene Staatschuldenkrisen untersucht und dabei festgestellt, die Kosten für die Anleger hoch sind und auch das Einschreiten des IWF nicht garantieren kann, dass ein Land seine Staatfinanzen erfolgreich saniert. In der Commerzbank-Studie wird auf Berechnungen der Ratingagentur Moody´s Bezug genommen, die für 13 staatliche Zahlungsausfälle zwischen 1998 und 2008 untersucht hat, mit welchem Abschlag die betroffenen Anleihen 30 Tage nach dem Zahlungsverzug handelten. Bei argentinischen Papieren betrug der Abschlag demnach durchschnittlich 73 Prozent des Nennwertes, bei russischen gar 82 Prozent. Über alle Länder hinweg mussten die Investoren einen Abschlag von 50 Prozent hinnehmen, wenn man die Emittenten gleich gewichtet. Bei einer Gewichtung nach dem Nominalbetrag war der Verlust mit 69 Prozent noch höher. Im Einzelnen schwankten die Werte allerdings stark zwischen 5 Prozent (Dominikanische Republik, 2005) und 82 Prozent (Russland, 1998).

          Nach einer Untersuchung von Umschuldungen in den Jahren 1998 bis 2005 durch IWF-Ökonomen verloren in Russland ausländische Investoren gut 60 Prozent ihrer auf Rubel lautenden Forderungen. Bei den Fremdwährungsschulden mussten die Investoren 69 Prozent abschreiben. In Argentinien mussten 2005 die Gläubiger der Dollarbonds auf 67 Prozent verzichten. Die IWF-Studie weist zudem darauf hin, dass mit Ausnahme der Umschuldungen in Russland einheimische Investoren nicht grundsätzlich besser behandelt wurden als Ausländer. Unabhängig vom Wohnsitz ergaben sich dennoch oft deutliche Unterschiede zwischen den Investoren innerhalb einer Umstrukturierung. Dies betraf vor allem Maßnahmen, bei denen ganz unterschiedliche Papiere eingereicht werden konnten. So konnten sich am Umtauschangebot Argentiniens 2005 die Besitzer von 156 Instrumenten beteiligen, denen insgesamt 11 verschiedene neue Instrumente angeboten wurden. Der mittlere Abschlag von 67 Prozent verdeckt, dass etliche Anleger spürbar besser, andere deutlich schlechter abschnitten.

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