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Anleihemärkte : Erleichterung nach dem Ja der Griechen

Bild: F.A.Z.

Nach der Annahme des Sanierungsplans durch das griechische Parlament sinken die Anleiherenditen und die Preise für CDS in der Peripherie deutlich. Am griechischen Aktienmarkt kommt es zu Gewinnmitnahmen. Die Märkte sehen weiter Handlungsbedarf.

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          Die internationalen Finanzmärkten haben nach der Annahme des Sanierungsplans durch eine Mehrheit der Abgeordneten des griechischen Parlaments mit einer Mischung aus Erleichterung und Vorsicht reagiert. Nachdem die Kurse vieler Aktien und Anleihen in den vergangenen Tagen in der Erwartung einer Zustimmung des griechischen Parlaments bereits gestiegen waren, setzten am Mittwoch nach der Abstimmung an einzelnen Aktienmärkten Gewinnmitnahmen ein. Für den Fall einer Ablehnung des Sanierungsplans durch Athen hatten zahlreiche Teilnehmer schwere Turbulenzen für die internationalen Finanzmärkte prognostiziert.

          Der Präsident der Deutschen Bundesbank, Jens Weidmann, sagte nach dem Votum des Parlaments, es handele sich um einen „wichtigen Schritt“, der aber nur Teil eines Prozesses sei. Ein Vertreter der amerikanischen Fondsgesellschaft Pimco gab zu bedenken, Griechenland bleibe ein Land mit „einer großen finanzpolitischen Herausforderung“. Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Josef Ackermann, bezeichnete die Zustimmung des Parlaments in Athen zu dem Sanierungsplan als „großartig“. Allerdings habe er von den Griechen auch nichts anderes erwartet. Die großen Herausforderungen hätten für die griechische Regierung gerade erst begonnen, hieß es aus dem Frankfurter Privatbankhaus Metzler.

          Preise für CDS fallen

          Die in den vergangenen Monaten kräftig gestiegenen Renditen für Staatsanleihen aus der europäischen Peripherie gingen am Mittwoch zurück. Die Rendite für zweijährige griechische Staatsanleihen fiel um 199 Basispunkte auf 26,56 Prozent. Die Rendite zweijähriger portugiesischer Staatsanleihen ermäßigte sich um 82 Basispunkte auf 11,81 Prozent. Die Renditen für Papiere aus Irland, Spanien und Italien gaben ebenfalls nach, wenn auch nicht so deutlich.

          Umgekehrt verzeichneten die Anleihen aus Staaten mit sehr guten Bonitätsnoten wie Deutschland, Frankreich, der Schweiz oder Schweden angesichts einer zunehmenden Risikofreude von Anlegern Anstiege der Renditen um wenige Basispunkte. Die Rendite der zehnjährigen deutschen Bundesanleihe erreichte erstmals seit einer Woche wieder die Marke von 3 Prozent.

          Mit den Renditen der Staatsanleihen aus der Peripherie fielen auch die Preise für Kreditausfallderivate (CDS) auf diese Anleihen. So gab der Preis für CDS auf fünfjährige griechische Staatsanleihen am Mittwoch um 171 auf 1881 Basispunkte nach. Der Präsident der deutschen Finanzmarktaufsichtsbehörde (Bafin), Jochen Sanio, sagte auf einer Veranstaltung in Berlin, die CDS bildeten eine große Unbekannte für die Folgen einer eventuellen Umschuldung Griechenlands, weil niemand genau wisse, wer CDS auf griechische Staatsanleihen ausgestellt habe.

          Kettenreaktionen vermeiden

          Am griechischen Aktienmarkt setzten nach der Parlamentsabstimmung Gewinnmitnahmen ein. Der ASE-Index tendierte im Nachmittagshandel nur noch geringfügig im Plus, nachdem er am Vormittag noch bis zu 3,5 Prozent über seinem Stand vom Vortag gelegen hatte. Besonders stark betroffen von den Gewinnmitnahmen waren die Aktien der Banken. In Deutschland notierten im Nachmittagsgeschäft der Dax und der F.A.Z-Index mit rund 1,5 Prozent im Plus und damit nur knapp unter ihren Tageshöchstständen. Die Hausse war auch von unbestätigten Berichten beeinflusst, die Ratingagenturen könnten das Pariser Modell, nach dem Banken einen Teil ihrer griechischen Anleihen mit Restlaufzeiten bis zum Jahr 2014 in Papiere mit 30 Jahren Laufzeit tauschen sollen, nicht einen Zahlungsausfall betrachten und daher auch nicht mit einer schlechteren Bewertung der griechischen Staatspapiere beantworten. Hierfür gab es allerdings keine Bestätigung von den Ratingagenturen. Die Nachrichtenagentur Reuters berief sich auf nicht genannte Bankenvertreter.

          Entscheidend sei, einen Zahlungsausfall Griechenlands zu vermeiden, sagte Commerzbank-Vorstandschef Martin Blessing. Dies hätte unübersehbare Folgen und Ansteckungsgefahren für andere Länder. Auch die Banken müssten einen Beitrag leisten, um eine solche Kettenreaktion zu vermeiden, so Blessing.

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